12.08.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
17.08.18 / Keine Gnade für die Wade / Die Oder-Neiße-Gebiete werden nach und nach für Fahrradurlauber erschlossen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-18 vom 17. August 2018

Keine Gnade für die Wade
Die Oder-Neiße-Gebiete werden nach und nach für Fahrradurlauber erschlossen
Chris W. Wagner

Was die Tschechen längst für sich entdeckt haben, nämlich, dass Fahrradwege Touristen anlocken und Gelder in die Kasse der Gemeinden fließen lassen, hat man allmählich auch in Polen erkannt. Neben dem „Green-Velo-Weg“ im Osten der Republik Polen nehmen Panoramawege für Zweiräder auch in Pommerellen oder in Ostpreußen zu. Zurzeit entsteht ein Weg entlang der Oder, dessen Abschnitte bereits jetzt zu den beliebtesten zählen. Die Kommunen rechnen mit deutschen und tschechischen Touristen, die bis zu 70 Euro täglich bei ihren Fahrradurlauben ausgeben. 

Blue Velo – so heißt die sich im Aufbau befindliche Oder-Route, die von der Ostsee bis zu der tschechischen Grenze in Oberschlesien und durch fünf Woi-wodschaften führt: Oppeln und Schlesien [Oberschlesien], die Woiwodschaften Niederschlesien und Lebus und die Woiwodschaft Westpommern. Blue Velo wird mit dem deutschen Euro-Velo vernetzt und soll das Flaggschiff unter den Fernradwegen in Polen werden. 

Die schnellsten Gebietskörperschaften in dieser Sache befinden sich in Hinterpommern. In wenigen Tagen soll der 44 Kilometer lange Abschnitt von Greifenhagen [Gryfino] bis Bad Schönfließ [Trzcinsko-Zdroj] in Betrieb genommen werden. 

Der Radweg verläuft hauptsächlich entlang des Thue-Tals [dolina Tywy] auf einem 25 Kilometer langen Bahndamm der alten Bahnstrecke Greifenhagen über Bahn [Banie] bis Wildenbruch [Swobnica]. Mann radelt dort entlang von Seen, an der Schlossruine Wildenbruch und einem Weinberg in Marienthal [Baniewice] vorbei.

In der Woiwodschaft Lebus [wojewodztwo lubuskie] setzt man ebenfalls stark auf eine Vernetzung mit den deutschen Nachbarn. Bislang gibt es bereits eine Zusammenarbeit zwischen der staatlichen Forstdirektion in Grünberg [Zielona Gora] und dem Seenland Oder-Spree mit Sitz in Bad Saarow. Der Blue-Velo-Route wird ein beliebter Wanderweg angeschlossen – der „Geoweg Babina“ im sogenannten Bad Muskauer Faltenbogen. Dieser fünf Kilometer lange, durch den Unesco-Geopark führende Weg verläuft auf deutscher Seite mitten durch die sandige Landschaft des Braunkohletagebaus Nochten bei Weißwasser, an durch Tagebau entstandenen Seen entlang. Am Freitag, dem 17. August, wird dort auch mit der bis 2025 andauernden Flutung des Hermannsdorfer Sees begonnen. In Küstrin [Kost-rzyn] und der Frankfurter Dammvorstadt [Slubice] wechselt man die Seiten der heutigen Grenze.

Das Marschallamt Westpommern setzt stark auf die Vernetzung bereits bestehender Fahrradwege, veranlasste aber auch den Bau von vier neuen Trassen, die insgesamt 1500 Kilometer umfassen. Darunter befindet sich der westliche Seenplatten-Weg [Trasa Pojezierzy Zachodnich], der sich von der deutschen Grenze bis Baldenburg [Bialy Bor] erstreckt. Auch die alte Eisenbahntrasse von Kolberg [Kolobrzeg] und Großmöllen [Mielno] bis Deutsch Krone [Walcz] und die beliebte Velo-Baltica-Route werden der Blue-Velo-Route angeschlossen. 

Elektronische „Radtouristenzähler“ sollen bezeugen, dass sich Investitionen in Wege und andere Infrastrukturprojekte lohnen. 

Vier solcher Zähler wurden in der Woiwodschaft Westpommern installiert. In Swinemünde [Swinoujscie], am Anfang des Ostseefahrradweges, wurden am 19. Juli bereits 6790 Radler gezählt, in Rehbock [Rogow] waren es 2240 und in Rügenwalde [Darlowo] waren es 1006 Fahrradfahrer.

Auch in Oberschlesien wird das Radeln immer beliebter, suchen doch vor allem die Spätaussiedler, die auf Besuch in der Heimat sind, Zerstreuung auf zwei Rädern oder auch, um die kalorienreichen Mahlzeiten der oberschlesischen Küche abzutrainieren. Zurzeit werden Fahrradwege im Süden der Woiwodschaft Oppeln ausgebaut und mit dem tschechischen Wegenetz zum Beispiel bei Ziegenhals [Glucholazy] vernetzt.

Auch die Deutsche Minderheit motiviert ihre Mitglieder zu landeskundlichen Fahrradtouren. Im Projekt „Konsolidierung der Begegnungsstätten“ werden Fahrradausflüge zu geschichtsträchtigen Orten angeboten, wie zum Beispiel auf den Spuren der Preußisch-Französischen Kriege um Cosel [Kozle]. Noch muss man hier durch Felder und Wiesen strampeln, aber es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die dortigen Kommunen auch ihre Chance entdecken.