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23.02.18 / Zweierlei Maß / Ein polnischer Abgeordneter will zweisprachige Schilder – aber nur in Polen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 08-18 vom 23. Februar 2018

Zweierlei Maß
Ein polnischer Abgeordneter will zweisprachige Schilder – aber nur in Polen
Chris W. Wagner

Ausländische Ortsnamen auf polnischen Wegweisern werden bald auch in Polnisch geschrieben, wenn diese eine polnische Entsprechung haben. So werden künftig Autofahrer, die beispielsweise den neuen Abschnitt der Autobahn A4, die von Görlitz bis zur polnisch-ukrainischen Grenze führt, in Richtung Lemberg nutzen, auf Schildern nicht mehr nur „L‘viv“ für Lemberg lesen, sondern auch „Lwów“. Reisende auf der Umgehungsstraße bei Augustów werden neben „Vilnius“ für Wilna und „Kaunas“ die polnischen Namen „Wilno“ und „Kowno“ entdecken.

Eingesetzt hat sich dafür der Abgeordnete Sylwester Chruszcz. Der im niederschlesischen Glogau geborenen Politiker der Partei Kukiz’15 sagt, er hätte nach Öffnung der A4 im Jahre 2016 viele Eingaben seitens der Vertriebenenverbände von Ostpolen erhalten, in denen das Fehlen polnischer Ortsnamen auf Wegweisern bemängelt wurde.

Im April vergangenen Jahres stellte er einen Gesetzesentwurf im Sejm vor, der die Einführung zweisprachiger Beschilderungen mit der Begründung zum Ziel hatte, dass die polnische Sprache das Hauptelement der nationalen Identität sei und diese im Globalisierungsprozess geschützt werden müsse. „Auch wenn man bei ‚Vilnius‘ relativ leicht auf ‚Wilno‘ kommt, so ist es bei Bautzen schon schwieriger, auf Budziszyn zu kommen“, zitiert ihn die Zeitung „Rzeczpospolita“.

Bei diesem Thema waren sich die Politiker aller Couleurs wie selten einig. „Hier ist Polen, und jedes Land sollte das bewahren, was für das Land wesentlich erscheint“, hieß es aus den Reihen der Polnischen Bauernpartei (Polskie Stronnictwo Ludowe). Zustimmung kam auch aus dem Lager der liberalen-konservativen Bürgerplattform.

Chruszcz misst jedoch mit zweierlei Maß. Der einstige Europaabgeordnete der Liga Polnischer Familien lebt in Stettin, wo er 2015 zum Sejmabgeordneten gewählt wurde. Auf seinen Fahrten nach Brüssel waren ihm Schilder in Deutschland, die in Richtung seiner Heimatstadt Stettin auf Deutsch hinwiesen, ein Dorn im Auge. Damals stellte er eine parlamentarische Anfrage an die EU-Kommission, die Legalität solcher Schilder zu prüfen! Als Antwort erhielt er eine Stellungnahme der EU-Kommission, dass solche Umsetzungen tatsächlich gegen das Wiener Abkommen verstießen. Er erwähnte damals im öffentlichen Diskurs jedoch nicht die polnische Klammerhinzufügung.

Chruszcz sendete die damalige Kommissionsbeurteilung an die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Nun ändert er also seine Taktik und setzte sich beim Warschauer Ministerium für Infrastruktur und Bauwesen durch. Bis zum 1. Januar 2022 sollen alle betreffenden polnischen Ortschilder ausgetauscht werden. Das Portal Mony.pl rechnete vor, dass solch eine Operation etwa 5,5 Millionen Euro verschlingen würde. Michal Beim vom Sobieski-Institut, Experte für Urbanistik und Transportwesen, ist der Ansicht, man müsse nicht gleich alle Schilder austauschen, sondern in erster Linie Beschädigte und solche, die an neugebauten Straßen hinzukommen.

Autofahrer in Polen werden also bald auch Schilder vorfinden, die Praga (Prag), Zytawa (Zittau), Drezno (Dresden) oder Chociebuz (Cottbus) ankündigen.