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23.02.18 / Geglücktes Gesamtkunstwerk zur Berliner Secession

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 08-18 vom 23. Februar 2018

Geglücktes Gesamtkunstwerk zur Berliner Secession
Harald Tews

Vor etwas über 100 Jahren geriet richtig Bewegung in die deutsche Kunstszene. Jugendstilmaler, Impressionisten und Expressionisten setzten sich gegen die etablierte Kunst durch, indem sie sich in eigenen Künstlervereinigungen organisierten und vermarkteten. Neben den Malern der „Brücke“, des „Blauen Reiters“ oder der Wiener Secession waren es besonders jene rund 200 Mitglieder der Berliner Secession, welche der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts ihren Stempel aufdrückten.

Zur Berliner Secession hatten schon Rudolf Pfefferkorn 1972 und Peter Paret 1980 grundlegende Werke verfasst. Allerdings fokussierten sich diese um die wilhelminische Zeit von der Gründung 1899 bis zur Spaltung 1913. Durch Austritte bedeutender Künstler wie Max Liebermann und Max Beck­mann sowie den Beginn des Ersten Weltkriegs verlor die Vereinigung zwar an Bedeutung, blieb aber bis in die NS-Zeit hinein bestehen blieb. Mit ihrem Buch „Die Berliner Secession 1899–1937: Chronik Kontext, Schicksal“ hat die Kunsthistorikerin Anke Matelowski jetzt eine Art Fortsetzung insbesondere zu Parets Standardwerk verfasst. 

Als Mitarbeiterin im Archiv der Berliner Akademie der Künste saß Matelowski an einer wichtigen Quelle: Sie konnte dort für ihr Buch die 1998 entdeckten Protokollbücher der Secession auswerten, die sich im Nachlassteil von Lovis Corinth befanden. Der ostpreußische Maler war von 1915 bis zu seinem Tod 1925 Präsident der Secession. Matelowski schildert eindringlich die Kleinkriege, die im Vorstand um Ausstellungskonzepte und Aufnahme von neuen Mitgliedern ausgetragen wurden. Und sie erklärt, wie die Vereinigung nach 1932 von den neuen Herrschern vereinnahmt wurde, ehe sie 1937 „einfach aufhörte zu existieren“.

Der vorbildlich mit Ge­mäldereproduktion und historischen Aufnahmen bebilderte Band glänzt außerdem mit einem Ser­viceteil, der alle Secessionisten, Standorte mit Grundrissen sowie Kunst-Ausstellungen auflistet. Er ist so informativ wie ein Nachschlagewerk und so abwechslungsreich aufgebaut wie ein Kunstbuch. Chapeau für dieses geglückte Gesamtkunstwerk!

Anke Matelowski: Die Berliner Secession 1899–1937: Chronik, Kontext, Schicksal“, Nimbus Verlag, Wädenswil/Schweiz 2017, gebunden, 672 Seiten, 68 Euro