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29.06.18 / »Das Moll thut dir Wohl« / Ein bislang unbekannter Mozart-Brief fasziniert die Musikwelt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 26-18 vom 29. Juni 2018

»Das Moll thut dir Wohl«
Ein bislang unbekannter Mozart-Brief fasziniert die Musikwelt
Silvia Friedrich

So etwas passiert nur alle Jubeljahre einmal: Das Auftauchen eines verschollen geglaubten Briefs von Mozart. Dank einer überaus großzügigen Spende der österreichisch-deutschen Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann ge­langte ein Brief des größten Musikgenies aller Zeiten in die Sammlung von Original-Autografen der Stiftung Mozarteum, der „Bibliotheca Mozartiana“. 

Der Brief aus Mozarts Feder an seinen Freund Anton Stoll wurde jetzt von dem Mozart-Botschafter der Stiftung, dem Opernstar Ro­lando Villazón, erstmals in Salzburg präsentiert. Die historische Schrift an den Chordirektor Stoll in Baden bei Wien vom 12. Juli 1791, ein knappes halbes Jahr vor Mozarts Tod, gehört zu den wenigen Privatbriefen, die aus dem Besitz des Musikers erhalten ge­blieben sind. Interessant zu wissen ist, dass der prominenteste Vorbesitzer Johannes Brahms war. Ansonsten befand sich der Brief seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz. 

Inhaltlich enthält das Schriftstück die Bitte Mozarts an den befreundeten Chorregenten, ihm die Noten zu zwei Werken zu schicken, die man kurz vorher in Baden in der Kirche aufgeführt hatte, damit er sie in Wien auch aufführen könne. Mozarttypisch bindet er eine schlichte Bitte in ein Gewinde aus Scherzen. Mit der witzigen Anrede „liebster Stoll, bester Knoll, grösster Schroll, bist Sternvoll, gelt, das Moll thut dir Wohl?“, lässt Mo­zart seinen Brief beginnen. Es soll witzig sein, ist auch so gemeint, jedoch, so die Historiker, verwendet der Musicus hier Begriffe, die seinerzeit geläufig waren und einen dicken, groben Menschen bezeichneten. 

Interessant ist die Rückseite des Dokumentes. Dort ist man einer Fälschung auf der Spur. Mozart schreibt mit verstellter Schrift und gibt sich als sein Schüler und Assistent Franz Xaver Süßmayr aus, der die Bitte wiederholt und damit droht, Stoll werde von der neuen „Opera“ nichts erfahren, wenn er diese nicht erfülle. Mit der „Opera“ ist keine geringere gemeint als „Die Zauberflöte“, an der er gerade arbeitete und die am 30. September 1791 ihre Ur­aufführung in Wien hatte. Stoll ist der Bitte mit Sicherheit nachgekommen, denn er wurde kurze Zeit später zu einer Aufführung nach Wien eingeladen.

Der größte Teil der Korrespondenz der Familie Mozart wird in der Bibliothek der Stiftung aufbewahrt. Darunter befinden sich fast 200 Originalbriefe des früh verstorbenen Komponisten, ebenso auch zahlreiche Musikautografen. Diese sind Geschenke und Vermächtnis der Witwe Constanze und der beiden Söhne Carl Thomas und Franz Xaver Wolfgang Mozart.