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22.06.18 / Der Sport ordnet sich der Gewalt unter / Die Politisierung des Fußballs hat im Vorfeld der Weltmeisterschaft zugenommen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-18 vom 22. Juni 2018

Der Sport ordnet sich der Gewalt unter
Die Politisierung des Fußballs hat im Vorfeld der Weltmeisterschaft zugenommen
Bodo Bost

Nach Gewaltandrohung gegen die argentinischen Spieler durch den palästinensischen Fußballverband hat Argentinien das Spiel gegen Israel in Jerusalem, das letzte vor der Weltmeisterschaft, abgesagt. Auch die deutsche Nationalmannschaft hatte im letzten Jahr ihr letztes Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan gegen einen verurteilten Mörder bestritten – ohne nennenswerten Protest des Deutschen Fußballbundes (DFB).

Im Jahre 1986 hatte Diego Maradona mit seiner Mannschaft in Israel gespielt und danach die WM gewonnen. Seitdem war es fast zu einer guten Tradition für die Argentinier geworden, das letzte Testspiel vor der WM-Eröffnung in Israel auszutragen. Das Freundschaftsspiel gegen Israels Nationalteam hatte ursprünglich in Haifa stattfinden sollen, war dann aber mit Unterstützung israelischer Behörden nach Jerusalem verlegt worden. Dschibril Radschub, Chef des palästinensischen Fußballverbands, hatte dazu aufgerufen, Trikots und Bilder des argentinischen Starspielers Lionel Messi zu verbrennen, was Palästinenser vor dem Trainingsgelände der argentinischen Mannschaft bei Barcelona auch taten. „Wir werden Messi, der Millionen von Fans in arabischen und muslimischen Ländern hat, persönlich ins Visier nehmen.“

Diese Drohungen, die sich auch gegen Angehörige der Fußballer richteten, haben die südamerikanischen Spieler derart beein­druckt, dass der argentinische Außenminister interveniert und das Spiel in Israel abgesagt hat. Die Palästinenser hatten ihren Gewaltaufruf gegen das Fußballspiel auch damit begründet, dass Israel palästinensisches Territorium wiederrechtlich besetzt halte und dass man von den Argentiniern die Verteidigung der Rechte des palästinensischen Volkes erwarte. Bislang wurden noch keine Sanktionen von Seiten des Weltfußballverbands FIFA gegen den palästinensischen Fußballverband bekannt.

Die Bekanntmachung der Spielannulierung hat in Israel Bedauern hervorgerufen. Israels Verteidigungsminister Avigdor Liebermann zeigte sich enttäuscht, dass wieder einmal die Gewalt sich durchgesetzt habe, auch im Fußball, der ja eigentlich die schönste Nebensache der Welt sein sollte. Dennoch hat das Amt von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekanntgegeben, die Gewalt sei zwar in Israel allgegenwärtig, und Israel habe gelernt, damit umzugehen, auch im Sport. Allerdings, so das Amt, sei die Freundschaft zwischen Israel und Argentinien nicht nur auf den Sport beschränkt, sondern gehe weit darüber hinaus.

Auch die Wahl der ägyptischen Nationalmannschaft der tschetschenischen Hauptstadt Grosny als Quartier hat in der Sportwelt für einen Aufschrei gesorgt. Präsident Ramasan Kadyrow hat in der autonomen russischen Republik eine Art Staatsislam eingeführt. Er verfolgt alle, die seine Religionsauslegung und seine Macht infrage stellen – von islamistischen Kämpfern über Salafisten und moderate Muslime bis zu säkularen Menschenrechtlern. Dabei scheut er nicht vor Sippenhaft zurück: Menschen werden entführt, ihre Häuser zerstört.

Die Palästinenser sind nicht die einzigen, die glauben, auch den Sport der Gewalt unterordnen zu können. Beim glanzvollen Abschluss der deutschen WM-Qualifikation in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan wirkte ein wegen Auftragsmordes verurteilter Spieler im Team Aserbaidschans mit, ohne dass es allzu großen Protest des DFB gegeben hätte. Javid Huseynov hatte ein Jahr zuvor einen Mord an einem kritischen aserbaidschanischen Journalisten in Auftrag gegeben und war von einem ordentlichen aserbaidschanischen Gericht zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Bereits im Hinspiel gegen Deutschland im März 2017 durfte er erstmals nach seiner tatsächlich nur wenige Tage andauernden Haft wieder im Nationalteam antreten. Aserbaidschan zahlte unter anderem 80 Millionen Euro an den europäischen Fußballverband UEFA, um bei der EM 2016 prominent als Großsponsor auftreten zu können. Nicht zuletzt deshalb erhielt seine Hauptstadt Baku auch den Zuschlag als Austragungsort des Europa League Finales 2019.