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25.08.17 / Rastalocken gehen gar nicht / Immer absurder wird der Tugendwahn. Neuestes Hassobjekt: Die »kulturelle Aneignung«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-17 vom 25. August 2017

Rastalocken gehen gar nicht
Immer absurder wird der Tugendwahn. Neuestes Hassobjekt: Die »kulturelle Aneignung«
Volker Kleinophorst

Nun hat es Super Mario erwischt. Der kleine Klempner von Nintendo ist den Gerechtigkeitskämpfern vor die Flinte gelaufen. Der Grund: Auf dem Cover der neuesten Version des Computerspiels trägt Mario Sombrero und Poncho. Und das als Italiener?

Ein gar nicht so neuer Unsinn schwappt nach großen Erfolgen in den USA auch nach Deutschland über: die „kulturelle Aneignung“. Weiße Menschen sollen keine Symbole, Kleidungsstücke oder Handlungen anderer Völkerschaften übernehmen. Man würde ihnen Identität und Ansehen rauben. 

Wer jetzt meint, dann dürften ja auch Indianer, Eskimos oder Kurden keine Jeans tragen oder VW Golf fahren, der irrt. Nein, die dürfen das. „Kulturelle Aneignung“ ist es allein, wenn Weiße okkupieren, was mit einer andere Rasse und Kultur verbunden wird. Wer sein Haupt mit Rastalocken schmückt, sich als Indianer verkleidet oder seine Stirn mit einem indischen Bindi, dem kreisförmigen Schönheitsfleck, schmückt, muss mit Schlimmem rechnen. Eine Protestwelle, ein Shitstorm, droht. Daher gehört das Einknicken in den USA schon zum Reflex. Nintendo hat die Bilder vom Umschlag entfernt. 

Auch im Land der Freien will sich keiner mit den Gerechtigkeitsfanatikern anlegen. Eine paar Beispiele, wie verrückt es zugeht: US-Sänger Justin Timberlake twitterte, dass ihn der schwarze Schauspieler und Aktivist Jesse Williams inspiriere. Der hatte eine Rede gehalten über Rassismus und „kultureller Aneignung“. Aber: Der dumme Weißfisch! Wie konnte er nur denken, das sei keine kulturelle Aneignung? Timberlake entschuldigte sich. So wie das Model Karlie Kloss für das Tragen einer indianischen Federhaube oder Hollywoodstar Chris Hemsworth („Thor“), der sich auf einer Kostümparty ebenfalls im Kleider-Fundus der Rothäute vergriffen hatte. Sein zerknirschter Tweet danach: „Ich entschuldige mich aufrichtig und uneingeschränkt bei allen Ureinwohnern für diese gedankenlose Aktion.“

In Deutschland mag man nicht abseits stehen. Die deutsch-iranerin Hengameh Yaghoobifarah, wohnhaft in Berlin und anscheinend als eine Art Journalistin beziehungsweise Berufs-Feministin unterwegs, zählt derzeit wohl zu den lautstärksten Aufpassern in Sachen „kulturelle Aneignung“. Für Yaghoobifarah steht fest: Rastalocken bei Weißen geht gar nicht. Mit derlei Wuschelköpfen möchte sie nicht einmal reden oder nur daneben sitzen, offenbart sie im „Missy Magazin“, dem Magazin für Pop, Politik und Feminismus. Bei einer Technoparty hat sie entsetzt festgestellt, dass sie quasi auf einem kolonialrassistischen Rastalocken-Treffen, einem Schauplatz der „weißen Vorherrschaft“ gelandet war. Weitere rassistische Mode-Fauxpas waren Kimonos, Oberteile mit chinesischen Zeichen, Bindis, Saris, Turbane und Sharwals (das sind die Hosen, bei denen der Schritt ganz weit unten hängt). „Warum ist es für so viele Leute so schwierig, ein Outfit zu finden, ohne andere damit anzugreifen? Wie wäre es mit einer Jeans und einem Shirt? Einem Blümchenkleid? Einem karierten Rock?“, fragt sie pikiert.

Es gibt immer mehr Pikierte: Beim letzten Karneval gab es eine  Plakatkampagne, organisiert unter anderem von der Antonio-Amadeu-Stiftung und der Linkspartei.  Mit waidwundem Blick hielten offensichtliche Araber, Japaner und Indianer ein Foto hoch, auf dem sich ein fröhlicher Karnevalist ihre Nationaltracht anmaßte. „Das bin nicht ich und das ist nicht okay“, befanden die volksfremden Spaßbremsen. Geschert um derlei „jecke“ Ansinnen haben sich wohl wenige Karnevalisten. Lachhaft ist die Aktion aber nicht. In Anlehnung an ein Gandhi-Zitat – sicher auch kulturelle Aneignung – bleibt festzustellen: „Erst ignorierst du den Mist, dann belächelst du ihn, aber wenn du ihn dann nicht bekämpfst, wird er dir schon bald den Alltag versauen.“ 

Als Nächstes warten schon „Lookism“ (Benachteiligung durch zu schön oder zu hässlich), „Femmephobie“ (Wenn Lesben „zu weibliche“ Lesben ablehnen) und ungleiche Bezahlung nach Rasse und Behinderungsgrad. Wo es endet: An der Stanford Universität in Kalifornien gibt jetzt einen Kurs zur „Überwindung des Weißseins.“