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18.05.18 / Vögel aus Kohlefaser / Internationale Luftfahrtausstellung in Berlin – Deutsche Technologie ist stark gefragt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-18 vom 18. Mai 2018

Vögel aus Kohlefaser
Internationale Luftfahrtausstellung in Berlin – Deutsche Technologie ist stark gefragt
Friedrich List

Die diesjährige Internationale Luftfahrtausstellung (ILA) in Berlin präsentierte sich mit einem neuen Konzept. Dieses Jahr standen zum ersten Mal Forschung und Entwicklung im Vordergrund.

Das Gewicht der traditionell stark vertretenen deutschen Forschungsinstitutionen wurde gestärkt. Neben der Industrie boten diese Forschungseinrichtungen einen Einblick in ihre neuesten Projekte. Vertreten waren etwa das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Bauhaus Luftfahrt aus München sowie zahlreiche Universitäten. 

In Berlin öffnete sich ein Fenster in die Luftfahrtwelt von morgen. Sie wird geprägt durch senkrecht startende Lufttaxis wie den als Projekt vorgestellten „City Airbus“ von Airbus. Aerodynamische Neuerungen, die Flugzeuge sparsamer und schneller fliegen lassen, waren zu sehen. Hinzu kamen neuartige Konzepte für Flughäfen in der Stadt, umweltfreundliche Kraftstoffe oder sogar elektrische Flugantriebe. 

An zwei Airbus-Maschinen war gut zu sehen, wie stark das Interesse von Forschung und Industrie an Flügel- und Leitwerksflächen für geringeren Luftwiderstand ist. So lassen sich sparsamere Flugzeuge konstruieren. Das DLR zeigte seinen Airbus A320 

D-ATRA mit speziellen Messflächen am Leitwerk. Sie dienen dazu, die Strömung auf neuartigen Flügelprofilen zu vermessen. Diese Profile enthalten neben Messfühlern kleine Löcher zum Absaugen der sogenannten laminaren Grenzschicht, also der Luftschicht, die unmittelbar auf der Oberfläche aufliegt. Wo sie abreißt, entstehen Luftwirbel und der Luftwiderstand des Flugzeugs steigt. Saugt man sie ab, bleibt die Grenzschicht stabil, und der Luftwiderstand wird geringer. Das wiederum senkt den Spritverbrauch. Außerdem wird das ganze Flugzeug leiser. Die Testkampagne ist Teil eines größeren Projekts mit 40 Partnern aus 15 Ländern, das von Airbus koordiniert wird. 

Airbus selbst hat zum gleichen Zweck auch ein ganzes Flugzeug umgerüstet – eine vierstrahlige A340-300, die seit September 2017 fliegt. Die A340 BLADE hat komplett neue Flügelendsegmente bekommen. Diese Segmente haben neue laminare Flügelprofile. Außerdem sind sie mit Messfühlern zur Strömungsmessung versehen. Es ist weltweit das erste Flugzeug mit vollständigen laminaren Flügelsegmenten. Im März 2018 erhielt Airbus dafür den Aviation Week Laureates Award for Technology, der von der US-Zeitschrift „Aviation Week“ verliehen wird. BLADE ist EU-gefördert. Neben Airbus sind 21 weitere Industriepartner beteiligt, darunter der deutsche Zulieferer GKN Aerospace und der schwedische Saab-Konzern.

Das DLR wartete mit einer Weltneuheit auf. Forscher zeigten die erste aus hitzeformbarem, kohlefaserverstärktem Kunststoff (KFK) geschweißte Druckkalotte. Das ist das Teil, das die Flugzeugkabine zum Heck hin druckfest abschließt. Bislang sind solche Teile aus Metall. Die leichteren KFK-Teile könnten zur Gewichtsreduktion der Flieger beitragen.

Das Münchener Bauhaus Luftfahrt stellte sein Konzept eines zentralen Flughafens, der gleichzeitig ein Regionalbahnhof ist, vor. Auf der untersten Ebene dieser „CentAirStation“ fahren die Züge ein, während auf der obersten Ebene Flugzeuge starten und landen. Am Bauhaus entstand dazu der „CityBird“-Entwurf, ein elektrisch angetriebenes Passagierflugzeug, das mit kurzen Start- und Landestrecken auskommt. Idealerweise sollen Passagiere nicht mehr als 15 Minuten vom Betreten des Gebäudes bis zum Abflug brauchen. Hintergrund ist das von der EU ausgegebene Ziel, die Reisezeiten über 1000 Kilometer auf vier Stunden von Tür zu Tür zu reduzieren. Diese City-Flughäfen könnten die großen Flughäfen entlasten. 

Das Bauhaus zeigte zudem den ersten rein mit Solarenergie produzierten Flugkraftstoff. Beim Prozess sind Kohlendioxid, Wasser und Sonnenlicht nötig, um synthetisches Kerosin zu erzeugen. Mit Solarenergie wird ein Synthesegas erzeugt, aus dem wiederum das eigentliche Kerosin entsteht. Ob es das Fliegen auch billiger macht?