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16.02.18 / Wunderschöne Pferdepersönlichkeiten / Brigitte Stramm, Kreisvertreterin von Labiau, besuchte den 55. Trakehner Hengstmarkt in Neumünster

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-18 vom 16. Februar 2018

Wunderschöne Pferdepersönlichkeiten
Brigitte Stramm, Kreisvertreterin von Labiau, besuchte den 55. Trakehner Hengstmarkt in Neumünster
Brigitte Stramm

Ganz unter dem Zeichen der doppelten Elchschaufel stand auch der 55. Trakehner Hengstmarkt. Ich hatte das erste Mal die Gelegenheit, daran teilzunehmen. Mein Eindruck: Diese Pferde, die einen Mythos verkörpern, nun in Vielzahl bei unterschiedlichen Vorführungen mit der gesamten Bandbreite ihres Könnens erleben zu können, ließen Spannung aufkommen. Schon beim Betreten der Halle am Sonnabend schlug mir der typische Stallgeruch entgegen, obwohl die Vierbeiner gar nicht in Sichtweite waren. 

Zunächst war alles ausgestellt und angeboten, was mit Pferden zu tun hat. Es gab Anhänger und geeignete Zugfahrzeugen, Reitausrüstung, Kleidung, Pferdefutter und vieles mehr. Nicht fehlen durfte natürlich ein Informationsstand des Trakehner-Verbandes. Er bot diverse Publikationen über das legendäre ostpreußische Trakehnen an, dazu Stutbücher, Kleidung mit dem Brandzeichen und kleine Geschenkartikel.

Doch jetzt wollte ich die Pferde sehen. In eine Stallgasse durfte man hinein. Zuerst allerdings noch ein Hinweis: Diesen Artikel schreibt keine Pferdekennerin, sondern eine Liebhaberin dieser Tiere, die um die Besonderheit des Gestüts in Ostpreußen aber auch um die Leistung der Pferd im Krieg und auf der Flucht weiß. Als ich sie in den Boxen stehen sah, blank gestriegelt, die Mähnen geflochten, mit einem wunderbar harmonischen Körperbau und dann noch sah, dass eines der Pferde den Namen Königsberg trug, war ich zu Tränen gerührt. Ich stellte mir vor, dass sie eigentlich über weite, saftige Wiesen und Paddocks in Ostpreußen laufen müssten ...

In der großen Halle sollten am Sonnabend gleich die Vorführungen starten und ich nahm meinen Platz ein. Zunächst stand die Körung der Hengste an. Die Tiere wurden einzeln vorgestellt und jeder Hengst bewegte sich absolut königlich. Die Abstammung ist bei der Körung be­deutend, so war es kein Wunder, dass der Hengst Kaiser Milton als Sieger der diesjährigen Körung hervorging. Sein Vater ist der berühmte Vererber Millennium, seine Mutter die preisgekrönte Stute Kaiser‘s Els. Kaiser Milton sollte noch für eine Überraschung sorgen. Im Katalog war vermerkt: Der Hengst kommt nur zur Körung, nicht zum Verkauf. Doch das sollte sich am Sonntag ändern.

Alle gekörten, aber auch die nicht gekörten Tiere kann man als wunderschöne Pferdepersönlichkeiten ansehen. Mir wäre es sehr schwer gefallen, eine Bewertung abzugeben. Was mir bei den Tieren, die als Reitpferde präsentiert wurden, auffiel, war die absolute Einheit von Ross und Reiter. Faszinierend waren auch die unglaublich harmonischen Bewegungsabläufe.

Man muss die wunderbare Eleganz – das gilt auch für die Vorführungen der Stuten mit ihren Fohlen – gesehen haben. Alles war unvergleichlich schön und harmonisch anzusehen. Was mir besonders gefiel, war die Art, wie die Pferde mit den Menschen, aber auch umgekehrt die Reiter mit den Pferden umgingen. Einfach großartig

Der Höhepunkt am Abend war die Galashow. Das war ein Feuerwerk von Darbietungen unterschiedlichster Art. Trakehner und ihre Reiter zeigten ihr Können, begleitet von Musik, zu deren wechselndem Takt sich Pferde und Reiter bewegten. Wir sahen auch Millennium, den Elitehengst und eine Herde weißer Araberpferde des baden-württembergischen Gestüts Marbach, dem ältesten staatlichen Gestüt Deutschlands. Begleitet von einem Reiter zeigte sich die unbändige, lebenssprühende Schönheit dieser Pferde. Denen machte der freie Lauf in der Halle so viel Freude, dass sie sich zum Ende ihrer Vorstellung gar nicht einfangen lassen wollten. 

