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27.10.17 / Garnisonkirche: Der Bau beginnt / Startschuss am 29. Oktober – Schritt für Schritt erhält Potsdam sein historisches Gesicht zurück

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 43-17 vom 27. Oktober 2017

Garnisonkirche: Der Bau beginnt
Startschuss am 29. Oktober – Schritt für Schritt erhält Potsdam sein historisches Gesicht zurück
Norman Hanert

Bereits im Jahr 1991 warb die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel e.V. für einen Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche. Dieses, aber auch andere Wiederaufbauprojekte sind noch immer stark umstritten, wird aber nach über einem Vierteljahrhundert der Auseinandersetzungen nun Realität.

Der Vorstand der Stiftung Garnisonkirche hat für den 29. Oktober zu einem Gottesdienst geladen, der zumindest den offiziellen Start zum Wiederaufbau der 1968 von den Kommunisten gesprengten Garnisonkirche markieren wird. Erste Arbeiten für das Fundament des Kirchturms mit 42 Pfählen laufen tatsächlich bereits einige Tage zuvor an. Die Planungen der Stiftung sehen vor, zunächst den markanten Kirchturm zu errichten. 

In der kalkulierten Bausumme von rund 26 Millionen Euro sind Turmhelm, Glockenspiel und barocke Verzierungen des Turms nicht vorgesehen. Die vollständige Rekonstruktion des Turms nach historischem Vorbild soll erst nach dem Eingang weiterer Spendengelder erfolgen. Rechtzeitig zum Baubeginn hat nun auch die Bundesregierung den von ihr versprochenen Beitrag zum Wiederaufbau freigegeben. Der Bund stellt zwölf Millionen Euro bereit, die ab Anfang des kommenden Jahres ausgezahlt werden. 

Gegen das Wiederaufbauprojekt regt sich seit Jahren Widerstand von Initiativen wie „Potsdam ohne Garnisonkirche“, „Christen brauchen keine Garnisonkirche“ oder der Martin-Niemöller-Stiftung. Bei dieser ist nun auch die Freigabe der Bundesmittel auf scharfe Kritik gestoßen. 

Aus Sicht der evangelischen Stiftung müsse der neu gewählte Bundestag daran beteiligt werden, „wie an dieser Stelle deutsche Geschichte dargestellt wird“. Ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wies als Reaktion darauf hin, dass der Bundestagshaushaltsausschuss die Mittel bereits zu Jahresbeginn formal zur Verfügung gestellt und die Ministerin mit der Umsetzung der Fördermaßnahme beauftragt habe. 

Der Wiederaufbau der Kirche ist nicht das einzige Projekt in Potsdam, das heftige Diskussionen ausgelöst hat. Unmittelbar neben der Baustelle der Garnisonkirche steht ein ehemaliges Rechenzentrum, das derzeit noch von Künstlern genutzt wird. Diese sollten das Gebäude ursprünglich bereits Ende August räumen. Allerdings verlief die Suche der Stadt nach einem Ausweichquartier bislang nicht erfolgreich, sodass inzwischen auch Forderungen nach einer Sanierung und Weiternutzung des Baus aus den 1970er Jahren aufgekommen sind. 

Eine Entscheidung zur Zukunft des Gebäudes ist entscheidend, wenn auf lange Sicht nicht nur der Turm, sondern auch das Kirchenschiff der Garnisonkirche wiederhergestellt werden soll. Das ehemalige Rechenzentrum wurde zum Teil auf der Fläche errichtet, auf der bis 1968 das alte Kirchenschiff stand. 

Auch am Alten Markt blockiert ein DDR-Bau, das Gebäude einer ehemaligen Fachhochschule, die Rekonstruktion der historischen Stadtmitte Potsdams – zumindest bislang. Inzwischen steht nämlich ein Fahrplan zum Abriss des 40 Jahre alten Baus fest. Ohne Sprengung soll das Haus ab dem 6. November zunächst geschossweise abgetragen werden. Im September 2018 werden laut Plan schließlich der Rückbau und die Verfüllung des Kellergeschosses anlaufen. 

Auf dem Areal der Ex-Fachhochschule wird in den kommenden Jahren ein Wohnkarree entstehen, das sich am alten Straßengrundriss orientiert. Zum Teil sind sogar historische Fassaden vorgesehen, wiederauferstehen soll etwa ein Knobelsdorff-Bau und der „Plögersche Gasthof“. Bereits vollendet wurde am anderen Ende des Alten Markts der Nachbau des Palais Barberini, in dem das Kunstmuseum des Mäzens Hasso Plattner eine Heimat gefunden hat (die PAZ berichtete). 

Erst im Januar eröffnet, hat sich das Museum zu einer weiteren Touristen­attraktion Potsdams entwickelt. Allein die erste Sonderausstellung „Impressionisten. Die Kunst der Landschaft“ zog in nur rund drei Monaten 320000 Besucher an. Zur zweiten Ausstellung „Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne“ strömten weitere 140000 Besucher ins Palais Barberini. 

Für Potsdam ist das Kunstmuseum aus mehreren Gründen ein Glücksfall: Das gesamte Areal rund um den Alten Markt und den Landtag im wiederaufgebauten Stadtschloss hat sich spürbar belebt. Zudem locken die Kunstausstellungen auch Gäste nach Potsdam, die sich nicht vorrangig für die preußischen Schlösser und Parks interessieren. Potsdam wirkt allerdings nicht nur auf Touristen wie ein Magnet, sondern auch auf Zuzügler aus ganz Deutschland und dem Ausland. 

Bereits im September sagte die Chefstatistikerin der Stadt voraus, dass Potsdam noch vor Jahresende die Marke von 175000 Einwohnern erreichen werde. Laut Recherchen der „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ ist dieser Stand inzwischen fast erreicht. Eine Anfrage im Rathaus ergab demnach bereits zum Ende des dritten Quartals eine Einwohnerzahl von 174612. Damit nicht genug: Die brandenburgische Landeshauptstadt verzeichnete sogar den höchsten Anstieg bei Zuzügen in einem dritten Quartal seit dem Jahr 1990. Im Schnitt hat Potsdam seit der deutschen Vereinigung jede Woche 120 Einwohner dazugewonnen.