29.01.2022

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06.04.18 / Schweige-Queens / Stummheit siegt – Der Film »A Quiet Place«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-18 vom 06. April 2018

Schweige-Queens
Stummheit siegt – Der Film »A Quiet Place«
H. Tews

Das Horrorgenre hat eine ganz besondere Gattung Schauspieler hervorgebracht: Die „Schreikönigin“. Als „Scream Queen“ wurde etwa Jamie Lee Curtis 1978 in „Halloween – Die Nacht des Grauens“ auf einen Schlag berühmt, als sie vor Todesangst mit ihrem Hohen C die Trommelfelle der Zuschauer strapazierte. Später machte der Film „Scream – Schrei!“ das akustische Entsetzen zum Programm.

Jetzt kommt mit „A Quiet Place“, zu Deutsch: ein stiller Ort, am 12. April ein Horrorthriller in unsere Kinos, der auf das genaue Gegenteil setzt: Schweigen. Die Ausgangslage hier ist, dass blinde, dafür aber höchst geräuschempfindliche Alien-Monster die Erde erobert haben und nun Jagd auf die restlichen verbliebenen Er­denbewohner machen. Um nicht aufzufallen, verhält sich eine im Mittleren Westen lebende Farmerfamilie äußerst geräuscharm. Die Bedrohung durch die Ungeheuer wirkt durch die Stille umso intensiver.

Wer dialoglastige Filme unerträglich findet, kann beruhigt sein: Hier wird nicht viel geredet. Im gesamten Film fallen gerade einmal vier oder fünf Sätze. Wäre nicht das Rauschen eines Wasserfalls oder der Krach eines Feuerwerks, könnte man den Streifen als Stummfilm bezeichnen. Regisseur und Hauptdarsteller John Krasinski hat seinen Film auch als Reminiszenz an die Stummfilmzeit gedreht. Mit ruhiger Kamera gedreht, verstößt er gegen ein weiteres Prinzip neuerer Horror- und Psychothriller, welche seit Filmen wie „The Blair Witch Project“ die Flucht vor dem unvermeidlichen Übel mit den wackeligen Bildern von Handkameras dokumentieren.

Krasinskis Ästhetik des Horrors funktioniert tatsächlich, auch weil sie logische Mängel überdeckt. Keiner fragt danach, warum die Monster zwar kleinste Geräusche aus weiter Ferne hören, Herz- oder Atemtöne in nächster Nähe dagegen nicht. Wer Subtexte mag, kann in der Invasion des Fremden auch einen Kommentar zur Einwanderungspolitik und in der Dominanz zweier „Quiet Queens“ die Frauenquote bestätigt sehen. Am Ende sind es die Mutter (Krasinskis Ehefrau Emily Blunt) und deren gehörlose Tochter, welche die Aliens überlisten.