28.01.2022

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22.12.17 / Fröhliche Feiertage in Harmonistan / Ein gar nicht besinnlicher Bummel durch das weihnachtliche Deutschland

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51/52-17 vom 22. Dezember 2017

Fröhliche Feiertage in Harmonistan
Ein gar nicht besinnlicher Bummel durch das weihnachtliche Deutschland
Burkhard Voß

Selbstverständlich können Psychiater eine psychische Störung entwickeln, wie ich neulich einem Patienten Recht geben musste, der sich Sorgen um mich machte. Braucht er aber nicht, denn ich bin medikamentös vom 1. Januar bis zum 30. November eines jeden Jahres gut eingestellt. Nach dem 30. November setze ich jedoch alle Medikamente schlagartig ab. Warum? Damit meine psychische Störung wieder durchkommen kann, und zwar mit aller Kraft, denn die kollektive Zwangsharmonie Weihnachten lässt sich nur so richtig schön gaga ertragen.

Wie ich so durch die Kaufhäuser flanierte, wurde mir bewusst, dass ich Spielzeugläden im Prinzip mochte. In einer entdeckte ich eine blonde Figur, die mich an Anton Hofreiter erinnerte. Medikamentenbefreit ging das runter wie Öl. Dieser vom Kreuz herabgestiegene Jesus der grünen Partei. Kein Politiker kommt Weih-nachten authentischer rüber als er. Normale Deutsche (Veganer, Islamversteher, Merkel-Fans, kultursensibel, gendersensibel und so weiter) lieben ihn.

Stichwort kultursensibel: Besonders verdient gemacht und auf der obersten Sprosse der Ethikleiter angekommen ist Penny, diese Warenhauskette bietet Weihnachtsmänner als Zipfelmänner an, um unsere friedvollen muslimischen Mitbürger nicht allzu sehr zu verschrecken. Diese Idee ließe sich sogar noch toppen, zum Beispiel indem man die heilige Maria in eine Burka steckt. 

Freuen Sie sich auch schon auf Ramadan? Ich auf jeden Fall. Vielleicht gibt’s dann auch schon eine gendergerechte Burka, so wie es jetzt schon gendergerechtes Spielzeug gibt. Das ist auch dringend nötig, denn was biologisch determiniert ist, muss sozialpädagogisch eliminiert werden. Plötzlich fiel mir eine Barbie auf, die mich an Jürgen Trittin erinnerte, der Sonderpädagoge für das genderverachtende Restdeutschland. Wie ich mir diese Barbie genauer anschaute, musste ich feststellen, dass dies das ideale Geschenk war, um das Mannsein nachhaltig zu verleiden. Wenn diese arrogant grinsende Barbie so am Weih-nachtsbaum zappelt, würde sich selbst der Heilige Geist mit dem Teufel verbünden, bis dass der Tannenbaum sich von selbst entzündet. 

Schluss mit den gemeinen Phantasien, sagte ich mir und zog durch die Straßen. Ohne Medikamente und völlig kritikbefreit gab es keine Hektik mehr und das Treiben der Menschen wirkte harmonisch und dynamisch zugleich. Ansonsten war es hektischer Aktivismus mit geistiger Windstille als Voraussetzung, wo reflexionsbefreite egoistische Ellenbogenpaare sich durch Kaufhäuser wühlten. Wo verbissen um den letzten Parkplatz gekämpft wurde und man sich schon lange nicht mehr fragte, warum man sich das antut. Es muss eine Art saisonaler Masochismus dahinterstecken, ein nicht nur individual-, sondern massenpsychologisches Phänomen in der Art einer Groko, alle finden’s bescheuert, aber alle machen mit.

Ist die Karre einmal geparkt, geht‘s zum Weihnachtsmarkt oder in die Kirche. Die ist an 364 Tagen im Jahr ziemlich leer, aber just Heiligabend springen wohl tief im Hirn die letzten christlich-neuronalen Taktgeber an und die Kirchengemäuer des dekadenten Westens geraten immer wieder ins Staunen, wie fit sie noch sind, um mit diesem Ansturm fertig zu werden. Die sakralen Mauern sind froh, wenn sie ihre Schäfchen wieder umschließen können und ganz still schadenfroh, wenn sie diese wieder in die eigenen vier Wände entlassen. Denn dort wartet schon der Höhepunkt der weihnachtlichen Zumutung: die eigene Verwandtschaft. Stattdessen könnte man auch mit Andrea Nahles in den Whirlpool steigen. Aber gut, es ist Heilig Abend, da hat man schon immer die zusammengewürfelt, die sich jeden Tag sehen und sich nichts zu sagen haben und die, die sich einmal im Jahr sehen und sich ebenfalls nichts zu sagen haben. Dabei gäbe es so viel, was man besprechen sollte, beispielsweise den Nervenzusammenbruch von Tante Katrin, als sie ihren Neffen auf einem Wahlplakat der AfD entdeckte.

All das könnte besprochen werden und letztlich, so ab 1,2 Promille, bei zunehmender aethanolischer Aufweichung der Contenance, wird es auch besprochen. Kurz und knapp: Die Harmonie ist perdu und wird von dem Motto „Was ich immer schon mal sagen wollte“ abgelöst. Fast möchte man die überlebensgroße Gutmenschengluckhenne Margot Käßmann unter den Weihnachtsbaum herbeizaubern, auf einem solchen Tiefpunkt ist die deutsche Harmonie dann angelangt. Stattdessen wird ethanolisch nachgelegt, psychiatrische Aufnahmestationen wissen davon ein Lied zu singen. Und wenn aus Worten Taten werden auch die chirurgischen. 

Zum Trost ist in ein paar Tagen alles vorbei, ab dem 1. Januar nehme ich meine Medikamente wieder ein, werde normal und freue mich auf den nächsten „Müssen-Sog“, der Karneval heißt, denn dann heißt es: Wir müssen fröhlich sein. Das werde auch ich, denn diesmal werde ich meine Medikamente erneut absetzen. Prost.

Der Autor arbeitet als Arzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie in Krefeld. 2017 erschien sein siebtes Buch „Albtraum Grenzenlosigkeit” (Solibro Verlag).