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16.02.18 / Verspätete Heiterkeit / Wenn Aschermittwoch längst vorbei ist, fängt am Rheinknie die Basler Fasnacht an – Sie ist jetzt immaterielles UNESCO-Welterbe

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-18 vom 16. Februar 2018

Verspätete Heiterkeit
Wenn Aschermittwoch längst vorbei ist, fängt am Rheinknie die Basler Fasnacht an – Sie ist jetzt immaterielles UNESCO-Welterbe
Andreas Guballa

Ritterschlag für die „Basler Fasnacht“. Das Alemannische Traditionsfest gehört seit Dezember 2017 offiziell zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. 

Seit alters her gilt die Basler Fasnacht als größtes Open-Air-Spektakel im gesamten alemannischen Kulturraum. Jetzt hat auch die UNESCO die Fasnachtstradition der Stadt gewürdigt und sie auf die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit gesetzt – als zweite Schweizer Tradition nach dem Winzerfest „Fête des Vignerons“ in Vevey. Die Liste umfasst kulturelle Ausdrucksformen wie Tanz, Theater und Musik sowie mündliche Überlieferungen, Bräuche und Handwerkskünste. 

Die Basler Fasnacht gehört zur Identität der Stadt – sie gilt als Herzstück ihrer kulturellen Schaffenskraft und ermöglicht drei Tage Ausnahmezustand. Im­mer genau 40 Tage vor Ostern be­ginnt sie am Montag nach Aschermittwoch um vier Uhr morgens mit dem „Morgestraich“, dauert exakt 72 Stunden und endet am Donnerstagmorgen wiederum um vier Uhr mit dem „Endstraich“. 

In diesem Jahr steht sie vom 

19. bis 21. Februar unter dem Motto „D Boscht goot ab“ („Die Post geht ab“). Das Motto widmet sich der urschweizerischen Institution und ihrer Veränderung und Modernisierung. Ein Thema, das nicht nur die Menschen in Basel, sondern in der ganzen Schweiz beschäftigt. Grund genug, der Post und den kontroversen Dis­kussionen rund um diese Institution eine Plakette zu widmen, befand das Fasnachts-Comité. In einem anonymen Verfahren wurde im August 2017 der Plakettenentwurf der Basler Fotografin, Retuscheurin und Laternenmalerin Clelia Zoller ausgewählt. Es gehört zum guten Ton als Besucher, eine der jährlich wechselnden Plaketten zu erwerben und zur Finanzierung der Gruppenumzüge beizutragen.

Wer bei Fasnacht an johlende Meuten und Saufgelage denkt, hat nicht die Basler Fasnacht vor Augen. Die „drey scheenschte dääg im Johr“ werden gediegen gefeiert. Fasnächtler in traditionellen Kostümen – teils entstammen sie der italienischen Commedia dell’arte, während andere auf lokale Gegebenheiten zurück­zuführen sind –, Trommler, Piccolospieler und Laternenträger ziehen in ihren Cliquen vor den Zuschauermassen durch die Gassen der Innenstadt, Kneipen und Geschäfte. 

Aber Vorsicht: In Basel herrschen strenge Benimmregeln! Die wichtigste lautet: „Nur die aktiven Fasnächtlerinnen und Fasnächtler tragen ein Kostüm, Zuschauer bleiben in Zivil“, erläutert der Brauchtums-Kenner Christian Rieder und erklärt kurz und knapp: „keine geschminkten Ge­sichter, keine Pappnasen und Narrenkappen!“ Jedenfalls nicht für erwachsene Zuschauer. 

Das ist freilich nicht der einzige Unterschied zum Karneval. „Man besäuft sich nicht, und man schunkelt und grölt auch nicht“, sagt Rieder. Soweit der Anspruch. Die Realität sieht ein klein wenig anders aus. 

Denn fröhlich gefeiert und ge­bechert wird auch in Basel. „Bermuda-Dreieck“ nennt der Volksmund das Gebiet rings um die Schneidergasse – ungefähr zwischen Restaurant „Gifthüttli“ und dem „Chateau Lapin“ –, weil dort schon so mancher Fasnachts-Zecher für einige Zeit verschwunden sein soll. Dennoch: Anders als bei mancher Faschingsparty weiter nördlich der Grenze trifft man in Basel so gut wie nirgends auf Schnapsleichen. Jeder scheint sein Maß zu kennen. Fröhlichkeit ohne Peinlichkeit: In Basel geht das. Somit sind die tollen Tage auch bestens für Kinder geeignet – vor allem der Fasnachtsdienstag mit der großen Laternen-, Wagen- und Requisitenausstellung.

Wer sich beim Fasnachtsausflug nach Basel nicht gleich als Neuling zeigen will, kann am Sonntag vor dem „Morgenstraich“ an ei­nem Einführungsstadtrundgang mit Experten teilnehmen. Organisiert werden die Touren von Basel Tourismus. Dabei erfährt man auch vieles über die Geschichte der Fasnacht. Sie geht auf heidnische, vermutlich keltische und germanische Ursprünge zurück. 

Der ganz eigene Fasnachts-Klang der Metropole am Rheinknie hat viel mit dem Aufenthalt ausländischer Truppen in früheren Jahrhunderten zu tun. „Die Herkunft der Trommelmärsche sind bei der Signal- und Marschmusik des Militärs zu verorten“, erzählt Rieder. Napoleons Begeisterung für Trommeln lässt grüßen. „Einer seiner Militär-Tambouren war Johannes Bühler aus Wattwil, der sich 1815 in Basel niederließ“, erläutert Rieder, „er veröffentlichte 1819 eine Tambour- und Pfeiferordonnanz für eidgenössische Truppen, ein Lehrbuch, welche das Basler Trommeln bis heute prägt.“

Bei so starken historischen Wurzeln und ausgeprägtem Brauchtum ist es kein Wunder, dass die Eidgenossen stolz sind, die Basler Fasnacht als Schweizer Tradition nun auf der Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO wiederzufinden. Die Basler Fasnacht sei eine äußerst vielfältige und lebendige Tradition, die Musik, mündliche Ausdrucksformen und Handwerk vereine. Mit jährlich fast 20000 Teilnehmern und über 200000 Besuchern sei sie ein bedeutendes kulturelles Ereignis für die Basler Bevölkerung. 

Schon beim „Morgestraich“, dem Umzug mit bemalten Laternen in der abgedunkelten Innenstadt, ist die ganze Stadt wach. Noch mehr Menschen sind beim traditionellen Abschluss auf den Beinen, wenn bei Sonnenaufgang mit Mehlsuppe sowie Zwiebel- und Käsekuchen, dem Dreigestirn der Basler Fasnacht, gefrühstückt wird.


Info: www.basel.com/de/basler-fasnacht