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27.04.18 / Als Aus zum Ausgangspunkt wurde / Der 1913 enthüllte Obelisk in dem namibischen Ort erinnert nach einer Neueinweihung 2014 noch immer an Deutsch-Südwestafrika

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-18 vom 27. April 2018

Als Aus zum Ausgangspunkt wurde
Der 1913 enthüllte Obelisk in dem namibischen Ort erinnert nach einer Neueinweihung 2014 noch immer an Deutsch-Südwestafrika
Wolfgang Reith

Rund 120 Kilometer östlich der Hafenstadt Lüderitz an der Lüderitzbucht im südlichen Namibia liegt das kleine Städtchen Aus. Dessen Entstehung in den Jahren 1905/06 ist untrennbar mit dem Bau der Eisenbahnlinie von dort nach Lüderitz verbunden. Bekannt ist Aus aber auch als einer der kältesten Plätze im Land. Im Winter der südlichen Erdhalbkugel, also zwischen Juni und August, schneit es dort nicht selten. Und Aus hat ein Denkmal zu Ehren Kaiser Wilhelms II. aus der Zeit, als Deutsch-Südwestafrika ein Schutzgebiet des Deutschen Reiches war.

Schon kurz nach der Gründung der Kolonie errichtete der Kaufmann Adolf Lüderitz dort, wo später Aus entstand, eine Faktorei. Entscheidend dafür war eine in einer Felsschlucht befindliche Quelle, wegen der es dort eine Niederlassung von etwa zehn eingeborenen Nama-Familien gab. Gleichzeitig wurde im fünf Kilometer südlich davon entfernten Kubub eine Handelsstation errichtet, die zunächst eine größere Bedeutung erlangte, weil sie am südlichen Baiweg lag, der von Lüderitz nach Keetmanshoop führte. Nach Durchquerung der Trockenwüste Namib gab es dort den ersten Wasser- und Weideplatz für die Ochsengespanne, mit denen man Güter ins Inland transportierte.

Nach mehrjährigen Planungen begann man am 27. Dezember 1905 von Lüderitz aus mit dem Bau einer Eisenbahnlinie, die wegen des gängigeren Geländes jedoch nicht über Kubub, sondern über Aus führte, wo bald eine kleine Siedlung entstand. Am 1. November 1906 konnte die Bahnstrecke eröffnet werden. Damit wurde Aus zum Ausgangspunkt für den Warenverkehr ins Landesinnere. Es entstanden umfangreiche Vieh- und Pferdedepots. Außerdem entwickelte sich der Ort zu einer wichtigen Etappenstation für die Schutztruppe. Der gesteigerte Verkehr zog wiederum private Unternehmer wie Gastwirte, Händler und Handwerker dorthin, und so wuchs Aus allmählich zu einer Ortschaft von 300 Einwohnern heran, während Kubub an Bedeutung verlor und verödete.

Kurz nach Fertigstellung der Bahnlinie wurde der Bau der Strecke in Richtung Osten weiter vorangetrieben, und am 21. Juli 1908 eröffnete der Staatssekretär des Reichskolonialamtes, Bernhard Dernburg, diesen zweiten Abschnitt bis nach Keetmanshoop. Nach der Entdeckung der Diamanten bei der Bahnstation Kolmanskuppe im April 1908 erlebte Aus eine wirtschaftliche Blütezeit, denn die im Diamantengebiet entstehenden Siedlungen wurden bald von den Farmen um Aus mit Fleisch und frischen Milchprodukten beliefert.

