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04.01.14 / »Froh schlägt das Herz im Reisekittel« / Oberschlesisches Landesmuseum präsentiert Verkehrs- und Kommunikationsmittel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-14 vom 04. Januar 2014

»Froh schlägt das Herz im Reisekittel«
Oberschlesisches Landesmuseum präsentiert Verkehrs- und Kommunikationsmittel

Kompetente Antworten auf Fragen wie „Wann wurde die Oderschifffahrt erstmals urkundlich erwähnt?“ oder „Wann wurde die erste Postkutsche zwischen Leipzig und Berlin eingesetzt?“ bekommen Besucher des Oberschlesischen Landesmuseums von Ratingen Hösel im Rahmen

einer neuen Sonderschau geboten. Unter dem Motto „Fahren, Gleiten, Rollen – Mobil sein im Wandel der Zeit“ finden die wichtigsten Etappen der Verkehrs- und Kommunikationsgeschichte chronologische Berücksichtigung.

Grundlegende Aspekte des Straßenverkehrs, der Bahn- und Luftfahrtentwicklung, des Motorsports, des Kommunikationswesens und der Reiseerlebnisse werden anhand von Exponaten dargestellt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Oberschlesien.

Wer sich auf die imaginäre Zeitreise durch die Mobilitätsgeschichte begibt, entdeckt bereits im Eingangsbereich des Museums einen Kastenwagen Nysa 522-5 mit Rüstsatz als Feldpostamt der polnischen Armee. Der im oberschlesischen Neisse hergestellte Transporter stammt aus einer Kleinserie (Baujahr 1987), wurde im Jahr 2013 in Warschau erworben und ist nun Bestandteil der OSLM-Sammlung. Wie sehr sich die Geschwindigkeiten und der Komfort von Fortbewegungsmitteln sowie die Motivation der Reisenden oder die Anforderungen der Wirtschaft im Laufe der Jahrhunderte verändert haben, können Besucher bei einem Rundgang durch die Ausstellung nachvollziehen.

Die Vielfalt der Mobilität unserer Kultur wird anhand von Exponaten rund um den Straßenverkehr, die Luft- und Schifffahrt sowie den Bahnverkehr veranschaulicht. Informative Bild- und Texttafeln ergänzen die Inhalte mit Daten und Fakten aus der Geschichte. Eine Reihe von auserwählten Zitaten bekannter Persönlichkeiten der Zeit spiegeln die Einstellung zu den jeweiligen Fortbewegungsmitteln wider. Eines der aussagekräftigen Zitate stammt von Wilhelm Busch (1832 − 1908): „Froh schlägt das Herz im Reisekittel, vorausgesetzt man hat die Mittel“.

Gleich zu Beginn fällt der Blick auf ein Pferd und Zaumzeug. Verständlich, dass die Ausstellungsmacher als Ausgangspunkt der „rasanten“ Tour „ein PS“ gewählt haben. In unmittelbarerer Nähe befindet sich eine Landauer Kutsche aus der Zeit um 1900. Das viersitzige, vierrädrige und an beiden Achsen gefederte Gefährt galt im 18. und 19. Jahrhundert in allen europäischen Ländern als bevorzugter Reisewagen und Statussymbol begüterter Kreise. Ergänzt wird diese Szene durch Koffer und Transportkisten der Fürsten Hatzfeld aus Schloss Trachtenberg aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Einen weiteren Themenkomplex der Mobilitätsgeschichte stellt die Entwicklung des Eisenbahnverkehrs dar. Ausstellungsstücke, Postkarten und Archivbilder weisen auch darauf hin, dass in Preußisch-Schlesien im Jahr 1847 der Verbindung Breslau-Kosel-Myslowitz fertiggestellt wurde. Somit konnte der kostengünstige Massentransport oberschlesischer Steinkohle zur Oder und von dort weiter per Schiff nach Berlin erfolgen.

Das rasch engmaschig werdende Streckennetz belebte den Fremden- und Warenverkehr in und nach Schlesien. Doch da die deutschen, polnischen und tschechischen Grenzen nach dem ersten Weltkrieg zu Reise-Barrieren wurden, begann erst mit den Ereignissen des Jahres 1989 eine neue europäische Regionalentwicklung in Freiheit.

Erwähnung finden in der Ausstellung auch die ältesten Straßenbahnen Schlesiens, darunter die 1876 in Breslau gegründete Bahn, sowie die „Fliegenden Züge“. Als Höhepunkt des Schnellverkehrs wird der „Fliegende Schlesier“ vorgestellt, der von 1936 bis 1939 auf der Strecke von Berlin nach Breslau eingesetzt wurde. Der bis zu 160 Stundenkilometer schnelle Triebwagen der dreiteiligen Bauart „Leipzig“ benötigte für die Fahrt weniger als drei Stunden.

Nicht zu übersehen ist der häufig belächelte, aber dennoch begehrte Fiat 126p, der als Sinnbild polnischer Mobilität gilt. Selbst neben dem Pritschenwagen mit offener Ladefläche Nysa 522 macht der „Kleine“ („Maluch“) eine durchaus gute Figur.

Ein Fahrrad der Marke Ebeco aus Kattowitz und ein Breslauer Motorrad sind weitere Exponate, die beim Rundgang durch die Schau als Blick-fang wirken. Letzteres erinnert an den 1893 in Breslau geborenen Motorsportler Herbert Ernst. 1926 gründete Ernst eine Fabrik, in der er Motorräder mit dem Namenszusatz „Mag“ baute.

Interessant sind auch die Hinweise zur engen Verbindung, die es zwischen der Geschichte der Mobilität und der Kommunikation gab. Schließlich soll die Übertragung von Nachrichten – wie auch die Fortbewegung der Menschen – immer schneller, direkter und weiter erfolgen. In allen europäischen Regionen lassen sich dazu Entwick-lungen und Fortschritte nachvollziehen. Erwähnung finden in der Ausstellung Kurierdienste, die den Schriftverkehr zwischen Klöstern, Herrschern und Kaufleuten ermöglichten. Vor rund 150 Jahren galten die reitenden Eilboten als die schnellsten öffentlichen Nachrichtenüberbringer. Heute sind es die elektronische Datenübertragung und das Mobiltelefon, die aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sind.

Neugierige Besucher jeder Altersstufe können die virtuelle Zeitreise unter dem Motto „Fahren, Gleiten, Rollen“ im Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen-Hösel bis Anfang Okto-ber 2014 antreten. Ergänzend wird ein umfangreiches Begleitprogramm mit öffentlichen Sonntagsführungen sowie Themenführungen in Kooperation mit der VHS Ratingen angeboten. Dieter Göllner


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