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27.10.17 / Die Mythen des Färberleins / Werke des venezianischen Künstlers Tintoretto in Köln ausgestellt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 43-17 vom 27. Oktober 2017

Die Mythen des Färberleins
Werke des venezianischen Künstlers Tintoretto in Köln ausgestellt
Veit-Mario Thiede

Als hätten wir ihn gerufen, scheint uns Jacopo Tintoretto von seinem um 1547 geschaffen Selbstporträt mit großen Augen prüfend zu betrachten. Die Wissenschaftler sind sich nicht sicher, ob der Venezianer 1518 oder 1519 geboren wurde. Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum feiert Tintorettos 500. Geburtstag mit einer Präsentation seines frühen Schaffens vor. 

Das Repertoire des 1594 gestorbenen Venezianers umfasst biblische und mythologische Stoffe, Heiligenbilder und Porträts. Zu Tintorettos Gemälden gesellen sich einige Werke seiner Vorbilder und Zeitgenossen. Auch sein Werkstattmitarbeiter Giovanni Galizzi steht im Blickpunkt.

Jacopos Künstlername „Tintoretto“ bedeutet „Färberlein“. So nannte er sich, weil sein Vater Tuchfärber war. Wegen seines bildnerischen Erfindungsreichtums gilt der Schnell- und Vielmaler als Genie. Er verblüfft den Betrachter immer wieder durch die ungewöhnliche Behandlung altbekannter Bildthemen. In der ihm kürzlich neu zugeschriebenen „Fußwaschung“ (um 1539) etwa beansprucht ein auf seinem Stuhl ungebärdig zappelnder Apostel die Bildmitte. Die Wissenschaftler vermuten in ihm ein Selbstporträt Tintorettos. Das eigentliche Hauptthema des die Füße seiner Jünger waschenden Christus aber ist in die rechte Bild­ecke gerückt. Dort blickt der Herr zu dem vor ihm sitzenden Petrus auf. 

Gern machte Tintoretto seine Gemälde durch den Einsatz eleganter Damen oder freizügiger weiblicher Figuren aus mythologischen Gefilden unwiderstehlich. Fast schon frivol, jedenfalls aber ungewöhnlich geht es auf dem Gemälde „Der heilige Ludwig, der heilige Georg und die Prinzessin“ (1551) zu. Die Prinzessin reitet nämlich auf dem Drachen, den der Ritterheilige Georg zu ihrer Rettung getötet hat. Sie blickt zu dem über sie gebeugten Retter auf. Ihr Dekolleté spiegelt sich in seinem Brustpanzer, sodass uns der gleiche Einblick wie Georg vergönnt ist. Spärlich bekleidet bis splitternackt präsentieren sich schließlich die Musikinstrumente spielenden Musen auf dem von Tintoretto und Werkstattmitarbeitern um 1555 gemalten Bild, das zu den jüngsten der Schau zählt.

Viele Gemälde zeichnet eine theatralisch anmutende Gestik und Mimik der Akteure aus. Auf Tintorettos Bildvision vom „Sündenfall“, die um 1551/52 entstanden ist, verrät Eva eine hüllenlose Eitelkeit: Sie hat sich die Haare blondiert und mit Hilfe kleiner Zweige hochgesteckt. Eva umschlingt mit dem rechten Arm den Baumstamm, an dem die Schlange lauert, und bietet Adam verführerisch den Apfel in ihrer Linken an. Noch zögert er, das sündige Angebot anzunehmen, wie seine ans Kinn gelegte Hand verrät. Das Gemälde bewertet schon Tintorettos Biograf Carlo Ridolfi (1594–1658) als eines seiner Hauptwerke. Dieses allein hätte laut Ridolfi ausgereicht, Tintorettos Ruhm zu begründen.

Bis 28. Januar im Wallraf-Richartz-Museum, Obenmarspforten, Köln, geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 13 Euro. Telefon (0221) 22121119, Internet: www.wallraf.museum. Der Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet im Museum 35 Euro, im Buchhandel 45 Euro