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01.09.17 / Das Malerparadies von der Ostsee / Ahrenshoop feiert das 125. Gründungsjubiläum seiner Künstlerkolonie – Zahlreiche Veranstaltungen mit malenden Insulanern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-17 vom 01. September 2017

Das Malerparadies von der Ostsee
Ahrenshoop feiert das 125. Gründungsjubiläum seiner Künstlerkolonie – Zahlreiche Veranstaltungen mit malenden Insulanern
Andreas Guballa

Ahrenshoop – das klingt nach Sehnsucht und Meer. Seit 125 Jahren zieht es Künstler und Kunstfreunde in den Ort an der Ostseeküste auf der Halbinsel Fischland-Darß. In diesem Jahr feiert die Künstlerkolonie Jubiläum.

Die Ostsee auf der einen Seite, der Bodden auf der anderen, dazwischen das kleine Fischerdorf Ahrenshoop mit seinen reetgedeckten Katen, und über allem die Weite des Himmels: Diese besondere Kombination faszinierte schon Ende des 19. Jahrhunderts viele Künstler. Heute ist das Seebad auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst sowohl für Gäste, die zum Badeurlaub kommen, als auch für Kunstfreunde ein interessantes Ziel. 

In diesem Jahr feiert Ahrenshoop das 125. Gründungsjubiläum seiner Künstlerkolonie unter dem Motto „Tradition bewahren – im Zeitgeist leben“ mit zahlreichen Ausstellungen und Kunstprojekten. Ein neu angelegter Kunstpfad mit zehn Stationen führt Besucher zu Stellen, an denen Gemälde entstanden sind, und informiert über Maler und Werk. 

Die Geschichte des Künstlerortes Ahrenshoop begann am Hohen Ufer auf dem Fischland, wo die Maler Paul Müller-Kaempff und Oskar Frenzel 1889 ihr märchenhaftes „Powerdörp“ zum ersten Mal erblickten. Vom Meer zum Bodden benötigt man hier nur wenige Schritte. Und doch grenzt jedes der beiden Ufer an eine andere Welt. Die Maler der damaligen Jahrhundertwende waren fasziniert von der wilden Vielfalt des Spärlichen in der Natur um Ahrenshoop. „Ent­zückt“ blicken sie „auf dieses Bild des Friedens und der Einsamkeit“, notierte Müller-Kaempff später.

Die Künstler „kolonisierten“ die Gegend und siedelten sich an. Müller-Kaempff baute 1892 in der Dorfstraße 18 in Ahrenshoop ein Atelier- und Wohnhaus. Das heutige Künstlerhaus Lukas, 1894 er­baut, betrieb er erfolgreich als Pension und Malschule. „Sein Einfluss auf die Infrastruktur des Ortes und die zahlreichen Malschülerinnen, die er nach Ahrenshoop holte, lassen Müller-Kaempff als Gründer der Künstlerkolonie gelten“, sagt die künstlerische Leiterin des Kunstmuse­ums Ahrenshoop, Katrin Arrieta.

Mit den Jahren entwickelten die Künstler das Bedürfnis, ihre Häuser an die ortstypische Bauweise anzunähern. Der 1909 von Müller-Kaempff und Theobald Schorn gegründete Kunstkaten 

– die erste Galerie Ahrenshoops – demonstrierte das neue Verständnis der Künstler für die Bautradition auf Fischland und Darß. Andere Künstler folgten ihm nach, bauten Häuser mit Ateliers sowie Galerien und machten den Ort bekannt. Später kamen auch Schriftsteller und fanden dort Inspiration. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges mussten viele Maler ihre Häuser aufgeben. Ihnen folgte die zweite Generation der Ahrenshooper Künstler. „In den turbulenten Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich der Dichter Johannes R. Becher dafür ein, aus Ahrenshoop ein ,Bad der Kulturschaffenden‘ werden zu lassen“, so Arrieta. 

Nicht nur anerkannten Künstlern bot Ahrenshoop Raum, sondern auch so manchen unangepassten. Edmund Kesting, während der NS-Zeit verfemt, blieb in der DDR ein künstlerischer Außenseiter. In Ahrenshoop fand er einen Rückzugsort für sein weiteres Schaffen. Zahlreiche Künstler fast aller wichtigen Strömungen moderner Kunst nahmen das Flair des Ortes auf, bereicherten es mit ihrer Anwesenheit und trugen es bis in die Gegenwart weiter. Ahrenshoop ist heute ein offener Künstler- und Begegnungsort, der mit einer Vielzahl an Kunsthäusern, Galerien und Ateliers Gestaltungsraum für Kreative aller Sparten bietet.

Das vielfältige kulturelle Angebot ist ein Markenzeichen Ahrenshoops geblieben. Galerien und Kunstausstellungen prägen den Ort. Heute leben in Ahrenshoop 638 Einwohner, die jedes Jahr zehntausende Touristen empfangen. Mittelpunkt ist seit 2013 das Kunstmuseum mit mehr als 800 Exponaten an Arbeiten von Künstlern aus der Region 

– von der Gründergeneration bis zur Gegenwart. Es zeichnet die Entwicklung der Künstlerkolonie nach und präsentiert wechselnde Ausstellungen. Sehenswert sind außerdem der Kunstkaten, die Klanggalerie und die Bunte Stube. In Malkursen können Besucher selbst kreativ werden. Kursleiter sind professionelle Maler.

Wer mehr über Ahrenshoops Gegenwart und Vergangenheit als Künstlerkolonie erfahren möchte, kann sich einer der Führungen durch den Ort anschließen. So zeigt der literarische Rundgang, dass dort auch Schriftsteller häufig zu Gast waren. Die Tour führt zu Häusern, in denen Autoren wie Bertold Brecht, Anna Seghers oder Uwe Johnson während ihrer Aufenthalte in Ahrenshoop wohnten. Teilnehmer erfahren Anekdoten über die bekannten Gäste und können Zitaten aus ihren Werken lauschen. Jeden Mittwoch lädt die Kurverwaltung außerdem zu einem allgemeinen Rundgang durch den Ort ein.

Auch für Aktivurlauber ist Ahrenshoop ein attraktives Ziel: Ein gut ausgebautes Netz von Wander-, Rad-, Reit- und Kutschwegen durchzieht die Halbinsel und den fast 50 Quadratkilometer großen, weitgehend naturbelassenen Darßer Urwald.

Zum Jubiläum der Künstlerkolonie werden im Kunstmuseum rund 90 Gemälde von 16 Künstlern aus den frühen Jahren bis zum Ersten Weltkrieg gezeigt. Auf die längste Geschichte, auch als Veranstaltungshaus, blickt der Kunstkaten zurück. Während dessen Ausstellungen meist die Tradition pflegen, widmet sich das Neue Kunsthaus der Gegenwartskunst. Im Künstlerhaus Lukas arbeiten weiterhin Stipendiaten, zusätzlich tragen private Galerien zur künstlerischen Vielfalt Ah­renshoops bei.


www.ostseebad-ahrenshoop.de