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16.02.18 / WM ohne Königsberger Schloss / Gouverneur Anton Alichanow hat Wiederaufbaupläne auf Eis gelegt – Besichtigung der Keller möglich

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-18 vom 16. Februar 2018

WM ohne Königsberger Schloss
Gouverneur Anton Alichanow hat Wiederaufbaupläne auf Eis gelegt – Besichtigung der Keller möglich
J. Tschernyschew

Kaum ein Thema wurde so langlebig und unerschöpflich diskutiert  wie der geplante Wiederaufbau des Königsberger Schlosses. Bis 2018 sollte der Westflügel wieder stehen, doch daraus wurde nichts.

Seit der Post-Perestrojka hat es in Königsberg unzählige Work-shops, Architekturwettbewerbe, Seminare und Konferenzen gegeben, es wurden zahllose Arbeitsgruppen gebildet, das Büro „Herz der Stadt“ wurde eröffnet und wieder geschlossen, es gab eine Menge Erklärungen hochgestellter Beamter und Politiker. Das einzige, was tatsächlich in dieser ganzen Zeit stattgefunden hat, sind archäologische Ausgrabungen an der Stelle des ehemaligen Schlosses.

Das lohnt einen Blick zurück, darauf, wie bei den bisherigen Ausgrabungen vorgegangen wurde und wer daran beteiligt war. Die wichtigste Frage bleibt indes, welches Schicksal den Ausgrabungsort zukünftig erwartet.

Von 2001 bis 2007 hatte das deutsche Nachrichtenmagazin „Spiegel“ die Ausgrabungen an verschiedenen Stellen finanziert, an denen einst das Schloss gestanden hat. Die Arbeiten wurden mit Beteiligung des Instituts für Archäologie der Russischen Akademie der Wissenschaften und des Museums für Geschichte und Kunst der Stadt durchgeführt. 2001 hatte sich der „Spiegel“ die Genehmigung des damaligen Gouverneurs, Wladimir Jegorow, eingeholt, die verschiedenen Versionen über den Verbleib des Bernsteinzimmers zu überprüfen. Die Königsberger Archäologen hofften indes, Reste der „Prussia-Sammlung“ zu finden. Ab 1925 hatte sich nämlich im Südteil des Schlosses eine der größten archäologischen Sammlungen Europas befunden. Von 2002 bis 2005 erfolgten Ausgrabungen im Westflügel. Besucher hatten zu dieser Zeit die Möglichkeit, die Arbeiten von einer Plattform aus zu verfolgen. Die Hoffnungen, Exponate der „Prussia-Sammlung“ des Museums zu finden, erfüllten sich. Die Archäologen entdeckten Kanonenkugeln, Speerspitzen, Schwerterfragmente und eine große Anzahl von Details des Interieurs, darunter aus dem Rittersaal den „Orden des Schwarzen Adlers“. Im Südflügel fanden die Archäologen viele Architektur-Fragmente des Schlosses. Die „Prussia-Sammlung“ ist heute im Königsberger Museum für Geschichte und Kunst zu sehen.

2005 sagte der „Spiegel“ weitere Mittel für die Ausgrabungen zu, und so konnten im südöstlichen Teil des Schlosses weitere wertvolle Artefakte gesichert werden. Nach einiger Zeit wechselte die Leitung des „Spiegel“, und 2008 wurde die finanzielle Beteiligung gekappt. Seitdem finden an der Ausgrabungsstelle nur noch sporadisch Arbeiten statt. Das Regionalministerium für Kultur stellte regelmäßig Mittel für den Schutz des Gebiets um den ausgegrabenen Westflügel und die Reparatur der Überdachung zur Verfügung.

Jedes Jahr im Frühling, wenn in Königsberg die „Museumsnacht“ stattfindet, wird das Wasser aus den ausgegrabenen Kellern gepumpt, sodass die Gäste das Mauerwerk sehen können.

Im Jahr 2016 haben Mitarbeiter von örtlichen Museen noch einige Arbeiten verrichtet, doch kurz darauf gab es wieder Stillstand. Früher hatte man angenommen, dass nach Abschluss der archäologischen Arbeiten Investoren kommen würden, um den Wiederaufbau des Westflügels zu realisieren. Schließlich hatte die Gebietsregierung angekündigt, dass der Westflügel des Königsberger Schlosses bis 2018 wiederaufgebaut sein würde – der ehemalige Gouverneur Nikolaj Zukanow hatte erklärt, Gespräche mit möglichen Investoren liefen bereits. Noch 2016 sollten die Bauarbeiten beginnen. Passiert ist bisher nichts. Die einzige mit bloßem Auge erkennbare  Veränderung ist die, dass die Holzkonstruktionen des Vordaches verfault sind, das Mauerwerk mit Gras bedeckt ist, und in den ausgegrabenen Kellern das Wasser steht.

Im März 2017 erklärte dann der amtierende Gouverneur Anton Alichanow, dass unter seiner Leitung das Königsberger Schloss nicht wiederaufgebaut werde. Die Ruinen würden lediglich konserviert und das Grundstück in Ordnung gebracht. Offenbar wurde das regionale Ministerium für Tourismus und Kultur angehalten, Führungen im ehemaligen Schloss durchzuführen unter Verwendung von „ergänzender Technik“. Diese Führungen sollen ab Juni 2018 zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft angeboten  werden. Das Königsberger Schloss wird also vermutlich in nächster Zeit nur mittels 3-D-Technik  wiedererstehen. Im Augenblick, da die Ausgrabungsstätte sich in eine Wüste verwandelt hat, auf der Gras wächst und die Ausgrabungsobjekte unter Wasser stehen, gibt es nichts, was man Touristen als Anmutung von der einstigen Größe dieses Bauwerks zeigen könnte. 

Doch bald schon soll hier die Fanzone für die Gäste während der WM entstehen, die der meist besuchte Ort während der Spiele sein wird. Deshalb werden in nächster Zeit die freigelegten Fundamente mit Technik ausgestattet und der Boden und das Ausgrabungsgelände gepflastert.