Im Juni 1913 beging Kaiser Wilhelm II. sein 25. Thronjubiläum. Das wurde auch im fernen Deutsch-Südwestafrika gefeiert. In Aus wurde aus diesem Anlass ein besonderes Denkmal eingeweiht, das bis heute erhalten geblieben ist. Dabei handelt es sich um einen rund drei Meter hohen Obelisken in Gestalt eines preußischen Meilensteins auf einem Sockel, an dem damals eine Kupfertafel angebracht war. Die „Lüderitzbuchter Zeitung“ berichtete dazu in ihrer Ausgabe vom 27. Juni 1913: „Bereits am Sonnabend, den 14. Juni, abends 7½ Uhr, bewegte sich ein großer Fackelzug mit Musik und Spitzenreiter durch die Straßen des Ortes nach dem Bahnhofshotel, woselbst ein vom Pferdedepot Süd arrangierter ‚Bunter Abend‘ stattfand … Montag früh 5½ Uhr, weckten Bollerschüsse die Einwohner des Ortes aus dem Schlafe und vor 9 Uhr waren der Bürgerverein Aus, die Schule, das Pferdedepot, die Polizeibeamten sowie grade in Aus anwesende Gäste vollzählig in dem vom Bürgerverein errichteten Bürgerpark erschienen, um der Feier beizuwohnen. Die Schule eröffnete diese mit dem Gesang: ‚Alles schweige, jeder neige.‘ Darauf hielt der stellvertretende Depotführer, Herr Leutnant von Oelhafen, eine kernige Ansprache, die in ein donnerndes Hurrah auf den Kaiser ausklang. Die Kaiserhymne wurde von allen Anwesenden gesungen, und nun trat der Vorsitzende des Bürgervereins Aus, Herr Schwarzenberg, vor das verhüllte Denkmal, hielt eine kurze Ansprache, der Vorhang fiel, und vor den Augen der Erschienenen zeigte sich in reichem Blumenschmuck ein Denkstein mit der Inschrift: Wilhelm II. 1888–1913.“

Irgendwann im Laufe der Zeit verschwand die kupferne Tafel am Denkmal, doch anlässlich des 100. Jahrestages des Beginns des Ersten Weltkrieges fand am 23. August 2014 eine Wiedereinweihung statt, bei der man vier neue am Gedenkstein angebrachte Granittafeln enthüllte. Sie zeigen die ursprüngliche Beschriftung. Außerdem wird in deutscher und englischer Sprache über die Bedeutung des Denkmals informiert, und eine Tafel erinnert an die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Lüderitz–Aus im Jahre 1906. Eigentlich war geplant, das sanierte Monument im Rahmen einer feierlichen Zeremonie der Öffentlichkeit zu präsentieren, doch in Anbetracht der Tatsache, dass drei Teilnehmer einer dazu aus Deutschland angereisten Delegation am Vortag auf ihrer Fahrt nach Aus tödlich verunglückt waren, wurde die Feier abgesagt, und es fand lediglich ein stilles Gedenken statt.

Nach der Kapitulation der Schutztruppe im Ersten Weltkrieg am 9. Juli 1915 errichteten die Südafrikaner bei Aus ein Kriegsgefangenenlager, in dem insgesamt 1552 Unteroffiziere und Mannschaften der aktiven deutschen Truppe und der Landespolizei untergebracht wurden. Anfänglich lebten sie dort in Zelten, doch bald bauten sie mit Hilfe selbst hergestellter Sandsteine kleine Häuser, deren Ruinen heute noch teilweise existieren. Auch in diesem Lager, in dem die Gefangenen bis zu ihrer Entlassung am 18. April 1919 blieben, errichteten sie ein Monument zu Ehren Kaiser Wilhelms II.

Am ersten April-Wochenende 2007 beging Aus, das derzeit rund 1200 Einwohner zählt, sein 100-jähriges Bestehen. 100 Jahre nachdem mit der Eröffnung der Bahnstrecke im November 1906 der Aufschwung des Ortes begonnen hatte, eröffnete das Informationszentrum Aus. Da entstand wohl der Gedanke an eine öffentlichkeitswirksame 100-Jahr-Feier, der dann zu Ostern 2007 in die Tat umgesetzt wurde. Der Erfolg des Jubiläums hat die Initiatoren beflügelt, denn der Geschäftsführer des traditionsreichen Bahnhofshotels resümierte, nun sei Aus wieder „auf der Landkarte zu finden und hat viel Aufmerksamkeit bekommen“. So könne es weitergehen, meinte er abschließend. Und das einzigartige Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist eine zusätzliche touristische Attraktion, die das kleine Städtchen sehenswert macht.