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23.02.18 / Frei gedacht / Letzte Denker der alten Garde

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 08-18 vom 23. Februar 2018

Frei gedacht
Letzte Denker der alten Garde
Eva Herman

Gerade lese ich, dass an immer mehr englischen und amerikanischen Schulen der Begriff „bester Freund“ abgeschafft wird. Der Grund: Jene Kinder, die keinen besten Freund hätten, seien benachteiligt, diskriminiert sozusagen. So formulieren es die zitierten ausländischen Psycholog/innen. In unseren deutschen Medien, in den Mainstream-Feuilletons, lese und höre ich herzlich wenig bis gar nichts über diesen Irrsinn, wahrscheinlich sind wir auch bald dran. Dabei wäre dies doch ein passendes Thema für all jene Leute, die man bislang als Denker bezeichnet hatte. Wo sind die eigentlich geblieben? 

Letzte Woche sah ich einen NDR-Beitrag im Internet. Überschrift: „Völkische Familien aktiver als angenommen.“ Der emsige Reporter, der Björn Ahrendt heißt, erklärte ARD-gerecht, was er unter dem Begriff „völkische Familien“ versteht: „Sie sind traditionell gekleidet, gehen handfesten Berufen nach und veranstalten Brauchtumsfeiern auf ihren Höfen.“ Schon vor mehreren Jahrzehnten hätten sich verdächtige Familien mit einem völkisch-nationalen Weltbild in Niedersachsen niedergelassen. Auch der Verfassungsschutz wisse Bescheid über diese „Szene, die lange als zurückgezogen, unauffällig und abgeschottet galt“. 

Und? Wo bleibt spätestens jetzt eine angemessene Reaktion? Welcher intellektuelle, wenigstens philosophische Denker (die meisten politischen Journalisten haben das Selbstdenken schon längst aufgegeben) nimmt sich des Themas an, welches doch eine weitere handfeste Charakterwäsche darstellt, die dem Volk bevorsteht? Erhebt irgendjemand Schlaues seine Stimme und weist auf die immensen Gefahren hin, in die unsere Gesellschaft durch politisch korrekte Wertevernichter hineinschlittert? Besagter NDR-Journalist geht noch tiefer ins Detail: „In ihren Dörfern agieren die Familien mit völkischem Weltbild in der Regel unauffällig. Viele arbeiten im Gartenbau, als Zimmerleute oder in der Landwirtschaft.“ Unfassbar! Der (noch) mit hohen Zwangsgebühren finanzierte ARD-Sender führt offenbar seinen letzten Kampf gegen die Überbleibsel deutscher Kultur und Tradition, doch immer noch will niemand dies bemerken. Oder traut man sich nicht mehr? Ist wirklich kein Denker da, der die verheerenden Zusammenhänge erklärt, auch die unheilvolle Wegrichtung, welche jetzt rasant steil ab führt? Ja, es ist gefährlich geworden, selbst zu denken und seine Analysen offen auszusprechen. Da gibt es schnell Angriffe unterschiedlichster Art wie Rufmord, Diffamierung, Denunziation, um das zu verhindern. Denn am Ende könnte es ja doch auffliegen, dass unser System nur noch auf morschen Holzresten steht und bereits bei jedem Lüftchen kräftig schaukelt. 

Jene, die einst als sogenannte Intellektuelle, als die Denker eben, galten, ziehen sich mehr und mehr zurück. Das ist ein klares Zeichen für den Absturz einer Gesellschaft. Bloß nicht mehr auffallen, nichts Falsches sagen. Denn sonst ergeht es einem vielleicht wie jener mutigen Mutter aus Hamburg, die sich vor Kurzem mit einem Schild in die Öffentlichkeit begeben hatte, auf welchem die Forderung geschrieben stand: „Merkel muss weg!“ Da sich recht schnell Sympathisanten für diese wirklich nicht unrichtige Idee fanden, wurde aus diesem Einzel-Auftritt bald eine kleine Bewegung, schließlich meldete die Dame ihre erste Demo an. Doch der Anti-Merkel-Kurs sollte ihr schlecht bekommen, die sogenannte Antifa nahm sich gleich das Haus, den Garten und die Autos der Familie vor: Verunglimpfungen, Farbanschläge Schmierereien, Zerstörung bis hin zur Hinnahme von Körperverletzungen der Kinder standen auf dem Gegenprogramm. Fazit: Die Hamburgerin erklärte ganz schnell ihren Rücktritt aus dem Widerstand, sie hatte Angst um Leib und Leben der Familie. 

