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27.10.17 / Unter dem Vorwand von Vielfalt und Toleranz / Gewalt, Vandalismus, Meinungsdiktatur – Die Frankfurter Buchmesse wurde zur Skandalveranstaltung – Ein Augenzeugenbericht

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 43-17 vom 27. Oktober 2017

Unter dem Vorwand von Vielfalt und Toleranz
Gewalt, Vandalismus, Meinungsdiktatur – Die Frankfurter Buchmesse wurde zur Skandalveranstaltung – Ein Augenzeugenbericht

Einen „linksradikalen Mob“, „gewaltgeile Groupies“ und einen „bemerkenswerten Widerstand“ von konservativer Seite erlebte Günter Scholdt beim Besuch der Frankfurter Buchmesse. Für die PAZ berichtet der emeritierte Germanistik-Professor und Buchautor („Autorenschlacht“) über „Weimar pur“.

Lange war ich der Frankfurter Buchmesse ferngeblieben, jenem Jahrmarkt der Eitelkeiten mit dem Anspruch, die wesentlichen Kulturtrends zu setzen. Doch Diskriminierungen rechter Verlage bereits im Vorfeld ließen mich diesmal umdenken. Solidarität war gefragt. Auch wollte ich die Szene authentisch erleben, ungetrübt von dem zu erwartenden tatsachenverschleiernden Mediennebel. Für Zeitzeugen war besonders der 

14. Oktober ergiebig, an dem die Antifa als militanter Arm unserer „Zivilgesellschaft“ durch massiven Krawall eine Buchvorstellung torpedierte. Zeigten die Ereignisse doch geradezu modellhaft, wie 

– unter dem Vorwand von „Vielfalt“ und „Toleranz“ – bei uns Demokratie häufig nur gespielt wird. 

Doch der Reihe nach: Als erstes fiel mir in Frankfurt der moralistische Cordon sanitaire auf, den eine „sensible“ Messeleitung um die Handvoll für anrüchig erklärter Verlage gezogen hatte. Drei Meter vom Stand der Wochenzeitung „JUNGE FREIHEIT“ etwa bot man Besuchern Gelegenheit, sich unter dem Slogan „Kein Ort für Nazis“ fotografieren zu lassen. Schräg gegenüber des Antaios-Verlages posierte als „antirassistischer“ denunziatorischer Wachhund die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Handreichungen für den ausgrenzenden Umgang mit Rechten fertigt. Wie der Abend zeigte, für gelehrige Schüler. 

Beim Manuscriptum-Verlag hatten „wehrhafte Demokraten“ über Nacht sämtliche Bücher und Zeitschriften gestohlen – offenbar eine zeitgemäße Form der Bücherverbrennung. Auch Antaios erhielt (sogar zweimal) nächtlichen Besuch, wobei 35 Bände mit Zahnpasta oder Kaffee verdreckt und Plakate zerstört wurden. Bei ihrer Abendveranstaltung kam es dann zur Eskalation, für die der Börsenverein die volle Verantwortung trägt. 

Denn seine vermeintlich bauernschlaue Strategie, es mit keiner linkstotalitären Gruppe zu verderben und dennoch pro forma Liberalität zu reklamieren, ist krachend gescheitert. Anstatt das Selbstverständliche zu gewähren (die Meinungsäußerungsfreiheit im Sinne der Charta des Schriftstellerverbandes P.E.N.), ließ man scheinneutral die Ungeliebten zu, desavouierte sie jedoch per Presseerklärung und rief unter Hinweis auf ihre Standnummer zur „Auseinandersetzung“ mit ihnen auf. Messe-Geschäftsführer Alexander Skipis führte sogar persönlich eine Demonstration gegen Antaios an. 

Die Saat ging auf. Nach dem Vandalismus der Vortage bot die Antaios-Buchvorstellung vom Sonnabend Gelegenheit, „Gesicht“ gegen Rechts zu zeigen. Allerdings nicht ganz wörtlich. Denn in der Regel tragen diese Tapferen dunkle Brillen, Masken oder schützen sich vor erkennungsdienstlichen Fotos durch vorgehaltene Hefte. Die ersten Interviews zu den Büchern von Lichtmesz, Sommerfeld oder 

Pirinçci wurden lediglich durch (hysterische) Schreie oder laute Musikeinspielungen unterbrochen. Als Martin Sellner und Mario Müller von der Identitären Bewegung reden wollten, setzte schlagartig ein Lärmorkan ein, mit dem die Antifa per Trillerpfeifen, Pauke und Sprechchören die Autoren buchstäblich mundtot machte. Und die ehrwürdige Messeleitung sah eine halbe Stunde lang keinen Bedarf, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen, sondern berief sich perverserweise gar auf die Meinungsfreiheit dieser Brüller.

Ich selbst erlebte die Vorfälle in einer seltsamen Gefühlsmischung aus Wut über die pöbelhaft entfesselten Möchtegern-Zensoren und Faszination des Historikers für Ursituationen. Und so war denn auch mein erster Gedanke: Das hier ist Weimar pur – in seiner hassvollen gesellschaftlichen Zerklüftung und seiner aufs Totalitäre zielenden Kommunikationsverweigerung. Allen vom Fach, die sonst lediglich in Kompendien oder Aktenbeständen wühlen, seien solche Eindrücke zur atmosphärischen Veranschaulichung wärmstens empfohlen. 

