26.01.2022

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01.09.17 / »Berlin«-Klasse statt »Arche Naumann«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-17 vom 01. September 2017

»Berlin«-Klasse statt »Arche Naumann«

Deutschland hat notorisch Pech mit seinen Flugzeugträgern. Kein einziger hat jemals seine Indienststellung erlebt. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs sollte der Passagierdampfer „Ausonia“ ein durchgehendes Flugdeck und einen Hangar erhalten, aber die Pläne wurden durch das Kriegsende Makulatur. Die „Graf Zeppelin“ erlebte immerhin 1938 einen spektakulären Stapellauf, verbrachte den Krieg dann aber unfertig als Wohnschiff und Holzlager. 

In den 90er Jahren sollte die schrumpfende Bundeswehr trotzdem global Flagge zeigen können. Daher beauftragte der damalige Generalinspekteur Klaus Naumann die Marine mit „vertieften Überlegungen“ zu einem Führungs- und Unterstützungsschiff. Daraus wurde eine Studie für ein 196 Meter langes und 20000 Tonnen verdrängendes Schiff mit Flugdeck, Hangarplatz für acht Hubschrauber, einem Lazarett mit zwei Operationssälen, einem Dock für zwei Landungsboote und Kapazität für 700 Soldaten zusätzlich zur Besatzung. Auch waren eine Roll-on-Roll-off-Fähigkeit und Transportkapazität für bis zu 271 Fahrzeuge vorgesehen. Hinzu kam die Ausrüstung, als Führungsschiff für einen Flottenverband oder eine Landeoperation zu fungieren. Die Kosten hätten 500 bis 620 Millionen D-Mark betragen. 

Gegen dieses als „Arche Naumann“ verspottete Projekt regte sich denn auch schnell Widerstand. So sprach sich der damalige CDU-Abgeordnete Thomas Kossendy gegen das Vorhaben aus, weil er „Verdrängungseffekte“ befürchtete, also Einsparungen bei anderen Projekten. Der damalige Marineinspekteur Hans-Rudolf Böhmer wollte lieber mehrere andere Kriegsschiffe beschaffen als ein großes. Anfang Mai 1995 zog Verteidigungsminister Manfred Wörner dann die Reißleine und verkündete, es gäbe „keinen politischen Handlungsbedarf für eine Entscheidung“. Statt des Hubschrauberträgers gab die Marine schließlich die Einsatzgruppenversorger der „Berlin“-Klasse in Auftrag.F.L.