Ja, liebe Landsleute, die Zeit läuft, und die Geschehnisse nehmen Formen an. Die dem Mainstream angehörenden Warner und Mahner sind müde geworden, sie haben aufgegeben, viel zu gefährlich, das Terrain. Nur bei den alternativen Medien trauen sich noch einige Denker, ihre Stimme zu erheben, wie Ex-„Focus“-Journalist Michael Klonovsky. Oder Ex-„Spiegel“-Redakteur Matthias Matussek. Oder Ex-Unternehmer Andreas Popp, sowie Noch-„Welt“-Kolumnist Henryk M. Broder. Oder der Philosoph und Naturwissenschaftler Jürgen Fritz. Wie am Ende schließlich noch der mutige und kluge Historiker Rolf Peter Sieferle, der nach seinem mit außergewöhnlichen Erkenntnissen gesegneten Aufreger-Buch „Finis Germania“ schließlich freiwillig das Zeitliche segnete. Das war es dann aber auch fast schon. 

Jede Zeit hat ihre Denker. Sie sind enorm wichtig für eine jede funktionierende Gesellschaft, denn sie nehmen nur wenig Rücksicht auf stromlinienförmige Ansichten anderer Leute, welche sich halbblind durch die herrschenden politischen Systeme hindurch manipulieren lassen. Die wahre Stärke der Denker entspringt dem eigenen kritischen Blick und einer gesunden Portion Urteilsfähigkeit, die, gepaart mit Geist, Mut und Courage, das wahre Heldentum einer jeden Epoche ausmachen. Manche sind derart tapfer, dass sie im Kampf für die Wahrheit selbst den Tod nicht fürchten. In früherer Zeit hätte man wohl das Substantiv Kühnheit benutzt, um solche Menschen angemessen zu verorten. Doch wer kennt diesen Begriff heute noch? Denker bilden vor allem den Urgrund für das Vertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit all jener Bürger, die ebenso noch bereit sind, über den politisch korrekten Tellerrand hinauszuschauen. Diese benötigen den Einfluss der Denker unbedingt und dringend, um ihre Ansichten, die nicht selten argwöhnisch von der breiten Masse beäugt werden, gespiegelt und damit legalisiert zu sehen: Das eigene Denken, welches vielleicht aus eigener Kraft heraus noch nicht klar strukturiert werden konnte, erhält durch die mutigen Vor-Denker schließlich eine feste Form. Und man steht am Ende nicht ganz alleine da mit seiner Meinung, was doch viel Tröstendes im anstrengend gewordenen Alltag hat. Es ist eine Art vitalisierender Stärkebeleihung auch geistiger Art, welche von den wahren Denkern ausgeht, Medizin für notleidende Seelen, Balsam für ein jedes Volk, welches sich im letzten Niedergang befindet. 

Jedes Volk hat seine Denker. Im Laufe der zurückliegenden Jahre suchte ich verzweifelt nach ihnen. Wo sind sie geblieben, deren Uraufgabe es seit Platon und Aristoteles ist, den unübersehbaren Verfall einer Gesellschaft klar zu analysieren und mutig auszusprechen. Denker, die durch kühne Angriffslust die herrschenden Missstände benennen, die durch edle Wortgewandtheit und kluge Argumentation, mit seherischer Weitsicht, breit gezogenem Weitwinkel sowie unverbiegbarem Rückgrat das scharfe Schwert der Wahrheit sinngebend geführt hätten. Sind die genannten Namen Broder, Matussek, Popp, Klonovsky oder Fritz die letzten der alten Garde? Wenn ihre Stimme verstummt, ist es aus mit Deutschland, das ist gewiss. Die nachfolgenden Generationen werden weder fähig sein zu klarer Analyse, noch werden sie „beste Freunde“ haben oder die Traditionen ihrer Vorfahren pflegen. Sie werden nicht mehr aufmucken, weil sie es nicht mehr dürfen. Dies ist bestürzender Fakt. Es sind nur noch erschreckend wenige, die heute die Zeichen der Zeit verstehen können, welche jetzt wirklich auf Sturm stehen.