23.01.2022

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06.04.18 / Was die Natur hergibt – Grabungstechnikerin gibt nützliche Tipps

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-18 vom 06. April 2018

Was die Natur hergibt – Grabungstechnikerin gibt nützliche Tipps
Christiane Rinser-Schrut

Doris Fischer, archäologische Grabungstechnikerin von Beruf, begeistert sich für alte Handwerkstechniken und traditionelle Pflanzennutzung, wie sie im Vorwort ihres Buchs „Flechten, Färben, Schnitzen“ erklärt. Sie möchte einen Beitrag dazu leisten, die Natur nachhaltig zu nutzen und der sogenannten „Wegwerfgesellschaft“ eine Alternative zu bieten. Vorweg gibt sie praktische Tipps: Bohrsäge, Bindfaden und Säge sollte man bei sich führen, wenn man – am besten nach einem Sturm – „einkaufen“ geht, weil dann viel Material von den Bäumen und Sträuchern geweht ist, das man einfach einsammeln kann, ohne den Pflanzen zu schaden. 

Auch weist sie auf Zecken und giftige Pflanzen hin. Man fühlt sich als lesender Städter nun gut vorbereitet. Doch dann muss man sich erst das ganze Buch anschauen, um zu wissen, was man zu welcher Jahreszeit alles in der Natur einsammeln und nutzen kann. 

Ein Kalender fehlt und sollte bei einer neuen Auflage unbedingt berücksichtigt werden. Es geht also doch noch nicht hinaus ins Freie, denn mitnehmen kann man das Buch aufgrund seiner Größe und seines Gewichtes nicht. Im ersten Teil „Sträucher und Bäume“ werden in alphabetischer Reihenfolge Pflanzen vorgestellt von Ahorn bis Weide. Im anderen Teil „Gräser und Kräuter“ kann man Nützliches über Pflanzen von Binse, Schachtelhalm bis Wiesenkerbel erfahren. 

Der Aufbau der einzelnen Kapitel ist immer folgender: Erkennungsmerkmale der Pflanze und deren Nutzung: Was kann man aus welchem Pflanzenteil herstellen, wann kann man das und wie. Dank der reichen Bebilderung, rund 400 Farbfotos, findet man sich jedoch schnell zurecht. Man bleibt an dem für sich Interessanten hängen und sieht gleich, ob man sofort hinauseilen kann oder auf eine bestimmte Jahreszeit warten muss. 

Viele Angebote in diesem Buch sind wirklich zeitaufwändig. Beispielsweise ein Besen aus Birkenzweigen, die man im Winter schneidet. Diese müssen erst einige Wochen trocknen, und bevor dann der Stiel hineingestoßen wird, muss das Bündel nochmals ein Vierteljahr trocknen. 

Aber es gibt auch Spiele und Anleitungen, deren Produkt man gleich verwenden kann, wie das Färben von Ostereiern mit Birkenblättern oder das Schnitzen einer Flöte aus einem Holunderast. Auch findet man ein Rezept zur Herstellung von Hustensaft aus den Vitamin-C-haltigen Fichtenspitzen oder Kirschlikör sowie die Spielanleitung für einen Blick in die Zukunft – man zieht ein Breitwegerichblatt auseinander und erfährt anhand der heraushängenden Fäden, wie viele Kinder man einst haben wird. 

Ein nützliches Register beendet dieses reich bebilderte Buch, das einen oft zum Schmunzeln bringt und einen motiviert, sich in der Natur aufzuhalten, umzuschauen und sie zu nutzen – auch wenn man dazu vielleicht etwas Übung braucht. Man muss es einfach ausprobieren.

Doris Fischer: „Flechten, Färben, Schnitzen. Werken und Bushcraft mit Pflanzen aus Wald und Wiese“, at Verlag, Aarau und München 2017, gebunden, 256 Seiten, 25 Euro