26.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
06.04.18 / Kim Jong-uns aufstrebende Schwester / Schafft Nordkoreas Diktator es, sie zu seinem Vize aufzubauen, ist die Machtkonzentration perfekt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-18 vom 06. April 2018

Kim Jong-uns aufstrebende Schwester
Schafft Nordkoreas Diktator es, sie zu seinem Vize aufzubauen, ist die Machtkonzentration perfekt
Friedrich-Wilhelm Schlomann

Bescheiden steht sie stets im Hintergrund, höflich und charmant konnte sie bei den Olympischen Spielen manches südkoreanische Herz für sich gewinnen. Nicht die Ehefrau des Diktators, sondern sie, Kim Jong-uns jüngere Schwester Kim Yo-jong, ist heute die mächtigste und einflussreichste Frau im Nordteil Koreas.

Bei den diesjährigen Olympischen Spielen in Südkorea wurde die nordkoreanische Delegation offiziell geleitet von Kim Yong-nam, dem Vorsitzenden des nordkoreanischen Parlaments und damit formal der ranghöchsten Person der Demokratischen Volksrepublik Korea, sowie von Kim Yong-chol, dem früheren Spionagechef des Re­gimes. Das politisch wichtigste Delegationsmitglied war indes Kim Jong-uns jüngere Schwester. Nicht umsonst war sie es, die dem südkoreanischen Präsidenten die Einladung ihres Bruders nach Pjöngjang übermittelte.

Geboren wurde Kim Yo-jong in Nordkoreas Hauptstadt am 1. September 1988. Nachdem schon ihr Bruder bis 1998 unter dem Decknamen „Pak chol“ als angeblicher Sohn des dortigen Botschaftschauffeurs in Gümlingen bei Bern in der Schweiz zur Schule gegangen war, erhielt sie ihre Schulausbildung von 1999 bis 2007 in Hessgut im Bereich der schweizerischen Gemeinde Köniz. 

Ende 2011 tauchte die Schwester wieder in Pjöngjang auf, wo sie mithilfe des Bruders trotz mangelnder Erfahrungen in diesem Bereich sehr bald in leitender Stellung in der Öffentlichkeitsabteilung der Staatspartei arbeitete, um primär die Veranstaltungen ihres Bruders vorzubereiten. Dieser veranlasste 2014 ihre Aufstellung als Kandidatin zu den Wahlen zur Obersten Volksversammlung. Zwei Minuten nach dem Ende der Wahl wurde sie im Staatsfernsehen als Siegerin genannt. Doch auf der zwei Tage später veröffentlichten Liste jener angeblichen Volksvertreter fehlte ihr Name. Erstmals war Kim auf Widerstand gestoßen und hatte eine Niederlage erlitten. Wahrscheinlich wollten die älteren Militärführer den Einfluss der erst 26-Jährigen bremsen.

Nach üblicher Art in Nordkorea verschwand ihr Name für lange Zeit aus den Medien und der politischen Öffentlichkeit, während sie in aller Stille Direktorin im Ministerium für Propaganda und Agitation blieb.

Erst Ende September 2017 hatte Kim Jong-un durch etliche Säuberungen gerade in der Armee seine Macht so sehr verstärkt, dass seine Schwester als „alternatives Mitglied“ des Politbüros wieder auftauchte. Keinen Monat später war sie zum Vollmitglied der Führungsspitze der Staatspartei aufgerückt und gehörte nunmehr auch offiziell zum persönlichen Stab des Diktators. Dessen Leiter, Choe Ryong-hae, ist nach Kim Jong-un der wichtigste Mann das Regimes und zugleich Leiter der Personalzentrale. Auf der Parteikonferenz kurz vor Weihnachten nahm er dann auch den Platz neben Kim Jong-un ein. In der ersten Reihe saß auch Kim Yo-jong, gleich neben den vier großmächtigen Vize-Parteichefs. Es war sicherlich Absicht, dass sie ihre Macht zeigte, indem sie als Einzige nicht wie sämtliche Anwesende die Worte ihres Bruders fleißig mitschrieb. Es dürfte kaum das Ende der Karriere des einstigen Schulmädchens aus dem kleinen Ort Köniz bedeuten.

Mit Sicherheit wird man sie beim Treffen ihres Bruders mit dem US-Präsidenten sehen können. Es wäre keine Überraschung, wenn sie eines vielleicht sogar baldigen Tages Stabschef Choe ablösen und dessen Position einnehmen würde. Dann haben die beiden Kims wirklich die vollständige Macht in den Händen.