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27.10.17 / Hertha BSC in der Kritik / Berliner Fußballer kopieren US-Aktion »Knie nieder«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 43-17 vom 27. Oktober 2017

Hertha BSC in der Kritik
Berliner Fußballer kopieren US-Aktion »Knie nieder«

Die „Süddeutsche Zeitung“ nannte den Auftritt „selbstgerecht, eitel, narzisstisch“, für die „Bild“-Zeitung war es gar „dumm und unangebracht“ und dem „Spiegel“ erschien die Aktion bestenfalls „nicht schlimm, aber belanglos“. Dafür erntete Hertha BSC Aufmerksamkeit bis hinein in die Weltpresse.

Der Berliner Fußball-Bundesligist hatte eine Geste US-amerikanischer Football-Spieler kopiert, die beim Abspielen der Nationalhymne vor dem Spiel niederknien, statt die Hymne stehend und nach Landessitte mit der Hand auf dem Herzen mitzusingen.

In den USA hat die Kampagne heftigen Protest ausgelöst. Präsident Donald Trump beschimpfte die knienden Spieler als „Hurensöhne“, Zuschauer buhten sie aus, der Erfinder der Aktion, der farbige Football-Spieler Colin Kaepernick, wurde von seinem Verein in San Francisco gefeuert. Manche, die sich der „Knie nieder“-Kampagne zunächst angeschlossen hatten, sind mittlerweile davon wieder abgerückt angesichts der wütenden Reaktionen.

Den Berliner Fußball-Profis droht indes keinerlei ernstzunehmender Gegenwind. Sie wollen, wie aus dem Klub verlautet, ein „Signal“ für Werte wie „Vielfalt und Toleranz“ sowie „gegen Rassismus“ setzen, womit sie sich in einer Linie mit allen relevanten Kräften in der Bundesrepublik befinden. Da es keine Tradition des Absingens der Nationalhymne vor Sportereignissen gibt wie in den USA, droht ihnen auch keine Gefahr, als unpatriotisch kritisiert zu werden.

In dieses Bild passt die Nachricht, dass es bei der Hertha keinerlei Diskussion über das Vorhaben gegeben habe. Die Idee sei vom Verein gekommen, die Spieler hätten sofort zugestimmt. Der „Spiegel“ vermutet hinter der Aktion daher reines Werbe-Kalkül: „Es ging um ein allgemeines Image: Wir sind die Guten.“

Der Protest der US-Spieler werde, so moniert das Magazin, „seiner eigentlichen Bedeutung beraubt und auf eine rebellische Geste reduziert“, die, so müsste hinzugefügt werden, in Deutschland alles andere als „rebellisch“ zu nennen wäre. In den Kommentaren verweisen deutsche Medien darauf, dass die Werbeagentur Jung von Matt die Imagepflege von Hertha betreibt. Diese Erwähnung deutet auf den Verdacht hin, dass die Idee zu der Aktion nicht einmal wirklich vom Berliner Verein stammt, sondern womöglich von den Hamburger Werbedienstleistern ersonnen wurde.   H.H.