Auch dieser linksradikale Mob duldete keine Gegenmeinung, sondern wollte schlicht verhindern, dass unter 7000 Ausstellern tatsächlich eine Handvoll anderes verkündeten, als das, was Claudia Roth, Stegner, Merkel oder Göring-Eckardt über unsere real existierende Welt halluzinieren. Ohne Polizei wäre bei diesen Schlägertypen, denen eine offiziöse Pseudomoral quasi die Lizenz zum Prügeln erteilt, fraglos Blut geflossen, wie es bei Dutzenden anderer Gelegenheiten schon geschah. Ihnen allen (darunter Söhn- und Töchterlein aus „bestem“ Hause) stärken ideelle Paten ihr gutes Gewissen, um einmal richtig Schwein sein zu dürfen – das Ganze im Bewusstsein, dass eine vielfach linkspolitisierte Justiz ihnen letztlich nicht wehtut. Zu solch fragwürdigen Helden zieht es gewaltgeile Groupies. In Frankfurt intonierten sie zudem in lustvoller Provokation Sprechgesänge wie: „Wir ha’m den Krieg 

verlor’n.“ Man wünschte den infantilen Ahnungslosen, dass sie wenigstens ansatzweise mal etwas von dem verspürten, was im Frühjahr 1945 unmittelbar auf die Niederlage folgte. 

Positiv überrascht hat mich ein Publikum, das die Herausforderung annahm. Ich erwartete es zwar von der Garde aus Identitären oder Jungen Alternativen, die solche Konfrontation gewöhnt sind. Doch die Teilnehmer der Veranstaltung setzten sich aus fast allen Altersklassen und beiden Geschlechtern zusammen. Darunter ein Rollstuhlfahrer, der ein wenig traurig berichtete, er sei gekommen, um sich mal ohne Medienfilterung ein eigenes Bild über bundesrepublikanische „Unpersonen“ zu machen. Leider umsonst. 

Gegen solche Bevormundung rührte sich spontan ein gruppendynamisch bemerkenswerter Widerstand. Nur wenige entfernten sich, erschreckt von der explosiven Stimmung. Das Gros formierte sich zur Gegenphalanx und brüllte zurück. Es hat zwar seine Komik, wenn ergraute Herren oder Damen mittleren Alters sich erstmals in Saalschlachtgesängen erproben. Aber ihr Gegenchor: „Haut ab!“, „Räumen!“ (an die Adresse der Polizei) oder „Jeder hasst die Antifa“ hatte gleichwohl etwas Wohltuendes. Signalisierte er doch, dass sich hier endlich einmal nicht nur um ihren „gutbürgerlichen“ Ruf besorgte Eingeschüchterte getroffen hatten, sondern Citoyens, die noch des Zorns fähig und sich ihrer freiheitlichen Aufgabe bewusst waren. Auch ihre stimmgewaltig skandierte Antwort („Nazis raus!“) war bestens adressiert im Sinne von Ignazio Silones Bonmot, der heutige Faschismus verkleide sich als Antifaschismus. 

Die Reaktion der Medien wäre ein Thema für sich. Als absurder Epilog nur so viel: Am Morgen las ich als erstes einen Artikel auf „Spiegel.Online“, dessen klares Feindbild alle Vorwürfe über die „Lügenpresse“ bestätigt. Seine Verfasserin, begabt mit der analytischen Tiefenschärfe eines Pantoffeltierchens, betitelte ihn sinnigerweise: „Dialogversuche auf der Buchmesse – Rechte rasten aus“, was die Redaktion mittlerweile schamhaft änderte. Es lebe das Rechercheschema à la „Kind beißt Hund“. 

Spannend wird’s 2018. Auch der Messeleitung dürfte nicht entgangen sein, dass ihre moralische Inkriminierung alternativer Verlage ein klassisches Selbsttor war. Sie haben nichts gelernt aus der sogar internationalen Blamage ihres Sieferle-Tribunals und anderen Ausgrenzungsversuchen. Vielmehr hat ihre Hysterie wirklichen oder nur vermeintlichen rechten Verlagen eine drastisch erhöhte Aufmerksamkeit und entsprechend vermehrte Kundschaft verschafft, als wären sie von deren PR-Abteilungen besoldet. Läuft alles wie bisher, droht nächstes Jahr zudem eine Gewalteskalation. 

Schützt sich die Messe also künftig vor vermehrtem Ärger dadurch, dass man unerwünschte Verlage gar nicht mehr zulässt? Schon Weimar präsentierte ja mit umgedrehten politischen Vorzeichen dieses Handlungsmuster. Damals störten rechte Provokateure den Antikriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ so lange, bis die Reichsregierung seine Aufführung aus öffentlichen Sicherheitsgründen verbot. Für alle, die Vergleichbares auch unseren „Kultureliten“ zutrauen, gibt es inzwischen die „Charta 2017“ für gelebte Meinungsfreiheit. Sie steht im Netz und wartet auf weitere Unterschriften.