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27.04.18 / Mit einer brasilianischen Note / Sympathieträger spielen deutsche Terroristen – Kinostart des Films »7 Tage in Entebbe«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-18 vom 27. April 2018

Mit einer brasilianischen Note
Sympathieträger spielen deutsche Terroristen – Kinostart des Films »7 Tage in Entebbe«
H. Tews

Die israelische „Operation Entebbe“ galt als ähnliches Meisterstück der Geiselbefreiung wie ein Jahr später die Erstürmung der „Landshut“ in Mogadischu durch die GSG9. In Entebbe kam am 4. Juli 1976 aber das Problem hinzu, dass die israelische Eliteeinheit von Ugandas Diktator Idi Amin keine Ge­nehmigung zur Befreiung erhielt. Sie flog in einer Nacht-und-Ne­bel-Aktion mit ein paar Militärmaschinen unterhalb des Radars an, täuschte das Flughafenpersonal, indem sie nach der Landung eine der an Idi Amin erinnernden Staatskarossen auslud, überwältigte damit das verdutzte Wachpersonal, erschoss die sieben Terroristen und befreite alle verbliebenen 100 Geiseln aus dem alten Flughafenterminal von Entebbe. Um auf der Flucht nicht verfolgt zu werden, zerstörte man noch elf ugandische Kampfjets. Bei dem Handstreich kamen 20 ugandische Soldaten, drei Geiseln und ein Be­freier ums Leben, nämlich der Bruder des heutigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Klar, dass solch ein Heldenstück nach einer Verfilmung schreit, in der auch deutsche Akteure zum Zug kommen. Denn zwei der Terroristen – Brigitte Kuhlmann und Wilfried Böse –, die ein Air-France-Flugzeug von Tel Aviv nach Entebbe entführten, waren Mitbegründer der Revolutionären Zellen. In drei internationalen Filmproduktionen von 1976 und 1977 wurde Böse von den damaligen Filmbösewichten vom Dienst gespielt: Helmut Berger, Horst Buchholz und Klaus Kinski. In „7 Tage in Entebbe“, der am 3. Mai in unseren Kinos startet, hat man Böse und Kuhlmann aber gegen den Strich mit zwei ausgesprochenen Sympathieträgern be­setzt: dem Deutschen Daniel Brühl und dem britischen Bond-Girl Rosamund Pike.

Der brasilianische Regisseur José Padilha lässt diesen beiden Tätern so etwas wie Ge­rechtigkeit widerfahren. In einer Mitteilung ließ er verlauten, dass jüngste Recherchen dem widersprochen hätten, „wie diese Entführer bislang meist dargestellt wurden“. So hätte einer von ihnen, nachdem er mit den Geiseln gesprochen hat, angefangen, „seine Handlungen kritisch zu hinterfragen“.

Da lässt es Böse nicht kalt, als er das am Arm eingebrannte Zeichen einer Holocaustüberlebenden sieht. Und da soll ihm auch ein flehender Blick des französischen Flugingenieurs, der dessen Sympathien gewonnen hat, davon abgehalten haben, mit einer von den Ugandern bereitgestellten Maschinenpistole auf die Geiseln zu schießen, als die Israelis an­rückten. Anders als überliefert, „selektieren“ in diesem Film nicht die deutschen, sondern die palästinensischen Entführer die jüdischen von den nicht-jüdischen Geiseln und stecken sie in einen separaten Wartesaalbereich.

Als der Film auf der diesjährigen Berlinale gezeigt wurde, mo­nierten einige Kritiker, dass man fast schon Mitleid mit den deutschen Terroristen bekommen könnte. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Es ist jedoch bemerkenswert, wie das Resümee ausfällt, wenn der Blick auf ein solch historisch hoch-emotionales Ereignis nicht propagandistisch ausfällt. Als Brasilianer ist Padilha, der zuletzt mit der Neuverfilmung von „RoboCop“ sowie der Netflix-Serie „Narcos“ auf sich aufmerksam machte, um Neutralität be­müht. So wechselt seine Perspektive ständig zwischen den Terroristen und dem israelischen Krisenstab, wo Premier Jitzchak Rabin mit seinem Verteidigungsminister Schimon Perez darüber streitet, ob sie die Politik der Nicht-Verhandlung mit Geiselnehmern aufgeben sollten.

Statt auf harte Action und lautes Geballere setzt der Film auf solche leiseren Töne. Dass eine metaphorische Tanzeinlage den militärischen Showdown am En­de ständig unterbricht, ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Der Film bekommt so eben seine ganz brasilianische Note.