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22.09.17 / Sanktionen gegen Software / USA verbieten russische IT-Sicherheit – Russland entwickelt eigene Programme

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-17 vom 22. September 2017

Sanktionen gegen Software
USA verbieten russische IT-Sicherheit – Russland entwickelt eigene Programme
M. Rosenthal-Kappi

Die Neuauflage des Kalten Krieges, wie wir sie derzeit zwischen den USA und Russland auf politischer und wirtschaftlicher Ebene erleben, dehnt sich zu einem Krieg in der Digitalbranche aus.

„Folgende App schädigt möglicherweise Ihr Gerät. Zum Enfernen hier klicken.“ So werden seit Kurzem Nutzer von Android-Smartphones zur Löschung der kostenlosen Version des Antivirenschutzprogramms „Kaspersky Internet Security“ aufgefordert. Was dem privaten Nutzer wie der Versuch der Marktbeherrscher Google und Facebook vorkommt, einen Konkurrenten auszuschalten, wird auf höherer Ebene bereits umgesetzt.

Die US-Regierung hat ihren Bundesbehörden die Nutzung von Software des russischen Konzerns Kaspersky Lab verboten, nachdem das FBI davor gewarnt hatte, Kas-persky könne von der russischen Regierung dazu gezwungen werden, Schadsoftware in die amerikanischen Systeme zu installieren, da dessen Sicherheitssoftware einen umfassenden Zugang zu Daten und Administrationsrechten auf Computern biete, auf denen diese installiert sei. 

Als Begründung für diese Maßnahme muss die Annahme herhalten, dass russische Hacker den US-Wahlkampf beeinflusst haben. Obwohl es weder für diese Behauptung Beweise gibt noch für die Verbindung Kasperskys mit dem Kreml, sollen amerikanische Bundesbehörden innerhalb von 90 Tagen sämtliche Software von Kaspersky auf ihren Rechnern gegen amerikanische austauschen. 

Die Sorge um die Cybersicherheit wird von amerikanischen Regierungsberatern gefördert. Der National Infrastructure Advisory Council (NIAC), ein Beratergremium des Heimatschutzministeriums, hat im September einen Bericht veröffentlicht, demzufolge sich die USA, was die Cybersicherheit betrifft, auf dem Level vor 9/11 befänden. Die US-Regierung wird darin aufgefordert, zeitnah separate und hoch geschützte Kommunikationsnetzwerke einzurichten, da die Angriffe „zunehmend gefährlicher und gezielter“ würden. Das Weitergeben von Bedrohungsinformationen zwischen Regierung und Unternehmen müsse optimiert werden. Der Regierung Trump werfen die Berater von NIAC „unzureichende Aufmerksamkeit“ für die Cybersicherheit vor., 

Dass die digitale Bedrohung zunimmt, ist keine Neuheit. Seit 2011 ist beispielsweise eine Hackergruppe unter dem Namen „Dragonfly“ aktiv, die industrielle Anlagen in Europa und den USA angegriffen und ausspioniert hat. Ihr Sitz wird in Osteuropa vermutet, bewiesen ist das bislang aber nicht. Über die Herkunft können die Sicherheitsforscher nur so viel sagen, dass die Softwarecodes Fragmente auf Russisch und Französisch enthalten. Dies könnte aber lediglich der Verschleierung dienen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) teilt die Sorgen der Amerikaner bezüglich Kaspersky nicht. Die Forscher der Firma hätten sich vielmehr als kompetente Partner erwiesen und zur Aufklärung von Cyberattacken beigetragen. 

Aufgrund der angespannten geopolitischen Lage sieht sich Kas-persky Lab, das seinen Firmensitz in Moskau hat, seit einigen Jahren Anschuldigungen ausgesetzt. Russlands Präsident Wladimir Putin kontert, indem er russischen Firmen von ausländischer Software abrät. Russische  IT-Unternehmen sollen auf heimisch entwickelte Produkte umsatteln. So soll verhindert werden, dass ausländische Produkte in wichtigen Sektoren trotz hoher Sicherheitsrisiken zum Einsatz kommen. Gegenwärtig liegt die Menge der heimisch entwickelten Software-Produkte bei lediglich 30 Prozent. Als bedeutende Branchen bezeichnete Putin den militärischen Sektor und den Energiebereich.