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27.10.17 / Verschwiegene Helden / 28 Jahre nach dem Fall der Mauer wird der illegale Widerstand in der DDR weitgehend ignoriert

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 43-17 vom 27. Oktober 2017

Verschwiegene Helden
28 Jahre nach dem Fall der Mauer wird der illegale Widerstand in der DDR weitgehend ignoriert
Friedrich-Wilhelm Schlomann

Falls man heutzutage überhaupt noch von Opposition und Widerstand jenseits der vor 28 Jahren gefallenen Berliner Mauer spricht, wird durchweg nur an die Bürgerrechtler von 1989 gedacht. Ihr Verhalten in Ehren, doch sie wollten zumeist lediglich eine „menschlichere DDR“. Vergessen sind indes die Menschen, die ab 1948 in den illegalen Widerstand gingen. Es dürfte aus der heutigen Sicht mit ihrem sehr verbreiteten Egoismus und Materialismus kaum glaubhaft erscheinen, wie viele Männer und Frauen damals in ihrer Sehnsucht nach Freiheit und der Wiedervereinigung ihres Vaterlandes die SED-Diktatur bekämpften. Sie wussten, was sie taten und welches Schicksal vielleicht auf sie wartete, sie folgten lediglich ihrem Gewissen. Viele illegale Widerstandsgruppen sind nie bekannt geworden, doch allein die Zahl derjenigen DDR-Bewohner, die in Verbindung zu freiheitlichen Organisationen in West-Berlin standen, dürfte weit über 10000 gelegen haben. 

Wohl die meisten von ihnen wurden im Laufe der Jahre von der Stasi aufgespürt, nicht wenige kamen – wenn überhaupt – menschlich zerbrochen aus Bautzen und Hoheneck zurück. Manche von ihnen konnten indes ihrer drohenden Verhaftung entgehen und West-Berlin erreichen. 

Doch in der Bundesrepublik kümmerte sich zumindest in den Anfangsjahren kaum jemand um sie und um ihr weiteres Schicksal. Wohl jedes Volk dieser Erde hätte jene, die ihr Leben einsetzten für ihr Land, geachtet und geehrt. In Deutschland hingegen werden sie aus welchen Gründen auch immer totgeschwiegen. Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, ist ihr Einsatz auch in der Forschung und der historischen Wissenschaft praktisch vergessen. Dies gilt selbst für die CDU und ebenso für die SPD, die eigentlich doch stolz auf ihre Mitglieder „drüben“ sein müssten. 

Tatsächlich bekamen diese Män­ner und Frauen des illegalen Wi­derstands von offizieller Seite bis zum heutigen Tage nicht einmal ein – zudem kostenloses – „Danke“. Es gab deshalb Briefe an Bundespräsident Joachim Gauck, deren Echo nur die üblichen nichtssagenden Floskeln erhielt. Soweit bekannt, hat er zwar überaus vielen Menschen die Hände gereicht, aber keinem DDR-Inhaftierten oder gar einer Person des illegalen Widerstandes. Inhaltsähnliche Hinweise an den Bundestagspräsidenten bekamen keinerlei Antwort, selbst als ausländische Zeitungen ein solches Schreiben an ihn abdruckten und auch von dort deutliche Worte von Universitäten kamen. Ein solches Verhalten ist wohl typisch für die politische Kultur und Moral im heutigen Deutschland. Die meisten jener Menschen von damals sind längst verstorben. Die letzten, die heute enttäuscht von ihren einstigen Idealen, verbittert und zurückgezogen leben, werden in den nächsten Jahren die Welt verlas­sen. Ein recht kostbares und stolzes Blatt deutscher DDR-Geschichte wird durchweg leer und ungeschrieben zurück­bleiben.