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16.02.18 / Gemischte Bilanz / Deutscher Maschinenbauverband legt Zahlen für 2017 vor

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-18 vom 16. Februar 2018

Gemischte Bilanz
Deutscher Maschinenbauverband legt Zahlen für 2017 vor
Peter Entinger

Der Maschinenbau gilt traditionell als Herzstück der deutschen Wirtschaft. Nach einigen Schwierigkeiten zeigt die Konjunkturkurve wieder nach oben. Dennoch gibt es auch Grund zur Sorge. 

Im Geschäftsjahr 2017 gingen preisbereinigt acht Prozent mehr Bestellungen bei der exportorientierten Industrie ein als im Jahr zuvor. Die Aufträge aus dem Ausland legten kräftig um ein Zehntel zu. Im Inland war der Zuwachs mit fünf Prozent halb so stark. Dies geht aus Zahlen hervor, die der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in der vergangenen Woche präsentiert hat. 

Zuvor hatten fast fünf Jahre lang eine schwächelnde Weltwirtschaft und politische Unsicherheiten die Geschäfte belastet. Der jetzige Anstieg sei angesichts der Kapazitätsauslastung der deutschen Industriekunden „längst überfällig, aber zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit auch dringend notwendig“, so der VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. 

Verbandsgeschäftsführer Thilo Brodtmann warnt angesichts eines sich veränderten politischen Klimas in England oder den USA vor „neuen Handelsschranken“, die dem deutschen Export schaden könnten. „Wir müssen alles dafür tun, damit es nicht zu einer Spirale des Protektionismus kommt“, sagt er. Für die deutschen Maschinenbauer sind die USA traditionell der wichtigste Einzelexportmarkt. 

Allerdings biete eine veränderte politische Lage auch neue Chancen, heißt es innerhalb des Interessenverbandes. So sehen die Maschinenbauer trotz protektionistischer Tendenzen in den USA und der ergebnislosen Welthandelskonferenz weiterhin große Chancen für den Freihandel. „Tatsächlich brachte 2017, ausgehend von der Europäischen Union, auch sehr viele positive Entwicklungen“, sagt Ulrich Ackermann, Leiter Außenwirtschaft des VDMA. Als Beispiele nennt er das geplante Freihandels- und Investitionsschutzabkommen der EU mit Japan (JEFTA), den vorläufig in Kraft getretenen Handels­pakt mit Kanada (CETA) und die kurz vor dem Abschluss stehende Modernisierung des Abkommens mit Mexiko. „Dass plötzlich auch die Verhandlungen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur Fahrt aufgenommen haben, ist ebenfalls kein Zufall und hat mit den USA zu tun. Die Länder sehen sich nach Alternativen um“, sagt Ackermann. Europa könne so seine Reputation in anderen Regionen ausbauen.

Im Hinblick auf die mögliche Wie­derauflage der Großen Koalition herrscht laut Wiechers in den Reihen der Maschinenbauer nicht nur Zuversicht: „Die künftige Bun­desregierung ist gefordert, mit Hilfe einer wachstumsfreundlichen Politik dafür zu sorgen, dass sich Deutschland seine Zukunft nicht we­gen zu geringer Investitionen verbaut.“ Im Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie sieht der Verband eine schwere Belastung für viele Betriebe. Die Entgelterhöhung um 4,3 Prozent sei für viele Maschinenbauer nicht leicht zu schultern, so der Regional-Geschäftsführer Dietrich Birk. 

Allenthalben beklagt wird ein Fachkräftemangel. „Die anhaltend hohe Nachfrage nach technischen Fachkräften, IT-Spezialisten oder Ingenieuren führt für unsere Unternehmen immer häufiger zu Engpässen in der Mitarbeitersuche“, so der VDMA-Chef Martin Welcker. Ende 2017 gab es nach Schätzungen des Verbandes insgesamt 27000 offene Stellen im Maschinenbau.