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25.08.17 / »Sorry, no German!« / Berliner Szenelokale schaffen Deutsch ab – CDU-Mann genervt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-17 vom 25. August 2017

»Sorry, no German!«
Berliner Szenelokale schaffen Deutsch ab – CDU-Mann genervt
Hans Lody

Der CDU-Bundespolitiker Jens Spahn hat es wieder in die Schlagzeilen geschafft. Das neue Aushängeschild der Konservativen und Merkel-Kritiker in der Union hatte in einem Interview beanstandet, dass in einigen Innenstadtlokalen in Berlin ausschließlich Englisch gesprochen werde. „Mir geht es zunehmend auf den Zwirn, dass in manchen Berliner Restaurants die Bedienung nur Englisch spricht … Auf so eine Schnapsidee käme in Paris sicher niemand.“

Spahns Zorn richtet sich nicht gegen Kellner, die außer der deutschen Sprache zusätzlich eine andere sprechen, sondern gegen den in manchen „Szenelokalen“ ausgeübten Zwang, ausschließlich auf Englisch zu bestellen. Das englischsprachige Stadtmagazin „Exberliner“ schrieb schon vor Jahren: „Sorry, no German!“ Selbst vom linksliberalen Berliner „Tagesspiegel“ kam Kritik: „Liebe Kellner, euer Englisch nervt!“ 

SPD-Bundesgeschäftsführerin Juliane Seifert widerspricht Spahn: „I’m feeling so sorry for him. Poor guy“ („Er tut mir so leid, armer Kerl!“). Auch der FDP-Chef von Rheinland-Pfalz, Volker Wissing, keilt gegen den CDU-Politiker: „Und wie viele Kellnerinnen und Kellner wohl von Jens Spahn genervt sind???“ 

Spahn bleibt dabei: „Das (gemeint: den Gebrauch der deutschen Sprache) sollten und dürfen wir von jedem Zuwanderer erwarten.“ Es ist nicht das erste Mal, dass das CDU-Präsidiumsmit ähnlichen Themen Präsenz in den Medien aneckt. So erklärte Spahn unlängst: „Im Übrigen ist auch nicht jede kulturelle Verschiedenheit per se eine Bereicherung. Ich muss die zunehmende Zahl an Kopftüchern auf unseren Straßen ertragen, als Bereicherung empfinde ich sie allerdings nicht.“ 

Der Staatssekretär im Finanzministerium ist allerdings nicht durchweg so scharf konservativ profiliert. Er plädierte angesichts einer fraglichen schwarz-gelben Mehrheit nach der nächsten Bundestagswahl für ein sogenanntes Jamaika-Bündnis unter Einschluss der Grünen. „Wenn es rechnerisch diese Mehrheit gibt, sollte sie genutzt werden.“ 

Kritiker mutmaßen daher, Spahn ziehe die patriotische Karte nur wegen des Wahlkampfes, ohne ernsthafte politische Anliegen zu verfolgen. Generell, so Spahn, könne das Zusammenleben in Deutschland nur gelingen, wenn alle auch Deutsch sprechen. Das kann man als Kritik an der Kanzlerin verstehen – muss man aber nicht.