28.01.2022

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15.12.17 / Hemingways Anfänge

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 50-17 vom 15. Dezember 2017

Hemingways Anfänge
M. Rosenthal-Kappi

Abenteurer, Stierkämpfer, Kriegsberichterstatter, Hochseefischer, Großwildjäger und Ehemann – die Liste der Assoziationen zu Ernest Hemingway, dem erfolgreichsten und bekanntesten US-amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, ist lang. Bis er 1954 den Nobelpreis für Literatur erhielt, war es jedoch ein steiniger Weg. 

Die Journalistin Lesley M. M. Blume zeichnet in einem unterhaltsam geschriebenen Buch, das sich spannend wie ein Roman liest, den Weg des ehrgeizigen Hemingway vom Journalisten, der sich mit bissigen Reportagen durchschlägt, bis zum erfolgreichen Romancier nach. „Und alle benehmen sich daneben. Wie Hemingway seine Legende schuf“ beleuchtet vor allem die 20er Jahre. In Paris lebt eine Kommune von Emigranten. Wichtige Vertreter der Moderne wie Gertrude Stein, James Joyce, Ezra Pound und F. Scott Fitzgerald befinden sich darunter. 

Die Bekanntschaft mit den Kollegen, aber auch sein neuer, auf Kargheit begründeter Stil, öffnen Hemingway schließlich die Türen zu den Granden der Literaturszene. Auch der unerschütterliche Glaube seiner Frau Hadley an ihn, von deren Geld sie leben, bildet einen Grundstein für Hemingways Erfolg. Dankbarkeit ist nicht seine Stärke: Er begeht ebenso Verrat an seinen Freunden und Förderern wie an seiner Ehefrau. In seinem Debütroman „The Sun Also Rises“ (Fiesta) zeichnet er ein schonungsloses Bild seiner „verlorenen Generation“, ein Begriff, den er sich von Gertrude Stein „auslieh“. Zwar zerbrachen nach Erscheinen des Buchs viele Freundschaften, gleichzeitig war es aber der Beginn von Hemingways bahnbrechendem Erfolg.

Lesley M. M. Blume: „Und alle benehmen sich daneben. Wie Hemingway seine Legende schuf“, dtv Verlag, München 2017, gebunden, 448 Seiten, 24 Euro