28.01.2022

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06.04.18 / »Ich bin also die Frau ...« / Ihren mutigen Protest bewunderten Millionen – Hier erzählt Uta Ogilvie ihre Geschichte

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-18 vom 06. April 2018

»Ich bin also die Frau ...«
Ihren mutigen Protest bewunderten Millionen – Hier erzählt Uta Ogilvie ihre Geschichte

Sie tat ebenso unerhörtes wie selbstverständliches: Uta Ogilvie, die mit ihrer Familie in einem kleinen Ort bei Hamburg wohnt, wagte es gegen Angela Merkel zu protestieren. Öffentlich! Auf Hamburgs berühmtester Flaniermeile, dem Jungfernstieg! Anfangs war sie allein, später folgten Hunderte. Weil das nicht sein durfte, wurden sie und ihr Vater beinahe zusammengeschlagen. Außerdem wurde ihr Haus überfallen. In zwei Ausgaben der Preußischen Allgemeinen Zeitung erzählt sie ihre Geschichte. Lesen Sie hier Teil Eins.


Mein Name ist Uta Ogilvie – wer sich fragt, woher der Name stammt – ich habe den Nachnamen meines Mannes angenommen und der hat schottische Vorfahren. Dass ich trotzdem als „böse Rechte“ gelte, habe ich wohl der Tatsache zu verdanken, dass ich öffentlich den Rücktritt der Kanzlerin gefordert habe. Wer das tut, muss fremdenfeindlich sein, sogar, wenn er selbst einen fremdländischen Namen trägt. Das ist heutzutage medialer Konsens und spricht Bände …

Ich bin also die Frau, die am 29. Januar auf die Straße gegangen ist. Hier, mitten in Hamburg auf dem Jungfernstieg, allein mit einem rosa Pappschild. „Merkel muss weg“ stand drauf. Warum ich das gemacht habe? Diese Frage kam häufig. Nun, früher war ich ein ganz unpolitischer Mensch, aber das begann sich vor ungefähr 15 Jahren zu ändern. 13 von diesen 15 Jahren hat Dr. Merkel maßgeblich geprägt. In dieser Zeit bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sie als Kanzlerin eine echte Fehlbesetzung ist (siehe Kommentar). Zusammen mit den Querelen um die Regierungsbildung ergab das im Januar für mich ein Momentum, wie ich es in meiner Lebensspanne noch nicht erlebt habe. Das wollte ich mir zu Nutze machen. Und so kam ich am Sonntag, den 28. Januar – tatsächlich absolut spontan – auf die Idee, mit einem Schild auf den Jungfernstieg zu gehen. 

Da ich als Mutter von Zwillingen zwangsläufig eine Frau der Tat bin, ging ich direkt am nächsten Tag los und besorgte alles Notwendige, um ein Schild zu basteln. Rosa musste es übrigens sein, weil ich gern mit den Geschlechter-Klischees spiele. Das regt die Gender-Fraktion so schön auf. 

Die Bastelei zog sich über den ganzen Tag. Für ein wetterfestes Schild – mit Folie geschützt – braucht es erstaunlich viel Zeit. Gegen 20 Uhr fand ich mich am Jungfernstieg ein und lief los. Die Uhrzeit hatte ich gewählt, weil ich meinen Testlauf nicht gleich im vollen Gedränge starten wollte. Und ich gebe gern zu: Ich war aufgeregt. Sicherlich hatte ich auch ein wenig Angst. Aber davon wollte ich mich nicht aufhalten lassen. 

Oft wurde ich gefragt: Wie haben die Leute reagiert? Überraschend verhalten. Die meisten schauten betreten zur Seite, aber das kann ich keinem verdenken. Ich selber finde Leute, die allein mit Schildern durch die Gegend rennen auch tendenziell komisch. Im Ernst: Wer macht sowas schon? Trotzdem erhielt ich den ein oder anderen Zuspruch. Negative Reaktionen gab es ebenfalls, jedoch nur von zwei Personen. Regelrecht unspektakulär. Also nutzte ich die Zeit und machte ein Selfie mit dem Schild.

Das stellte ich auf meiner Facebook-Seite online. Auf der hatte ich im Januar eine noch überschaubare Anzahl von Freunden, vielleicht 250, eher weniger. Das waren hauptsächlich Leute, die ich persönlich kenne und mit denen ich mich auf diesem Netzwerk über Politik ausgetauscht habe. Die Überschrift zum Selfie lautete: Keine Ausreden mehr – auf die Straße! 

Was soll ich sagen: Die Reaktionen im Netz waren wesentlich beeindruckender als die auf der Straße. Einer der Ersten, der sich daraufhin meldete, war Thomas Gardlo. Herr Gardlo ist in dieser Stadt kein Unbekannter – er hat sich als Türsteher und Bodyguard einen Namen gemacht. Ich wurde später häufig dafür kritisiert, dass ich ihm „gestattet“ habe, mitzumachen. Es wurde sogar – vom Verfassungsschutz! – behauptet, Herr Gardlo und seine Freunde stünden hinter der Bewegung. 

