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01.09.17 / Lila Augenweide / Naturpark und Wanderparadies – Die Heide von Kyritz-Ruppin

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-17 vom 01. September 2017

Lila Augenweide
Naturpark und Wanderparadies – Die Heide von Kyritz-Ruppin
Helga Schnehagen

Früher kreisten Kampfflugzeuge, heute Seeadler: Die Kyritz-Ruppiner Heide im Landkreis Ostprignitz-Ruppin wurde jahrelang als Truppenübungsplatz genutzt. Jetzt steht die Heide im Nordwesten von Brandenburg, zwischen Neuruppin, Rheinsberg, Wittstock und Kyritz gelegen, in voller Blüte und lockt bis Ende September mit einem lilafarbenen Farbenmeer. 

Heidelandschaften waren früher in Europa weit verbreitet. Heute gibt es nur noch wenige große Heideflächen. Weithin be­kannt ist die Lüneburger Heide, die traditionell auch dieses Jahr wieder in voller Blüte steht. Selbst nur wenige Naturfreunde aber kennen ihre neue Mitbewerberin: die Kyritz-Ruppiner Heide. Mit knapp 12000 Hektar ist sie eine der größten zusammenhängenden Heidegebiete mit Callunaheide in Europa. 

Das neue „Naturwunder“ ist eine Spätfolge der deutschen Einheit. Das Gebiet der Wittstock-Ruppiner-Heide wurde als Truppenübungsplatz Wittstock, im Volksmund Bombodrom, bis 2011 militärisch genutzt. Von 1952 bis 1993 durch die Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, anschließend von der Bundeswehr. Pläne der Bun­deswehr, den Truppenübungsplatz als Luftboden-Schießplatz zu nutzen, wurden 2009 endgültig verworfen. 2011 wurde der Truppenübungsplatz aufgegeben. 

Durch die militärische Nutzung konnte sich eine beeindruckende Vegetation mit vielen seltenen und stark gefährdeten Tier- und Pflanzenarten entwickeln. Mehr als 9000 Hektar der Heide unterstehen zudem unter der Bezeichnung „Wittstock-Ruppiner Heide“ der Richtlinie des Fauna-Flora-Habitats (FFH). 4000 Hektar des FFH-Gebiets wurden in das Nationale Naturerbe aufgenommen und stehen damit unter dauerhaftem Naturschutz. Mehr als 2000 Hektar im Norden der Heide wurden zudem als Landschaftsschutzgebiet und Naturpark deklariert.

Da es in weiten Teilen der Heide noch Munitionsreste gibt, sind nicht alle Bereiche für Besucher offen. Doch die sogenannte Südspange des ehemaligen Truppenübungsplatzes ist seit 2016 für Wander- und Trekkingtouren innerhalb der Wegemarkierungen auf eigene Faust freigegeben worden, wie der Tourismusverband Prignitz erklärt. Besonders spektakulär ist der Ausblick über die Heide von dem nach dem in Ostpreußen aufgewachsenen Tierfilmer benannten Sielmann-Hügel aus. Die freigegebenen Wege der Südroute sind in der im Verlag Dr. Barthel erst kürzlich neu erschienenen „Radwander- und Wanderkarte Kyritz-Ruppiner Heide“ dargestellt, die man unter anderem in den Touristeninformationen von Wittstock und Kyritz für 4,90 Euro erwerben kann.

Die friedliche Nutzung begleitet ein wachsendes Freizeitangebot. Wer die Hei­de nicht alleine erkunden will, für den stehen sieben zertifizierte Natur- und Landschaftsführer bereit. Eine Neuheit ist das sogenannte Fatbiken mit Günter Lutz, der neben Rad- auch Wandertouren anbietet. Beim Fatbiken handelt es sich um Geländefahrräder mit extra dicken 4-Zoll-Reifen, die sich für das Fahren auf sandigen Böden eignen und damit ideal sind für Touren durch und um das Heidegebiet.


Touren-Angebote im Internet unter: www.dieprignitz.de im Unterpunkt „Natur erleben“.