21.01.2022

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11.05.18 / Nobelpreis für Literatur: Pause!

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-18 vom 11. Mai 2018

Nobelpreis für Literatur: Pause!
H. Tews

Über Sinn und Zweck von künstlerischen Preisen wird häufig gestritten. Der deutsche Echo-Preis wurde nach einem Antisemitismus-Skandal um ein Rapper-Duo dieses Jahr als erster zu Fall gebracht (die PAZ berichtete). Und in Schweden fällt jetzt der Literaturnobelpreis der „MeToo“-Kampagne zum Opfer. Nach einer Rücktrittswelle ist das Vergabe-Komitee aktuell nicht beschlussfähig.

Ausgelöst hat den Skandal der französisch-schwedische Fotograf Jean-Claude Arnault, der mit ei­nem weiblichen Akademie-Mitglied verheiratet ist. Arnault soll angeblich 18 Frauen sexuell belästigt haben. Die Rede ist auch von Schwedens Kronprinzessin Victoria. Aus Protest dagegen, dass die Komiteeleitung nichts gegen Arnault unternommen hat, sind drei Mitglieder zurückgetreten. Ihnen folgte die Sekretärin der Akademie, Sara Danius, und schließlich auch Arnaults Frau. Weil zuvor schon wegen einer anderen Affäre zwei Plätze vakant waren, besteht das 18-köpfige Komitee aktuell nur noch aus elf Mitgliedern. Zwölf sind nötig, um über den Preis zu entscheiden. Da man zum Komiteemitglied auf Lebenszeit ernannt wird und Rücktritte nicht sofort kompensiert werden, ist entschieden, dass dieses Jahr der Preis erstmals seit dem Krieg nicht vergeben wird.

Der Literaturnobelpreis stand zuletzt häufig in der Kritik. So wurde Arnault beschuldigt, die Namen der Preisträger früherer Jahre vor der offiziellen Bekanntgabe an die Öffentlichkeit getragen zu haben. Auch die Auswahl wurde in Frage gestellt. Dass mit Bob Dylan 2016 ein US-Liedermacher den Nobelpreis erhielt, nicht aber einer seiner lange überfälligen Landsleute wie Thomas Pynchon, Richard Ford oder Don DeLillo, grenzte schon an Satire. Von daher ist es ganz heilsam, wenn der Preis dieses Jahr einmal Pause macht.