Das ist schlicht und ergreifend nicht wahr. Herr Gardlo stand neben mir, um mich zu unterstützen und vor mir, um mich zu beschützen! Ganz sicher aber stand er nicht hinter mir. Trotzdem habe ich sein Angebot gerne angenommen. Schauen Sie mich an – ich bin eine Frau! Es wäre doch dumm gewesen, seine Hilfe nicht anzunehmen.

Wie ging es weiter? Man bat mich, für den darauffolgenden Montag ordnungsgemäß eine Demo anzumelden. Das tat ich dann auch. Eine Woche später, am Montag, den 5. Februar, stand ich mit 60 bis 80 Leuten auf der Straße. Einer davon – wie erwähnt – mein Bodyguard Herr Gardlo. Der brachte dann ein paar seiner stabil gebauten Freunde mit. Die weniger Stabilen in meiner Gruppe fühlten sich daher ebenso sicher, wie ich mich. 

60 bis 80 Leute! Das nennt man wohl „viral-gehen“, denn von denen kannte ich gerade mal vier persönlich. Der Rest muss im Netz auf die Demonstration aufmerksam geworden sein. Diese erste regulär angemeldete Veranstaltung vom 5. Februar war dann leider auch die letzte, die absolut friedlich verlief. Am nächsten Tag musste ich feststellen, dass die Antifa Wind von der Sache bekommen hatte. Wie genau, das weiß ich nicht. Vielleicht ist jemand auf Facebook über uns gestolpert. Ebenfalls gut möglich, dass man uns auf der Straße gesehen hat. Fest steht, dass die Antifa, also die linlsextreme Szene, viele Teilnehmer der Demo gründlich durchgescannt haben, so auch mich. Beim Internetnachrichtendienst Twitter, hieß es plötzlich, ich sei eine „rechtsradikale Neoliberale“ – was auch immer das ist.  

Von da an überschlugen sich die Ereignisse. In dem Augenblick, in dem mich die Nachricht erreichte, dass ich der Antifa bekannt bin, setzte ich mich ins Auto, fuhr zum Amt und ließ eine Auskunftssperre einrichten. Dann die nächste Überlegung – wie kann ich mich schützen? Spontan kam mir in den Sinn, den Kontakt zur Presse zu suchen. Das hatte ich bis zu dem Zeitpunkt abgelehnt. Ursprünglich wollte ich, dass die Demo organisch wächst und ich dabei langsam lerne, wie Widerstand funktioniert. 

Doch dazu war es jetzt zu spät, daher der Strategiewechsel. Ab sofort suchte ich den Schutz der Gruppe, den ich mir durch eine möglichst große Bekanntheit erhoffte. Auch dafür wurde ich übrigens kritisiert. Ich würde den Ruhm suchen, hieß es. Ich würde mich mit den falschen Journalisten abgeben, sagte man. Was stimmt ist: In den kommenden Tagen gab ich ein Interview nach dem nächsten. Und zwar jedem, der den Mut hatte, diese Geschichte zu bringen. Was im Grunde alles über die sagt, die mich zu Wort kommen ließen: Das waren Leute mit Format, also solche, die keine Scheu haben, die Wahrheit zu sagen. 

Was den Vorwurf angeht, ich hätte den Ruhm gesucht: Dazu können Sie gern meine Familie fragen – ich bin keine, die gern im Mittelpunkt steht. Ganz sicher hatte ich auch nicht vor, mit der Demo berühmt zu werden, es ging mir stets nur um die Sache: Merkel muss weg!  

Diese Aufmerksamkeit war für mich alles andere als schön. Dass ich jetzt einigermaßen damit umgehen kann, habe ich der harten Schule der letzten Wochen zu verdanken. Und die war wirklich hart für mich. An Schlaf war in dieser Zeit kaum zu denken. Wenn, dann hatte ich einen Alptraum nach dem anderen. Dieser Erschöpfungszustand erklärt vermutlich, warum ich den Anschlag auf das Haus meiner Familie verschlafen habe. Für meine beiden Kinder gilt das leider nicht. Dieser Anschlag erfolgte in der Nacht vom Sonntag, dem 11., auf Montag, den 12. Februar. Die Antifa hat dabei billigend Leib und Leben meiner Kinder riskiert.

Im zweiten Teil des Artikels in der nächsten Ausgabe der PAZ berichtet Uta Ogilvie vom Überfall auf ihr Haus und von der Verstrickung des Staates mit dem Linksextremisten. Außerdem: Warum Adrenalin ein echtes Wundermittel ist.