25.01.2022

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15.12.17 / Das Wetter in spektakulären Fotos

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 50-17 vom 15. Dezember 2017

Das Wetter in spektakulären Fotos
Wolfgang Thüne

Auch nach 36 Jahren beeindruckt der Meteorologische Kalender durch spektakuläre Fotos mit Motiven, die das Wetter in seiner unendlichen Mannigfaltigkeit präsentiert. Für die etwa 1800 Experten sind die Erklärungen eigentlich überflüssig, doch für interessierte Laien könnten sie etwas verständlicher und ausführlicher sein. Schließlich erhebt er den hohen Anspruch, „das Interesse an den Vorgängen der Atmosphäre zu fördern und meteorologisches Fachwissen zu verbreiten“. Angesichts des Jubiläums „150 Jahre Norddeutsche Seewarte“ Hamburg wurde das Thema „Atmosphäre und Ozean“ gewählt. 

So schön die Fotos sind, so kritikwürdig sind die ausgewählten Texte und versprechen Ärger für Inge Niedek, der Vorsitzenden der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft DMG und Ex-Wettermoderatorin des ZDF. Unter der Überschrift „Wetter und Meer“ folgt „Ozean und Klima“ und „Den Einfluss des Ozeans auf Klima und Wetter  erfahren wir ...“. Das ist eine Verdrehung der Fakten und bewusste Herabsetzung der Meteorologie als Hilfswissenschaft der Klimatologie im Namen der politischen Korrektheit. Jeder weiß, dass das Klima vom Wetter abgeleitet und damit ein Definitionskonstrukt des Menschen ohne Eigenexistenz ist. Es gibt den „vom Menschen verursachten Klimawandel“ nicht. Der „Klimawandel“ ist Folge des natürlichen und unaufhaltsamen Wetterwandels. Die Klimavielfalt, auf der Erde ist Folge der Wettervielfalt und diese bestimmt wiederum die Vegetationsvielfalt. 

Der Kalender steckt voller Ungereimtheiten. Nur zwei Beispiele: „Durch Abkühlung an der Meeresoberfläche wird kaltes und schweres Tiefenwasser gebildet, das bis in Tiefen von 100–2000 Meter absinkt.“ Doch wenige Zeilen später lesen wir staunend, dass „sich der subpolare Nordatlantik in der Tiefe langsam erwärmt“. Ein anders Beispiel: „Von den Ozeanen verdunstet jedes Jahr eine etwa einen Meter dicke Schicht Wasser.“ Das sind 1000 Millimeter! Bei der Höhe des Meeresspiegels heißt es, dass er seit Beginn des 20. Jahrhunderts um zirka 1,5 Millimeter und seit den 1990er Jahren um zirka 3,2 Millimeter angestiegen sei, obgleich die Messgenauigkeit der Satelliten nur 30 Millimeter betrage. Wer zu exakt sein will, wird rasch beim Mogeln erwischt. Des Weiteren fehlt sowohl beim globalen Meeresspiegel wie bei der Globaltemperatur ein Bezugspunkt, ein „Ausgangswert“.

So farbenfroh der Meteorologische Kalender Monat für Monat auch sein mag, er kann als „wissenschaftliche“ Lektüre nicht empfohlen werden, wohl aber als Postkartenkalender.

„Meteorologischer Kalender 2018. Wetter und Meer“, E. Schweizerbart’sche Verlags-Buchhandlung, Stuttgart 2017,Wandkalender, 19,90 Euro, Postkartenkalender, 10,80 Euro