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16.02.18 / Nicht wählerisch / Türkeis Armee bekämpft die Kurden gemeinsam mit Dschihadisten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-18 vom 16. Februar 2018

Nicht wählerisch
Türkeis Armee bekämpft die Kurden gemeinsam mit Dschihadisten
Bodo Bost

Als die Bodenoffensive der türkischen Armee in Afrin begann, zeigte das türkische Staatsfernsehen Bilder von Freiwilligenverbänden, die vorwiegend aus Vollbartträgern bestanden, die unter den Augen der Türken in das Gebiet eindrangen. Bei diesen Freiwilligen kann es sich nur um radikale Moslems handeln. Die Vollbärte als Zeichen der Nachahmung des Propheten, sind ein klares Indiz dafür, dass hier Gotteskrieger im Dienste des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Werke sind. Erdogan scheut sich nicht, radikale muslimische Gruppen zu benutzen, um die Kurdenherrschaft in Afrin zu eliminieren. 

Die Türkei hatte bereits 2011 ihre Grenze für radikale islamische Kämpfer geöffnet, sonst hätte sich der Islamische Staat (IS) nie über die Türkei Zehntausende ausländischer Kämpfer aus aller Welt in sein Gebiet einschleusen und sich so weit und so planmäßig in Syrien ausdehnen können. Erdogan erlaubte nicht nur al-Kaida, sich entlang der türkischen Grenze zu Idlib auszudehnen, sondern er hat seine Invasion in Afrin auch mit al-Kaida koordiniert. Erdogan kämpft nicht gegen al-Kaida, er arbeitet mit al-Kaida zusammen. 

Dennoch kommen die türkische Armee und die sie unterstützenden radikalen Moslems der Freien Syrischen Armee (FSA) nur sehr langsam voran gegen den erbitterten Widerstand der kurdischen YPG-Kämpfer voran. In sechs Tagen konnten sie nur zwei Dörfer erobern sowie Teile von fünf weiteren Dörfern. Verglichen mit der Anzahl und Intensität ihrer Luftschläge und ihren Ansagen am Anfang der Operation Olivenzweig ist dies sehr wenig. Bislang haben Türken und radikale Moslems die türkische Grenze zu Afrin kaum überschritten. Bisher gibt es nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London 133 Tote: 47 kurdische Kämpfer, 51 von der FSA und vier türkische Soldaten. Dazu kommen etwa 50 tote Zivilisten durch türkisches Feuer und zwei durch kurdischen Beschuss.

Laut Mitgliederm der Londoner Beobachtungsstelle soll die Türkei etwa 10000 syrische radikale Moslems mobilisiert haben, um Afrin zu stürmen. Einige davon sind stationiert in Azaz am östlichen Rand von Afrin und andere südlich in Atmeh. Diesen gegenüber stehen schät­zungs­weise 8000 bis 10000 kurdische YPG-Kämpfer in der Enklave. In Afrin gibt es etwa 1,1 Millionen Zivilisten: 600000 Kurden, davon 10000 Jesiden, und 500000 arabische Binnenflüchtlinge aus anderen Teilen Syriens. Afrin war bis zur Offensive Erdogans eine der letzten vom Krieg verschonten Regionen Syriens. 

Die FSA hatte 2011 den syrischen Bürgerkrieg mit einem Aufstand gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad begonnen. Zum Beginn der Afrin-Offensive haben die FSA starke Kampfgruppen aus den umkämpften Gebieten in Idlib abgezogen, um nun gegen die Kurden zu kämpfen. Schon längst hat die FSA sich zum Erfüllungsgehilfen des türkischen Präsidenten gemacht. Sie haben weder gegen den IS noch gegen das Regime in Deir al-Sor gekämpft, aber beteiligen sich jetzt am Angriff gegen die Kurden. Letztere werden bis zum Ende kämpfen. Eine Alternative sehen sie nicht.