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27.04.18 / Merkel steht zu Vertriebenen / Kanzlerin war Festrednerin beim BdV-Jahresempfang

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-18 vom 27. April 2018

Merkel steht zu Vertriebenen
Kanzlerin war Festrednerin beim BdV-Jahresempfang

Zahlreiche prominente und internationale Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und den Verbänden folgten auch in diesem Jahr der Einladung des Bundes der Vertriebenen (BdV) zu dessen Jahresempfang am Dienstag vergangener Woche in Berlin. Mit großer Spannung erwarteten sie die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel, für die der BdV-Jahresempfang einen festen Platz in ihrem Terminkalender hat.

Ihre Rede begann sie sozusagen mit einem Ausrufezeichen: „Mir liegt sehr daran, immer wieder deutlich zu machen, dass der Bund der Vertriebenen bei der Bundesregierung ein offenes Ohr findet und dass das auch in dieser Legislaturperiode genauso sein wird.“ An einigen Beispielen umriss die Bundeskanzlerin, wo ihre Regierung ihre Aufgaben sieht. So benötige die Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Deutschen „konsequente Förderung“, zumal die Zahl der Zeitzeugen immer geringer werde. Dies gelte auch für den wissenschaftlichen Bereich, „für die Erforschung und Bewahrung, für die Präsentation und Vermittlung der Kultur und Geschichte der Deutschen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa“, der zukünftig noch stärker europäisch ausgerichtet werden solle.

Ausdrücklich würdigte Merkel den zivilgesellschaftlichen zwi­schenstaatlichen Brückenbau der verschiedenen Gruppen, der oft eng mit der Bewahrung des kulturellen Erbes in den Heimatgebieten zusammenhänge. Auf der staatlichen Ebene habe sie daher etwa bei ihrem „jüngsten Besuch in Warschau dafür geworben, wieder am Runden Tisch zusammenzukommen“. Es liege ihr sehr am Herzen, dass die Beratungen über „Fragen der Förderung sowohl der deutschen Minderheit in Polen als auch der polnischstämmigen Bürger und Polen in Deutschland“ fortgesetzt werden.

Die Alterssicherung von Spätaussiedlern zu verbessern, sei eine weitere Aufgabe, aus der eine aus der Erinnerung für die Zukunft erwachsende Verantwortung deutlich werde. Merkel beschränkte sich bei diesem drängenden sozialen Thema zwar darauf, Inhalte aus dem Koalitionsvertrag  zwischen CDU, CSU und SPD wiederzugeben, betonte aber im Anschluss, dass der Dialog mit Spätaussiedlern über ihre Situation weiter gepflegt werden müsse.

Mit einem Zitat aus dem Grußwort Papst Franziskus‘ zum Tag der Heimat des BdV im Vorjahr ließ die Bundeskanzlerin erkennen, dass die Bundesregierung auch die Themen Heimat und Heimatbewusstsein als gestalterischen Auftrag begreift. Franziskus hatte mitteilen lassen: „Der Sehnsucht der Menschen nach Heimat, nach Geborgenheit und Überschaubarkeit Raum zu geben, ist eine Grundaufgabe jeder Politik“ (siehe Seite 4).

Auch wenn „Flucht und Vertreibung damals und heute sich überwiegend in der Schicksalserfahrung des Heimatverlustes vergleichen ließen“, sei Deutschland durch die Erlebnisse der Nachkriegsvertriebenen besonders geprägt worden und stehe heute vor der Herausforderung, Flüchtlinge mit ähnlichen Erfahrungen aufzunehmen. „Offenheit, die Bereitschaft zur Verständigung und die Einhaltung von Recht und Ordnung“ seien „wesentliche Voraussetzungen“ dafür, dass Menschen an anderem Orte ein neues Zuhause finden könnten. Heimat bedeute auch Zusammenleben und Zusammenhalt in einer Gemeinschaft, die sich gleichen Werten verpflichtet sehe, so die Kanzlerin weiter.

Abschließend bezeichnete Merkel die im Jahre 1950 verabschiedete Charta der Heimatvertriebenen als ein „wirklich historisches Dokument“ und dankte den Vertriebenen und ihren Verbänden aus-

drücklich für ihren seit Jahrzehnten währenden Einsatz.PM/J.H.