25.01.2022

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01.09.17 / Der linke Rand spielt Mitte

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-17 vom 01. September 2017

Der linke Rand spielt Mitte
Theo Maass

Zwei Tage nach dem 30. Jahrestag des Todes von Rudolf Heß wollten Rechtsextremisten und ganz alte „Unverbesserliche“ mit einer Demonstration in Spandau an dieses Ereignis erinnern. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) ließ sich angesichts dessen zu der Entgleisung herab: „Die freiheitlich demokratische Grundordnung gilt leider auch für Arschlöcher.“ 

Den rund 800 Teilnehmern der Heß-Demonstration standen etwa gleich viele Gegendemonstranten gegenüber. Die wollten die „Mitte“ der Gesellschaft repräsentieren. Jeder mag selbst beurteilen, ob die VVN/BdA, das „Bündnis gegen Rechts“, das „Stadtteilzentrum Spandau – Sozial-kulturelle Netzwerke Casa e.V.“, der „Runde Tisch Spandau für Demokratie und Toleranz“, die „Mahnwache Spandau“, Cotyar Hagi (Linksfraktion Spandau), die Evangelische Kirche in Spandau, das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“, die Katholische Pfarrgemeinden in Spandau, Bündnis 90/Die Grünen Spandau, der „Türkische Bund Berlin-Brandenburg“, die IG BAU, der DGB-Kreisverband Spandau und die Linkspartei des Ortes eher die Mitte der Gesellschaft oder deren linken Rand repräsentieren. 250 Heß-Demonstranten erreichten Spandau jedenfalls nicht, weil bisher unbekannte Täter einen Anschlag auf die Regionalbahn verübt hatten. Die blockierten Rechtsaußen-Demonstranten versammelten sich daher im Berliner Vorort Falkensee. 

Die eigentliche Heß-Demo in Spandau konnten die Linksextremisten nach einigen hundert Metern stoppen. Diese feierten sich anschließend ob ihres Erfolgs. Der RBB interviewte einige halbwegs bürgerlich aussehende Gegendemonstranten, die dort ihrer Empörung über Heß Ausdruck verleihen konnten. Erstaunlich ist bei der großen Anzahl der Organisationen, die zu den Protesten gegen den Heß-Marsch aufgerufen hatten, dass ziemlich wenige Menschen kamen. Die Polizei „kapitulierte“ dennoch alsbald vor den Blockierern, anstatt den Ablauf der äußerst zweifelhaften, aber angemeldeten und legalen Demonstration zu gewährleisten.

Im Grunde ist der gesamte Auflauf jedoch längst ein Anachronismus, eine pervers-bizarre „Tradition“ beider Seiten, des linken wie des rechten Randes, die sich gegenseitig ihr Mütchen kühlen. Die „Amadeu-Antonio-Stiftung“ der früheren Stasi-Zuträgerin Anetta Kahane machte dieser Tage längst das neue Ziel linksradikaler Attacken kenntlich: „Der Rechtspopulismus ist im Moment eine größere Bedrohung als der Rechtsextremismus.“ 

Na also: „Antifa“ als Speerspitze gegen andersdenkende Demokraten. Das hat immerhin eine blutige Tradition seit dem „Antifaschistischen Schutzwall“, der einst quer durch Deutschland lief.