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22.09.17 / Erdogan entdeckt Afrika / Neuer Militärstützpunkt in Somalia demonstriert Stärke und Unabhängigkeit gegenüber der NATO

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-17 vom 22. September 2017

Erdogan entdeckt Afrika
Neuer Militärstützpunkt in Somalia demonstriert Stärke und Unabhängigkeit gegenüber der NATO
Bodo Bost

Nach Militärstützpunkten in Zypern, Katar, dem Irak und Syrien eröffnet der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan demnächst in Somalia den ersten türkischen Militärstützpunkt auf afrikanischem Boden. Die türkische Armee, die zweitgrößte der NATO, setzt mit dieser Präsenz ein Zeichen neuer Stärke und Unabhängigkeit gegenüber dem Bündnis.

Somalia war der erste „gescheiterte Staat“ der Erde, der in die Hände islamistischer Terrororganisationen geriet. Immer mehr Staaten zogen sich aus dem Land zurück. Erst seit einigen Jahren kann Somalia wieder Hoffnung schöpfen. Seit 2012 hat es wieder eine Regierung und 2014 wurde der Al-Shebab-Emir Ahmed Godane durch eine US-Drohne getötet. Vor allem die Türkei tut sich als Partner des gebeutelten Landes hervor. Drei der wichtigsten Infrastrukturprojekte Somalias, der größte Hafen, der Hauptstadt-Flughafen sowie das modernste Krankenhaus des Landes, wurden in Kooperation mit der Türkei gebaut.

Die türkisch-somalische Freundschaft begann 2011 während einer Hungersnot, als aufgrund der Sicherheitslage lange kaum Hilfe ins Land gelangte. Inmitten der Krise, die mehr als 250000 Menschen das Leben kostete, reiste Erdogan, damals noch als Premierminister, nach Mogadischu. Er war seit zwei Jahrzehnten der erste nichtafrikanische Staatschef in der somalischen Hauptstadt. Er kam mit viel Geld und einer Delegation aus Politikern, Wirtschafts- und NGO-Vertretern. Seine Nachricht an die Welt: Schaut her, diese Stadt ist nicht die No-go-Zone, für die ihr sie haltet. Schaut her, dieses Land braucht unsere Hilfe. Seither genießt Erdogan in Somalia vielerorts Heldenstatus. Ambulanzen, Schulen, sogar die Straßenreinigung gäbe es ohne die Türkei nicht. Während viele westliche Botschaften angesichts der prekären Sicherheitslage noch gar nicht wieder geöffnet sind, hat Ankara in Somalia seine größte Botschaft weltweit eröffnet. Das bringt dem Land große Sympathien entgegen.

Was 2011 als humanitäre Intervention begann, gilt heute als anschauliches Beispiel für die Bemühungen der Türkei, auch ihren militärischen Einfluss in Afrika zu erweitern. Dabei geht es Ankara auch um den Zugang zu Res­sourcen, die Erschließung neuer Märkte und geopolitischen Einfluss. Bei Letzterem geht es der Türkei vor allem darum, die neue sunnitische Großmacht, Saudi-Arabien, in Schach zu halten. Somalia grenzt faktisch direkt an dieses Land, das bereits im Nachbarland Jemen militärisch aktiv ist. Auch der Stützpunkt in Katar, auf dem bis zu 5000 türkische Soldaten stationiert werden sollen, galt bereits als Affront gegenüber Saudi-Arabien, das die Front der arabischen Staaten gegen das kleine aber sehr einflussreiche Öl-Emirat anführt.

Nun eröffnet Ankara also seinen ersten Militärstützpunkt in Afrika. Für 50 Millionen Dollar wurde am Rande Mogadischus ein Camp errichtet, in dem etwa 200 türkische Offiziere somalische Soldaten für den Kampf gegen die Terrormiliz al-Shabab ausbilden sollen, andere türkische Soldaten sollen das Camp sichern. Geht man davon aus, dass eine verbesserte Sicherheitslage Voraussetzung für die weitere Entwicklung des Landes ist, erscheint dieser Schritt konsequent.

Die Türkei habe keine koloniale Vergangenheit in Schwarzafrika, wurde der türkische Präsident nicht müde zu wiederholen, als er sich 2016 auf eine Reise nach Uganda, Kenia und Somalia aufmachte. Erdogan pries sein Land damals als besseren Partner für den „unterdrückten Kontinent“. Die türkische Militärpräsenz in nunmehr drei Kontinenten, der rasante Ausbau der Marine inklusive Bau eines Flugzeugträgers und Pläne für eine türkische Atombombe, müssten der NATO mehr als zu denken geben. Die Türkei, die ja in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft dank ihres kolonialen und genozidären Erbes kaum wirkliche Freunde hat, will sich vor allem in weiter entfernten islamischen Ländern als diplomatische und kulturelle Macht profilieren. Eine verklärte osmanische Vergangenheit dient ihr dabei ideologisch als Unterbau.