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22.09.17 / Auf deutsche Rechnung / Spaniens Regierung will Firmenübernahme durch Italiener verhindern – Essener Konzern Hochtief soll zahlen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-17 vom 22. September 2017

Auf deutsche Rechnung
Spaniens Regierung will Firmenübernahme durch Italiener verhindern – Essener Konzern Hochtief soll zahlen
Norman Hanert

Wie verschiedene Wirtschaftszeitungen berichten, hat Ministerpräsident Mariano Rajoy vor einigen Wochen Florentino Perez, den Chef des spanischen Bauriesen ACS, zu einem vertraulichen Gespräch gebeten. Kernpunkt der Unterredung war demnach die Sorge Rajoys, dass der spanische Autobahnbetreiber Abertis in italienische Hände geraten könnte. Bereits im Frühjahr war bekannt geworden, dass das von der Familie Benetton beherrschte Unternehmen Atlantia mit der spanische Bank La Caixa verhandelt. Mit gut 22 Prozent ist die Bank bislang Großaktionär bei dem spanischen Autobahnbetreiber. Weitere 34 Prozent liegen bei dem spanischen Mobilfunkmastenbetreiber Cellnex. Vor etwa zwei Monaten haben die Italiener für Abertis ein offizielles Angebot in Höhe von 16,3 Milliarden Euro unterbreitet. Abertis betreibt in 14 Ländern 8600 Kilometer Autobahnen, gut 1600 Kilometer davon in Spanien selbst.

Gelingt den Italienern die Übernahme, dann könnte der weltweit größte Betreiber von Verkehrsinfrastruktur entstehen, der mehr als 14000 Kilometer Autobahnen und anderen Mautstraßen sowie die Flughäfen in Rom und Nizza betreibt. Abertis ist nicht nur in Italien aktiv, sondern auch in Südamerika und Frankreich. In den inzwischen bekannt gewordenen Überlegungen zur Abwehr der italienischen Offerte spielt der Baukonzern Hochtief eine entscheidende Rolle. Das Essener Unternehmen ist eine Tochter von ACS (Actividades de Construcción y Servicios). Unter Berufung auf ACS-nahe Quellen berichtet die Zeitung „El Confidencial“ von der Einschätzung, bei der deutschen Tochtergesellschaft würde zum einen für den Kauf des spanischen Autbahnbetreibers eine Milliarde Euro in der Kasse liegen, dazu sei Hochtief in der Lage, sich weiter zu verschulden. Inzwischen ist die Rede davon, dass die Essener für den Kauf der Firma rund zehn Milliarden Euro Schulden machen sollen. Hochtief zählt zwar international zu den führenden Baukonzernen und kann eine solide Bilanz vorweisen. Eine Kreditaufnahme in Milliardenhöhe wäre aber auch für das Essener Unternehmen keine Kleinigkeit, die aus der sprichwörtlichen Portokasse bedient werden könnte. Der letzte Jahresüberschuss belief sich auf 321 Millionen Euro, der Umsatz lag bei 19,9 Milliarden.

Viele Anleger sehen die Entwicklung um Hochtief offenbar skeptisch. Die Übernahmespekulationen haben sich negativ auf den Aktienkurs des deutschen Unternehmens ausgewirkt. Als ein Risiko wird die Bundesbahn-Baustelle Rastatt gesehen, wo Hochtief tätig ist. Dazu kommt nun die Frage nach den finanziellen Auswirkungen durch den Bieterwettbewerb um die spanische Autobahngesellschaft. Will ACS aus dem Übernahmepoker als Sieger hervorgehen, dann muss das Gegenangebot deutlich besser sein als die aus Italien gebotenen 16,3 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund wird inzwischen eine Summe von 17 Milliarden Euro genannt, die ACS über die deutsche Tochter auf den Tisch legen könnte.

Das Aktivwerden der spanischen Regierung im Fall des Autobahnbetreibers Abertis kann sogar als eine Art Retourkutsche aufgefasst werden. Vor über zehn Jahren hatte das spanische Unternehmen Abertis nämlich versucht, den Konkurrenten Atlantia zu schlucken. Die italienische Regierung verhinderte seinerzeit die Übernahme. Zum Zuge gekommen sind die Spanier dafür vor einigen Jahren in Deutschland, nämlich bei Hochtief. Der Vorstand und viele Mitarbeiter des deutschen Traditionsunternehmens hatten sich lange und hartnäckig gegen eine Übernahme durch ACS gewehrt. Nachdem sich auch Appelle an die deutsche Politik als wirkungslos entpuppten, verlor Hochtief am Ende eines jahrelangen Übernahmepokers im Jahr 2011 seine Unabhängigkeit.

ACS war hierzulande als Käufer stark umstritten. Zum einen hat es sich seinerzeit um eine sogenannte feindliche Übernahme gehandelt. Vor allem hatte aber der riesige Schuldenberg des spanischen Konzerns Befürchtungen ausgelöst, die Spanier könnten ihre angespannte Finanzlage auf Kosten von Hochtief verbessern wollen. Eine vollständige Zerschlagung samt Ausschlachtung von Hochtief ist ausgeblieben, allerdings hat sich Hochtief unter spanischer Führung von einigen Unternehmensteilen getrennt. ACS hat vor einigen Jahren zudem einen erheblichen Teil seiner Hochtief-Aktien an die iberische Großbank Banco Bilbao verpfändet.