13.08.2022

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22.12.17 / Nur 20200 Insolvenzen / Viele Unternehmen profitieren von der EZB-Niedrigzinspolitik

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51/52-17 vom 22. Dezember 2017

Nur 20200 Insolvenzen
Viele Unternehmen profitieren von der EZB-Niedrigzinspolitik
Norman Hanert

Firmenzusammenbrüche verursachen immense volkswirtschaftliche Schäden. Bei der Wirtschaftsauskunftei Credit-refrom schätzt man alleine für das laufende Jahr die Schäden auf insgesamt 26,6 Milliarden Euro. Dabei ist die Zahl der Insolvenzen im zeitlichen Vergleich derzeit alles andere als hoch. Trotz einiger spektakulärer Fälle wie etwa dem von Air Berlin oder der Hamburger Reederei Rick­mers fällt nach Daten der Auskunftei dieses Jahr die Zahl von Firmeninsolvenzen mit 20200 auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1994, als es 18820 waren. Damit sinkt die Zahl der jährlichen Firmenzusammenbrüche bereits im achten Jahr. 2003 war die Zahl der Insolvenzen noch fast doppelt so hoch. Vor dem Hintergrund der guten Konjunkturausssichten wird für das Jahr 2018 sogar mit einem weiteren Rückgang der Zahl an Firmenpleiten gerechnet. 

Unter den Bundesländern schnitt Baden-Württemberg am besten ab. Dort rutschten nur 38 von 10000 Firmen in die Insolvenz. Im Kontrast dazu steht die Insolvenzquote in Berlin, wo 93 von 10000 Unternehmen pleitegingen. Die deutsche Hauptstadt landete damit im Vergleich aller Bundesländer vor Nordrhein-Westfalen, wo es 90 sind, auf einem unrühmlichen Spitzenplatz.

Als Ursache für das Sinken der Insolvenzzahlen wird der anhaltende Wirtschaftsaufschwung genannt. Allerdings können sich durch die die extreme Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank offenbar auch viele Unternehmen über Wasser halten, die ansonsten große Schwierigkeiten hätten. Die Experten von Creditreform weisen in diesem Zusammenhang auf die Gefahr durch die hohe Verschuldung vieler Firmen hin. Bei der Wirtschaftsauskunftei heißt es dazu: „Im Durchschnitt sind – insbesondere im Mittelstand – rund zwei Drittel der Vermögenswerte mit Fremdkapital finanziert.“ Vor dem Hintergrund historisch niedriger Kreditzinsen und einer derzeit guten Wirtschaftslage in Deutschland muss ein weiterer Befund ganz besonders alarmieren: Rund jedes siebte Unternehmen kann seine Zinsen nicht aus dem Betriebsgewinn bedienen. Creditreform hat ermittelt, dass bei 15,4 Prozent der Firmen in den vergangenen drei Jahren die operativen Gewinne im Schnitt nicht zur Finanzierung der laufenden Zinsen ausgereicht haben. Faktisch leben diese Unternehmen von der Substanz. Sollte die Europäische Zentralbank die Zinsen eines Tages wieder anheben, dann könnte in Deutschland die Zahl von Firmeninsolvenzen wieder deutlich ansteigen. 

Wie sich Zinserhöhungen auswirken könnten, hat Creditreform  auf der Basis von Bilanzdaten von 7400 Unternehmen durchgespielt. Sollten die Zinsen für langfristige Kredite um 1,5 Prozentpunkte von derzeit drei auf 4,5 Prozent ansteigen, würde der Anteil der Firmen, die keine adäquate Zinsdeckung erreichen, auf 16,9 Prozent steigen. Bei einem Anstieg um drei Prozentpunkte würde bereits jedes fünfte Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. 

Selbst die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat davor gewarnt, dass die Niedrigzinsen viele Unternehmen künstlich am Leben halten, die eigentlich nicht rentabel arbeiten und unter normalen Zinsbedingungen in die Pleite rutschen würden.