Eine Show mit dressierten Ziegen, Hütehunden und Pferden war ebenfalls erstaunlich. In einer Übung sprangen die Ziegen über Pferde, die sich vorher auf Kommando hingelegt hatten. Das Gestüt Ganschow aus Mecklenburg zeigte zwei vierspännige Wagen, einmal mit Trakehnern, einmal mit Ponys, die in wilder Fahrt durch die Halle preschten. Eine rasante Fahrt, die sicher sehr viel Können der Kutschenführer erforderte. Den stimmungsvollen Abschluss bildeten die Trakehner Jungzüchter, die mit brennenden Fackeln einmarschierten. Sie berichteten von ihrer Reise nach Ostpreußen. Trakehnen, Georgenburg und andere geschichtsträchtige Orte zu sehen, war ein lang gehegter Traum, der durch Sponsoren Wirklichkeit geworden war. Die Jungzüchter stellten sich schließlich im Kreis auf. Abschließend wurde das „Land der dunklen Wälder“ gespielt. Dieser besonderen Stimmung konnte sich kaum jemand entziehen. Ein wunderbarer Tag ging zu Ende. Für die Aktiven gab es jetzt noch eine After-Show-Party.

Am Sonntag konnte ich dann noch die Auktionen beobachten. Sogar ein Embryo-Fohlen, das 2018 zur Welt kommen wird, wurde versteigert. Immer wieder hieß es bei Prämienhengsten, Zuchtstuten und vielen anderen Verkaufspferden zum Ersten, zum zweiten .... bis der Zuschlag kam. Es kam, zur Überraschung aller, der gekörte Siegerhengst Kaiser Milton doch zur Versteigerung. Für den atemberaubenden Preis von 320000 Euro wechselte er den Besitzer. Künftig wird er auf dem Gestüt Klosterhof Medingen in der Lüneburger Heide seinen Platz haben. Voller Stolz präsentiert das Gestüt ihn auf seiner Internetseite. Da heißt es: „Der Siegerhengst der Trakehner Körung hat seine Box auf dem Klosterhof Medingen bezogen. Der Millennium-Van Deyk Sohn ist vom Habitus ein echter Trakehner: wunderschön mit edelster Ausstrahlung überzeugt er in allen drei Grundgangarten mit spektakulärem Bewegungsablauf, Schwung und Elastizität. Wir freuen uns sehr über diesen herausragenden Neuzugang.“

Man konnte bei allen anwesenden Käufern große Freude beobachten. Sie jubelten auf, wenn der Zuschlag kam. Im Stillen wünschte ich jedem versteigerten Pferd einen ganz tollen neuen Platz und gab ihm in Gedanken alle guten Wünsche mit auf den Weg. Einen neuen Besitzer fanden insgesamt elf gekörte Hengste, zehn nicht gekörte Hengste, acht Reitpferde, 16 Fohlen und sieben Stuten. Geboten wurde in der Halle direkt, aber auch per Telefon. Insgesamt erbrachten die Versteigerungen mehr als eine Million Euro.

Für mich ergab sich noch die Frage nach dem Brand mit den Elchschaufeln auf dem Schenkel der Pferde. Darum hatte es ja in der Vergangenheit eine Diskussion gegeben. Dazu wurde mir erklärt: „Der Heißbrand in seiner jetzigen Form ist bis Ende 2018 erlaubt. Danach gibt es noch Klärungsbedarf. Zielvorgabe aus der letzten Verabschiedung der Tierschutznovelle ist es, eine Kennzeichnung durch einen Heißbrand nur noch mit örtlicher Betäubung durchführen. Verschiedene Betäubungsverfahren werden zurzeit in analysiert.“

Ersetzt werden soll der Brand langfristig durch einen eingepflanzten Mikrochip, der meiner Meinung nach für ein Tier aber gefährlicher ist. Während das Brennen für das Pferd nur einen kurzen, momentanen Schreck bedeutet, kann der Chip im Körpern wandern. Diese Gefahr besteht ein Leben lang. Es wird hoffentlich eine gute Lösung gefunden. Denn die Elchschaufel gehört zum Trakehner als sichtbares Zeichen dazu.

Für mich ging jetzt ein ereignisreiches Wochenende zu Ende. 

Aufregende Tage voller wunderbarer Eindrücke, die die Vielseitigkeit „unserer“ Trakehner zeigten. Bedanken möchte ich mich bei Detlef Thun vom Trakehner Verband, der mir wertvolle Informationen geschickt hat. Schließen möchte ich mit dem Wahlspruch des Trakehner-Verbandes: „Der Tradition verbunden. Die Zukunft im Blick.“