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22.12.17 / Von Verschwörungen und Verschwörungstheorien

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51/52-17 vom 22. Dezember 2017

Von Verschwörungen und Verschwörungstheorien
Nike U. Breyer

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Es war die CIA, die den Begriff „Verschwörungstheorie“ nach der Ermordung von John F. Kennedy kreierte. Seitdem gibt es große ungeklärte Verbrechen mit atemberaubenden Ermittlungspannen. Im Umfeld der Morde kommt es zu einem rapiden Anstieg von Todesfällen, bevorzugt bei den Zeugen. Doch jedes Miss­trauen, ob das mit rechten Dingen zugehe, wird kur-zerhand mit der Begriffskeule Verschwörungstheorie diskreditiert. Das aber hat zur Folge, dass über die im Dunst liegenden Bezirke des Geschehens umso wildere Spekulationen ins Kraut schießen, die  wiederum von den überzeugten Verschwörungstheorie-Apologeten ins Feld geführt werden, um die Absurdität jeden Zweifels zu belegen. Nun gibt es aber auch reale Verschwörungen, die manchmal auch auffliegen und deren Akten irgendwann zugänglich sind. 

Es gibt Täter, die Gewissensbisse plagen und Kronzeugen, die „singen“. Wie soll sich der normale Bürger da orientieren und wie mit der Fülle an widersprüchlichen Informationen umgehen? Generell empfiehlt sich hier die Forderung nach Beweisumkehr, so wie sie die Bundesfinanzverwaltung praktiziert. Mit anderen Worten: Wenn die Ungereimtheiten ins Absurde gehen, darf man erwarten, dass die Akten auf den Tisch gelegt werden. Bleibt dies aus, ist die Verschwörungstheorie offenkundig keine Theorie mehr. 

Die Autoren Patrik Baab und Robert E. Harkavy haben zu dieser Thematik mit ihrem Buch „Im Spinnennetz der Geheimdienste. Warum wurden Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet?“ einen Wegweiser geschrieben, der es in sich hat. Wobei bereits das Sichten des Materials und das Aussondern der Desinformationen im Vorfeld zu den genannten Beispielfällen eine Sisyphusarbeit darstellt, die Bewunderung verdient. 

Fangen wir mit Colby an, dem ehemaligen CIA-Chef, der beileibe kein Chorknabe und in verschiedenen robusten Missionen involviert war. So hatte er im Laufe seines Berufslebens in Schweden die NATO Stay-behind-Armee („Gladio“) aufgebaut und war Justitiar bei der Nugan Hand Bank, einer Geldwaschanlage der CIA in Australien. Das Vergehen, das sein Schicksal schließlich besiegelte: In den Augen entscheidender CIA-Kollegen hatte er vor den Church- und Pike- Untersuchungsausschüssen zu viel  Einsicht gezeigt und Unbotmäßiges ausgesagt. Womöglich war nach seiner Pensionierung noch Schlimmes zu befürchten, gar Memoiren? Immerhin war er Katholik. Colby war für die eigenen Leute zum Feind geworden. 

Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme überspannte den Bogen, als er versuchte, beim außenpolitischen Poker zwischen schwedischem Waffenhandel, Stay-Behind-Kooperationen und Iran-Contra-Verwicklung sowie dem Lavieren zwischen den Fronten Israel, der  Stasi und Südafrikas dem skandinavischen Land im Kalten Krieg politischen Spielraum zu erschließen, den die Supermacht USA nicht zulassen wollte und konnte. 

Barschel schließlich, der ein  Doppelleben führte, das ihn unter anderem häufig in die DDR reisen ließ, scheint bereits als Student in den USA von der CIA rekrutiert worden zu sein. Ob aus brennendem Ehrgeiz oder anderen Gründen, bleibt unklar. Als er nach seinem falschen Ehrenwort politisch untragbar geworden war und ein neues Leben in Kanada plante, versuchte er offenbar, um sich finanziellen Spielraum zu verschaffen, das sprichwörtliche ganz große Rad zu drehen und, drohte, seine Kenntnisse auffliegen zu lassen. Jahrelanger Medikamenten-Missbrauch ließ ihn zudem unberechenbar werden. Für die Dienste, „befreundet” oder nicht, war auch er zum Risiko geworden. 

Die Autoren haben mit ihrem Buch eine informative Studie vorgelegt, die rundum zu empfehlen ist. Eine Anmerkung am Rande: Der Schulsprecher Uwe Barschel, der Großadmiral Dönitz seinerzeit zu einem Vortrag eingeladen hatte, bewirkte keineswegs den Tod des Rektors, wie Baab eine Journalisten-Stimme zitiert: „Als dies bekannt wurde, nahm sich der Schulleiter das Leben“. Treffend müsste es vielmehr heißen, dieser wählte den Tod, nachdem die losgetretene Medien-Kampagne gegen ihn immer weitere Kreise gezogen hatte. Dazu brauchte es nicht einmal eines Dienstes. Die Bundesrepublik von ihrer hässlichen Seite.

Patrik Baab, Robert E. Harkavy: „Im Spinnennetz der Geheimdienste. Warum wurden Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet?“, Westend Verlag 2017, gebunden, 384 Seiten, 24 Euro