28.01.2022

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08.09.17 / Vereinigung wäre ehrlicher

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-17 vom 08. September 2017

Vereinigung wäre ehrlicher
Vera Lengsfeld

Sonntagabend, glaubt man den Qualitätsmedien, waren die Straßen der Hauptstadt kurz vor acht Uhr wie leergefegt. Selbst beim so beliebten Berliner Oktoberfest sollen die Besucher für das TV-Duell die Biertische geräumt haben, um keine Silbe des Wortwechsels zwischen Amtsinhaberin und Herausforderer zu versäumen.

Ein Teil der Biertrinker könnte sich im Lichthof der ZDF-Studios Unter den Linden wiedergefunden haben, wo ein „Publik View­ing“ für geladene Gäste veranstaltet wurde. Auch im Konrad-Adenauer-Haus war gemeinsames Duell-Schauen angesagt. Jeder, der in der CDU etwas bleiben oder etwas werden will, musste dabei sein.

Während sich das Publikum beim ZDF sehr bald recht gelangweilt zeigte ob der Plattitüden, die von den Duellanten von sich gegeben wurden, waren die Zuschauer in der CDU-Parteizentrale von hektischer Aktivität ergriffen. Man twitterte sich die Finger wund, um, kaum hatte das Duell angefangen, Kanzlerin Merkel als dem Möchtegern-Kanzler Schulz weit überlegen darzustellen. Selbst wenn Schulz ausnahmsweise mal mit einer klaren Aussage punktete, wie etwa bei der überraschenden Ankündigung, als Kanzler für den Abbruch der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu sorgen, wurde Merkels wachsweiche Erwiderung, man dürfe, da Deutsche in der Türkei in Haft seien, den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen, und müsse außerdem die Regierungsgegner unterstützen, als Punktsieg gewertet.

Sehr irritiert zeigte sich das CDU-Publikum über die Fragen der Moderatoren. Das seien ja reine „AfD-Fragen“, und bei der Twitterei kam es zu seltsamen Überschneidungen. Als auch der Grüne Jürgen Trittin etwas von der AfD-Lastigkeit der Moderatoren twitterte, stimmte ihm Kanzleramtsminister Altmaier sofort zu. Als Merkel verkündete, sie habe 2015 alles richtig gemacht, würde es wieder so tun und Schulz ihr widersprach, wurde es einen Augenblick stiller. Als dann nur das butterweiche Argument kam, sie hätte die europäischen Partner vorher einbinden sollen, war die Erleichterung förmlich zu spüren. 

Was wäre gewesen, wenn Schulz ihr vorgehalten hätte, dass sie einen Gesetzesbruch verstetigen will? An dieser Stelle wurde die ganze Farce offenkundig. Schulz und seine SPD vertreten, von Nuancen abgesehen, dieselben Positionen wie Merkel. Später wurde das nochmal deutlich, als Merkel behauptete, Deutschland habe die „Verpflichtung“ laut Genfer Konvention, Familienangehörige von Kriegsflüchtlingen aufzunehmen, und Schulz ihr zustimmte. Widerspruch dazu gab es in der Parteizentrale nicht. Dagegen brachte ein Zuschauer, der das ZDF-Viewing vorzeitig verließ, es auf den Punkt: CDU und SPD sollten sich endlich vereinigen, das wäre ehrlicher.