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18.05.18 / Archäologische Funde Ostpreußens aus drei Jahrhunderten in einem Band

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-18 vom 18. Mai 2018

Archäologische Funde Ostpreußens aus drei Jahrhunderten in einem Band
Dagmar Jestrzemski

Ostpreußen war bis 1945 eine der archäologisch am besten untersuchten Provinzen im Deutschen Reich. Ein großer Teil der infolge des Krieges versprengten und lange Zeit verschollen geglaubten Studiensammlung des Königsberger Prussia-Museums befindet sich heute im Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. 

Wissenschaftler aus Deutschland, Polen, Litauen und Russland arbeiten zusammen, um Funde und Archivalien aus der Zeit bis 1945 aufzuspüren. Die Ergebnisse der Forschungstätigkeit früherer Generationen fließen in ihre aktuellen wissenschaftlichen Studien ein. Mit der 2001 gegründeten „Kommission zur Erforschung von Sammlungen Archäologischer Funde und Unterlagen aus dem nordöstlichen Mitteleuropa” (KAFU) wurde der Grundstein für diese Kooperation gelegt. Auch Miroslaw Hoffmann vom Allensteiner Museum für Ermland und Masuren ist Mitglied der KAFU. 

In seinem von der Prussia-Gesellschaft herausgegebenen Werk „Die Geschichte der Archäologie in Ostpreußen“ würdigt Hoffmann die nicht-professionellen und professionellen Entdecker und Ausgräber von Funden und Bodendenkmälern aus drei Jahrhunderten und ihre Hinterlassenschaften in einer Gesamtschau, ferner die wissenschaftlichen Gesellschaften und ihr Schrifttum. Durch äußere Umstände war der Autor gezwungen, den Zeitrahmen seiner Dokumentation mit dem Jahr 1920 enden zu lassen. Sie beginnt mit dem frühen 18. Jahrhundert, als erstmals Berichte über planmäßige Bergungen von prähistorischen Gegenständen aus Grabhügeln veröffentlicht wurden. Auch polnische Forscher hatten im Ermland und in Masuren im 18. Jahrhundert einen beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung der archäologischen Forschungen.

Hoffmann bezieht sich unter anderem auf eine Fülle von Archivmaterial diverser Museen sowie auf wissenschaftliche Publikationen in Zeitschriften und Jahrbüchern. Berücksichtigt wurde das Gebiet Ostpreußens aus der Zeit vor den Beschlüssen des Versailler Vertrags, also auch das Memelland und der Kreis Soldau. 

Bis 1920 wurden Museen in Ostpreußen ausschließlich auf 

Initiative von Vereinen und Gesellschaften für Altertumsforschung gegründet, um die kulturellen Hinterlassenschaften aus historischer und prähistorischer Zeit zu sammeln. An erster Stelle ist das Prussia-Museum der 1844 gegründeten Altertumsgesellschaft Prussia zu nennen, das sich im Königsberger Schloss befand. Hinter der Grabungs- und Sammeltätigkeit standen bis Ende des 19. Jahrhunderts vor allem zahlreiche Personen, die sich als Laien um die ostpreußische Archäologie verdient gemacht haben. Der Autor hat zahlreiche Portrait-Fotos dieser Lehrer, Ärzte, Förster und Pastoren zusammengetragen und beispielhaft einige ihrer Fund- und Planskizzen veröffentlicht. Eine systematische Vorgehensweise bei Grabungen erfolgte erst seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. 

Als schwierig stellte sich wegen der lückenhaften Überlieferung auch die Bewertung der archäologischen Bestandsdokumentationen der Museen dar. Merkwürdigerweise behauptet Hoffmann, nur das Prussia-Museum habe systematisch Sammlungskataloge geführt. Sie wurden in zwei Ausgaben publiziert. Doch auch einer der Wegbereiter der professionellen Archäologie, Otto Tischler (geboren 1843 in Breslau, gestorben 1891 in Königsberg), der hohes Ansehen weit über Ostpreußens Grenzen hinaus genoss, hat als Verwalter der archäologischen Sammlung der Physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg ein Inventarverzeichnis angelegt. Es erschien als Anhang zu Ferdinand von Lindemanns gedruckter „Rede gehalten am Sarge Otto Tischlers“. Von Tischlers Enkel, dem Kieler Agrarökonomen Wolfgang Tischler, erhielt der Autor wertvolle Kopien aus dem Tischlerschen Familienarchiv. 

„Fast wäre die in dieser Region beispielhafte Erforschung der Vor- und Frühgeschichte zerstreut und zerschlagen worden“, so Hoffmann. Mit dem vorliegenden Band ist es gelungen, die wegweisenden Ergebnisse und Entwicklungen in Erinnerung zu rufen.  

Miroslaw Hoffmann: „Die Geschichte der Archäologie in Ostpreußen. Von ihren Anfängen im 18. Jahrhundert bis in das Jahr 1920“, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2018, gebunden, 184 Seiten, 19,95 Euro