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29.06.18 / Lukaschenko setzt auf China / Weißrussland als Teil der Neuen Seidenstraße – Peking lockt mit günstigen Krediten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 26-18 vom 29. Juni 2018

Lukaschenko setzt auf China
Weißrussland als Teil der Neuen Seidenstraße – Peking lockt mit günstigen Krediten
Manuela Rosenthal-Kappi

Chinesische Firmen investieren seit einigen Jahren verstärkt in Entwicklungsprojekte in Weißrussland. In der Hauptstadt Minsk bauen chinesische Konzerne beispielsweise für 250 Millionen US-Dollar den Wohnkomplex „Promenade“, einen Hotel- und Wohnkomplex für 120 Millionen Dollar und ein Studentenwohnheim für 40 Millionen Dollar. In der Stadt Baryssau im Minsker Gebiet kaufte sich 2012 der chinesische Autohersteller Geely beim weißrussischen Unternehmen BelAZ ein. Präsident Alexander Lukaschenko pries die chinesische Beteiligung als Erfolg seiner China-Politik. In einer ersten Etappe sollten 60000 Autos jährlich hergestellt werden, danach 120000. Da der weißrussische Markt zu klein ist, liegt der Fokus auf Russland als Zielmarkt. 

Lukaschenko beabsichtigt, sich mithilfe der engen Kooperation mit China von der Umklammerung des großen Bruders Russland befreien zu können. Für die Chinesen hat Weißrussland zuvorderst für den Ausbau seiner Neuen Seidenstraße Bedeutung. Aufgrund seiner geostrategischen Lage spielt es nämlich auf der transeurasischen Route eine bedeutende Rolle für die chinesische Transportlogistik. Die Route der Neuen Seidenstraße verläuft durch den gesamten postsowjetischen Raum. Wegen seiner geografischen Lage und der entwickelten Transport- und Zollinfrastruktur ist Weißrussland eine Art Flaschenhals, durch den hindurch China mit dessen Zielmarkt EU verknüpft wird.

China begleitet sein Seidenstraßenprojekt mit dem Großprojekt „Eine Zone – ein Weg“. Dabei handelt sich es um chinesische Investitionen in Logistikzentren entlang der gesamten Route. Weißrussland ist dabei einer der größten Leistungsempfänger. Bei Minsk sollte mit chinesischem Geld ein riesiger Industriepark namens „Großer Stein“ entstehen. Die Weißrussen sind davon ausgegangen, dass dort eine Produktionsstätte für moderne mikroelektronische und biotechnologische Technik entstehen würde, wie auch ursprünglich so angepriesen, doch die Chinesen änderten kur-zerhand ihre Pläne. Der „Große Stein“ ist nichts anderes als ein Zwischenlager für chinesische Produkte auf dem Weg in die EU. Seit 2014 hat das chinesische Bauunternehmen CAMC bereits eine Milliarde Dollar investiert, am Ende werden es 5,5 Milliarden sein. 

Den Ausbau seiner Neuen Seidenstraße lässt China sich einiges kosten. Mit Milliardeninvestitionen und günstigen Krediten lockt Peking Lukaschenko. Dessen jahrelangen Versuche, sich vom großen Bruder Russland unabhängig zu machen, spielten den Chinesen in die Hände. 

Derweil baut China schleichend seinen Einfluss auf die weißrussische Wirtschaft aus. Die chinesischen Firmen DREX Food Group und Xinrongji Holding Group haben es auf den Agrarsektor des Landes abgesehen. Sie haben bereits 20000 Hektar Land gepachtet, um eine Milchfabrik mit 40000 Beschäftigten zu bauen. Chinesische Geschäftsleute haben sich auch für die Fleischkonservenfabrik in Orschansk interessiert. Um ihre Pläne verwirklichen zu können, haben die beiden chinesischen Staatskonzerne beschlossen, die Minsker Bank „Moskau–Minsk“, die zurzeit privatisiert wird, zu kaufen. Daneben erhält Minsk Geld für die Modernisierung seiner Eisenbahninfrastruktur, da diese für den Transport auf der Seidenstraße benötigt wird. 

Ein Blick auf die weißrussische Handelsbilanz zeigt, dass nicht Minsk, sondern vor allem Peking von der Kooperation profitiert. 2017 exportierte Weißrussland Waren im Wert von 362,7 Millionen Dollar nach China, importierte aber Waren für 2,7 Milliarden Dollar. Den Löwenanteil des Exports nach China nimmt Kalisalz ein, für andere weißrussische Waren ist der chinesische Markt gesperrt. Aus China kommen vor allem Elektronik und billige Konsumartikel, wodurch die weißrussische Industrie geschwächt wird. 

Weißrussische Wirtschaftsexperten kritisieren Lukaschenkos Blauäugigkeit gegenüber China. Vor 15 Jahren nämlich kamen Chinesen in die Minsker Traktorenfabrik und kauften zehn Exemplare. Das Wirtschaftsministerium hoffte auf große Bestellungen für den riesigen Absatzmarkt China. Doch die Chinesen kopierten stattdessen die Traktoren und bauten sie selbst. 

Insgesamt habe China in den letzten Jahren den Platz eingenommen, den zuvor Russland hatte. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Chinesen auch politischen Einfluss auf Weißrussland nehmen würden, so die Kritiker.