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22.09.17 / Eine Melkerhose als Ebenbild / Ausstellung zeigt Werke des Malers Jopie Huisman

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-17 vom 22. September 2017

Eine Melkerhose als Ebenbild
Ausstellung zeigt Werke des Malers Jopie Huisman
Stephanie Sieckmann

Ein Lumpensammler und Schrotthändler gilt heute als ein bedeutender Maler in den Niederlanden. Das Werk des Jopie Huisman (1922 – 2000) wird mit der Ausstellung „Hommage an das einfache Leben“ im Museum der Westküste in Alkersum auf der Insel Föhr erstmals außerhalb der Niederlande präsentiert. Die Bilder, teilweise Leihgaben einer Schweizer Privatsammlung und zum Teil vom Jopie Huisman Museum in Workum, Niederlande zur Verfügung gestellt, sind bis zum 7. Januar 2018 zu sehen.

Huisman ist ein Phänomen. Der Mann, der viele Jahre seines Lebens hart arbeiten musste und nur wenig Zeit zum Zeichnen und Malen fand, erlebte die Blüte seiner Arbeit, als er begann, sich künstlerisch mit dem zu beschäftigen, womit er seinen Lebensunterhalt verdiente – dem Lumpen- und Schrotthandel.

Galt seine Leidenschaft zu­nächst lange Jahre den Motiven aus seinem Heimatort Workum und den friesischen Landschaften, so wandelte sich dies in späteren Jahren. In Zeiten privater Krisen, die er mehrfach durchlebte, widmete sich der Autodidakt Porträts und schließlich der Darstellung von getragener Kleidung. Ein wunderbares Beispiel ist das Bild mit dem Titel „Melkerhose“. Das Motiv entstand nach der Trennung von seiner ersten Frau.

Der Künstler notierte im Zu­sammenhang mit diesem Bild: „Zu dieser Zeit hatte ich privat große Probleme. Da fand ich zwischen all dem Plunder diese Hose. Eine einfache, hundertmal abgeänderte, schmierige Melkerhose. Ich erkannte mich selbst da­rin: meine sehr große Einsamkeit. Ich habe diese Hose mehrmals dargestellt. Nicht zuletzt weil auch andere Menschen begriffen, was ich da gemalt hatte, ist das Bild meiner Rettung gewesen. Ei­gentlich ist es ein Selbstporträt.“

Damit war der Damm gebrochen. Ab jetzt malte Huisman mehrere Jahre lang Motive aus seinem gesammelten Sortiment: Fadenscheinige Kleider, abgetragene Schuhe, eine weggeworfene Puppe, eine verbeulte Milchkanne. Seine Gabe, ein Menschenleben anhand der abgenutzten Gegenstände emotional zu rekonstruieren und den Gegenständen neues Leben einzuhauchen – stets im Stil des Realismus – trug ihm den Titel „Maler des Mitgefühls“ ein.

Dass der Maler mit seinem großen Werk kaum in anderen Mu­seen und Ländern vertreten ist und entsprechend auch nicht zu größerer Bekanntheit gelangt ist, liegt vor allem daran, dass er sich von seinen Bildern nicht trennen mochte. Er hat sie nur so lange verkauft, wie Notsituationen es erforderlich machten, um den Lebensunterhalt für seine Familie zu bestreiten. Als er finanziell besser gestellt war, veräußerte er kein einziges Bild mehr.

Wie der Maler selbst, ist auch das 1985 gegründete und 1986 eröffnete Jopie Huisman Museum im niederländischen Städtchen Workum ein Phänomen. Bereits im Oktober 1995, nach nicht einmal zehn Jahren, zählte man hier den einemillionsten Besucher. Damit war Huisman schon zu Lebzeiten eine Legende – ein Kunststück, das längst nicht jeder Künstler schafft. Dabei war dem Künstler nie an Ruhm gelegen: „Je kleiner die Welt, desto besser fühle ich mich. Habe ich Schilf um mich, sehe ich das Böse der Welt nicht.“ 

Internet: www.mkdw.de