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15.12.17 / Hochprozentige Weihnacht / Berliner Schnaps-Idee – Selbstgebrannter nach Al-Capone-Manier

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 50-17 vom 15. Dezember 2017

Hochprozentige Weihnacht
Berliner Schnaps-Idee – Selbstgebrannter nach Al-Capone-Manier
Susan Bäthge

Es waren die Inder, die bereits 800 v. Chr. aus Reis Branntwein destillierten, und Aristoteles beschrieb im 

4. Jahrhundert v. Chr. erstmals das physikalische Prinzip der Destillation. Der heilige Hieronymus verfasste mit dem „Buch des Destillierens“ die erste Fachliteratur, und der Arzt und Philosoph Paracelsus gab dem brennenden Wasser im 16. Jahrhundert seinen endgültigen Namen: Alkohol. 

Dank unzureichender Brennmethoden genoss der Hochprozentige zunächst einen schlechten Ruf, was nicht zuletzt am vergorenen Obst lag. Heutzutage haben Edelbrände höchste Qualität, sie basieren auf der lupenreinen Herstellung puren Alkohols. Mixt man diesen mit Zucker oder Aromastoffen, so wird er zu Likör. So weit so klar – oder süß?

Rückblick: Amerika vor etwa 100 Jahren. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in den USA Herstellung und Verkauf von Alkohol verboten. Die Prohibition hatte gravierende Folgen: Viele Menschen verloren ihre Arbeit, betrieben ihren alten Job aber illegal weiter, die Korruption blühte, und sogar Polizisten bereicherten sich im Alkoholgeschäft. Beschaffung, Transport und Verkauf von Hochprozentigem lagen nun in den Händen krimineller Gangs. Um 1925 gab es allein in New York 100000 illegale Bars – eine Epoche der Heimlichkeit begann. „Moonshine“ nannten die Farmer ihren schwarz gebrannten Schnaps, den sie – um nicht aufzufliegen – in Einmachgläser füllten und an Schmuggler verkauften. Die Vorherrschaft im Schwarzhandel teilten sich der berühmt-berüchtigte Al Capone und ein gewisser Edward „Spike“ O’Donnell, der wenig Skrupel hatte, sich mit anderen Gangstern in Chicago blutige Straßenschlachten zu liefern, doch bei der Qualität seiner Schmuggeleien kannte er kein Pardon.  

Diese sagenumwobene Ge­schichte um Spike gefiel den zwei Jungunternehmern Philipp Morsink und August Ullrich so gut, dass sie sich den Namen O’Donnell vor drei Jahren schützen ließen und das verrufene Gesöff jetzt im Herzen Berlins ganz legal anbieten. Inmitten der Flaniermeile Friedrichstraße haben sie bis Silvester einen Probier-Laden eröffnet: „Wir wollen bis dahin zunächst nur den Markt testen.“ Industriedesign, offene Rohre an der Decke, karge Wände, Betonboden, schlichte Einmachgläser auf Holzpaletten – der Test in Tätowier-Studios und Erlebnisläden wurde längst bestanden.

Und sie halten sich an die ho­hen Ansprüche des namensgebenden Vorbildes: Ihre fünf Schnapssorten werden nach alten Regeln der Brennkunst hergestellt und mit natürlichen Inhaltsstoffen verfeinert. „Bratapfel“ ist eine Mischung aus Äpfeln, Mandeln, Zimt, Vanille und einem Hauch Zitrone. „Bitter Rose“ eine fruchtige Mischung aus Grapefruit, Hagebutte, schwarzem Holunder. Die „Harte Nuss“ schmeckt nach kerniger Haselnuss und Nougat, verfeinert mit Karamell und Whiskeyaroma.

„Schnapsdrosseln“ können hier zwar nichts Hochprozentiges selbst brennen, aber im scheunenartigen Laden selbst zum Produzenten werden: Jeder kann sich seinen Klaren oder Likör in ein Glas mit Schraubverschluss abfüllen und mit einer Schreibmaschine das Etikett be­drucken. Originalgetreu! Nachhaltigkeit natürlich inklusive: Die Gläser können weiterverwendet oder wieder neu befüllt werden.

Alles jenseits des herkömmlichen Mainstream und der süßen Partyschnäpse, die schnellstmöglich die Birne dicht machen sollen. Spike O’Donnell würde das sicherlich freuen und einen großen Schluck aus dem Glas nehmen. Natürlich im Mondschein. Prost!