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22.09.17 / Alle neune! / Beethoven total im Kurort – Alle Sinfonien auf einen Schlag

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-17 vom 22. September 2017

Alle neune!
Beethoven total im Kurort – Alle Sinfonien auf einen Schlag
Helga Schnehagen

Der Ort Baden bei Wien gilt als Stadt der Europahymne. Denn hier schuf Ludwig van Beethoven wesentliche Teile seiner 9. Sinfonie mit der „Ode an die Freude“. 

Der Komponist besuchte die elegante Kurstadt am Wiener Wald von 1804 bis 1825 regelmäßig im Sommer oder Herbst, stets mehrere Wochen lang. Im zehnten Jahr seines Bestehens bringt der Verein Tritonus unter dem Titel „Beethoven Total“ vom 28. September bis 1. Oktober im Congress Casino Baden alle neun Sinfonien von Beethoven zur Aufführung. Nicht ohne Grund. 

Bei den vier Konzerten dirigiert Norbert Pfafflmeyer die Martinu Philharmonie Zlin, das Symphonieorchester Szegedin und die Brünner Philharmoniker. Zur 9. Sinfonie ist der Philharmonische Chor Brünn zu Gast.

Schon die Römer ba­deten der Gesundheit wegen im Badener Schwefel-Thermalwasser. Beethoven hatte triftige Gründe, ebenso die Therme aufzusuchen, litt er doch an gichtigem Kopfschmerz, Hämorrhoiden, Le­berzirrhose und anderem mehr, von der zunehmenden Ertaubung ganz zu schweigen. Die erhoffte Wirkung blieb nicht aus. „Ich hätte mein Leben nicht geglaubt, dass ich so faul sein könnte, wie ich hier bin. Wenn darauf ein Ausbruch des Fleißes erfolgt, so kann wirklich was Rechtes zustande kommen“, be­richtete er einem Freund schon im Sommer 1804.

Während seiner Aufenthalte zog es den Komponisten täglich hinaus in die Natur. In Gedanken und musikalische Eingebungen versunken, fand er dabei manchmal nur schwer in die Stadt zurück. Auf dem Weg entlang des Wiener Neustädter Kanals nach Süden verirrte er sich einmal dermaßen, dass er sogar verhaftet wurde. Um herauszufinden wo er war, hatte er bei den Bauern durchs Fenster geschaut. Einigen Anwohnern erschien dieses Verhalten so seltsam, dass sie ihn auf die Wache von Wiener Neustadt brachten. Da er an diesem Tag einen alten, schäbigen Rock trug, wollte niemand glauben, dass er Beethoven sei. „A Lump san Sie – so sieht Beethoven net aus!“

Erst um Mitternacht konnte der herbeigerufene Musikdirektor Herzog ihn identifizieren. Am nächsten Tag wurde Beethoven in einem Magistrats-Staatswagen nach Baden zurückgebracht, nicht ohne dass sich der Bürgermeister von Wiener Neustadt viele Male bei ihm entschuldigt hatte.

In den Sommern 1821, 1822 und 1823 stieg der Komponist im Haus Rathausgasse 10 ab. Seit Herbst 2014 beherbergt das im Kern spätmittelalterliche, im 

17. und 18. Jahrhundert erweiterte und wiederholt umgebaute Handwerkerhaus im Zentrum Badens als Beet­hovenhaus ein modernes Museum, das Le­ben und Werk des Komponisten auf völlig neue, überraschende Weise erfahrbar macht. Damit reiht es sich ein in die Phalanx zeitgemäßer Komponisten-Museen wie die Bach-Museen in Leipzig und Eisenach, das Händel-Museum in Halle oder das Strauß-Museum in Wien. 

Der Aufbau der Ausstellung über drei Geschosse folgt dem Konzept vom „Tonsetzer“ zum „Ton an sich“. In der Wohnung geht es um den Komponisten Beethoven, im Erdgeschoss um die 9. Sinfonie im Detail als eines seiner bedeutendsten Werke und im Untergeschoss um die Ge­heimnisse des Hörens.


Info: www.tourismus.baden.at