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18.05.18 / Warum die Bundeswehr tatsächlich in Mali ist

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-18 vom 18. Mai 2018

Warum die Bundeswehr tatsächlich in Mali ist
Florian Stumfall

Sage niemand, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sei nicht für eine Überraschung gut. Just sie, der es bislang kaum je schnell genug gehen konnte, wenn von einem neuen Kriegseinsatz für die Truppe die Rede war – Formtief hin oder her – wartet nun mit dem Vorschlag auf, die Bundeswehr könnte sich künftig mehr mit der Landesverteidigung als mit der Verbreitung demokratischer Wohltaten in aller Welt befassen. Ganz so will es ja eigentlich auch das Grundgesetz – wie gesagt: von der Leyen ist durchaus dafür gut, plötzliches Erstaunen auszulösen.

Wer sich vor Augen führen will, wie die militärische Konzeption Deutschlands derzeit noch aussieht, findet in Mali ein gutes Beispiel, und es ist nicht recht, dass davon allzu wenig die Rede ist. Schließlich handelt es sich dabei um den größten und, wie es heißt, gefährlichsten Einsatz der Bundeswehr. 1450 deutsche Soldaten sind in dem westafrikanischen Land stationiert, 1100 von ihnen in Gao, wo es heiß hergeht, nicht nur klimatisch. Die UN will dort eine „Stabilisierung“ herbeiführen, die nicht derart in Frage stände, wenn es im Lande keine fremden Soldaten gäbe.

Gut – die Tuareg zündeln gerne und wollen den Einfluss der Zentralregierung auf ihr Wüstendasein eindämmen. Im Jahre 2012 erklärten sie sich für unabhängig, was auch für Niger und Algerien hätte gelten sollen, doch der Westen erkannte diese Separation nicht an. Umgekehrt sehen die Tuareg nicht ein, warum sich in diesen Streit fremde Menschen in New York, Paris oder Berlin einmischen. Denn bei aller Wildheit der Berber, eine unmittelbare Bedrohung für Deutschland stellen sie nicht dar, jedenfalls solange sie in ihrer Heimat bleiben. So aber stehen in Mali seit 2013 fast 12000 Blauhelmsoldaten, und sie tun dies, ohne den geringsten Erfolg bei der vorgeblichen Zweck­bestimmung des Einsatzes zu erzielen: Stabilisierung und Frieden. Bei derartigen Absichten allerdings wären andere Einsatzorte dringlicher: der Jemen, Somalia, Libyen, Palästina, der Kongo und andere mehr. 

Tatsächlich ist in Mali weniger die Entwicklung von Frieden, Demokratie und Menschenrechten von Belang als die Sicherung von Rohstoffen für westliche Industriestaaten. Vor allem Frankreich als ehemalige Kolonialmacht ist sehr darauf bedacht, alte Kontakte nicht abreißen zu lassen und neue zu knüpfen. Ein ganz wesentlicher Grund für diese Anhänglichkeit sind die großen Goldvorkommen des Landes. Mali liegt im sogenannten Goldgürtel Westafrikas. Mit im Fokus liegt dabei das benachbarte Niger mit wahrscheinlich noch ergiebigeren Minen. Es versteht sich am Rande, dass auch dort die Bundeswehr nach Recht und Ordnung sieht.

Was Mali angeht, so werden die Goldreserven auf 800 Tonnen geschätzt, das Land ist der drittgrößte Goldproduzent Afrikas. Wer aber meint, der Segen komme dem Land und seinen Menschen zugute, der täuscht sich. Internationale Großkonzerne wie der US-Finanzinvestor Randgold Resources Ltd. – mit Sitz auf Jersey, der Steuer wegen – räumen ab. Mit dabei sind auch die Orano-Gruppe, ein staatlicher Industrie-Konzern mit Sitz in Paris, der auf dem Gebiet der Herstellung und des Verkaufs von Nukleartechnikanlagen und -brennstoff tätig ist und aus der ehemals börsennotierten Areva-Gruppe hervorgegangen ist, sowie die Pearl Gold AG mit Sitz in Frankfurt. Diese deutsch-französische Firma hat Probleme mit der Ausbeutung der „Kodieran-Goldmine“, und zwar wegen des Bürgerkriegs im Lande. Hier bedarf es der Stabilisierung. Ein Schelm, der das mit dem Plan in Verbindung bringt, in Mali zusätzlich eine deutsch-französische Brigade einzusetzen.

Was für Gold gilt, gilt ebenso für Uran. In Mali gibt es 5000 Tonnen davon, das Land deckt 40 Prozent des Bedarfs der französischen Kernkraftwerke. In Niger sind die Vorkommen noch erheblich reicher. Und ein Weiteres haben Niger und Mali gemeinsam: Hier wie dort gibt es Bürgerkrieg, hier wie dort kämpfen radikale Moslems und daher gilt in beiden Ländern die westliche Lesart, dass man dort Krieg gegen den Terror führen müsse. 

Damit aber hat es eine eigene Bewandtnis. Nachdem die NATO Libyen zerstört hatte, gelangten Kämpfer und Waffen auch nach Mali. Dort wurden die Kämpfer von Geheimdiensten vor allem Frankreichs und der USA als malische al-Kaida aufgebaut, wie das anderswo, etwa in Afghanistan oder dem Irak, auch schon geschehen war. Das Vorhandensein von Terroristen ist ja unerlässlich für alle, die Krieg dagegen führen wollen oder wenigstens einen Vorwand benötigen, in einem Land militärisch einzugreifen.

Darauf aber, dass die Tuareg einmal politische Selbstständigkeit erlangen, können sie lange warten. Denn in diesem Fall wäre der Zugriff der multinationalen Großkonzerne auf die Bodenschätze der betroffenen Länder in Frage gestellt. Außer Gold und Uran gibt es in Mali noch Bauxit, Phosphate, Eisen, Blei, Zink und verschiedene Salze. Damit kann man nebenher auch noch kleinere Geschäfte machen. Rendite einer „Friedens-Mission“.

Wie fast immer bei solchen Gelegenheiten, ist es auch in Mali die einfache Bevölkerung, welche die Zeche zahlt. Zu einem Drittel hat sie keinen Zugang zu sauberem Wasser, und die Lebenserwartung beträgt keine 50 Jahre. Angesichts dieser Armut kann es nicht verwundern, dass bei den Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr eine Wählerstimme für umgerechnet 1,50 Euro zu haben war. Malis Patronatsmacht Deutschland bezeichnete die Wahl eilends als fair und demokratisch.

Außer Niger hat auch die Zentralafrikanische Republik die Aufmerksamkeit Frankreichs in erhöhtem Maße auf sich gezogen. Man wird auch dort wohl bald den Terrorismus bekämpfen müssen. Denn in diesem Land gibt es ebenfalls große Uranvorkommen und dazu noch erhebliche Mengen an Diamanten. Man darf guter Hoffnung sein. Die Orano-Gruppe ist schon im Land.