28.01.2022

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22.12.17 / Äpfel und Rosen schmückten den Paradiesbaum

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51/52-17 vom 22. Dezember 2017

Äpfel und Rosen schmückten den Paradiesbaum

Grüne Zweige mitten im Winter: Sie erinnern, was vielen nicht mehr bewusst ist, an göttliche Verheißungen und an die Begrüßung des Messias in Jerusalem. Heißt es doch von Gott in Hosea 14, 9: „Ich will dich erhören und führen, ich will sein eine grünende Tanne, von mir erhältst du deine Früchte.“

Der geschmückte Weihnachtsbaum stammt aus den mittelalterlichen Krippenspielen in den Kirchen. Untergangen ist die damit verbundene Geschichte des Paradiesspiels. Es orientierte sich an der biblischen Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies und wie die Sünde in die Welt kam. Ein immergrüner Baum wurde als „Paradiesbaum“ geschmückt – zum Beispiel mit roten Äpfeln und Rosen. Sie sollten an das Blut Jesu erinnern, dessen Geburt zu Weihnachten gedacht wird. Spätestens im 17. Jahrhundert wurde aus dem „Paradiesbaum“ in den Kirchen der häusliche Christbaum, wie ein Brief der Liselotte von der Pfalz (1652–1722) belegt. Darin schildert die Herzogin ihre Weihnachtsfeiern um 1660 in Hannover. Sie erwähnt dabei mit Kerzen geschmückte Buchsbäume. Anfang des 19. Jahrhunderts erfanden dann Glasbläser in Thüringen die heute noch gängigen Weihnachtskugeln. „Die ursprüngliche Symbolik der Paradiesäpfel trat in den Hintergrund. Heute ist sie kaum noch bekannt und der Baumschmuck vor allem Dekoration“, bedauert der Berliner evangelische Experte für Weltanschauungsfragen, Thomas Gandow.

Der Theologe liefert auch eine plausible Erklärung dafür, wie die Krippen in die Privathäuser kamen: durch das Verbot öffentlicher Krippendarstellungen in den Kirchen Österreichs durch die Regenten Maria Theresia (1717–1780) und Joseph II. (1741–1790), sowie durch König Maximilian I. Joseph von Bayern (1756–1825). Dabei ist es eine uralte Tradition: Vermutlich seit dem Jahr 60 wird die Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas in den Gemeinden des Urchristentums gelesen und damit die Stadt Bethlehem samt Krippe zu einem Pilgerort. GF