29.01.2022

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17.08.18 / Schicksal im Ungarn der »Wendezeit«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-18 vom 17. August 2018

Schicksal im Ungarn der »Wendezeit«

Gödölló, eine Kleinstadt zur Zeit kurz vor und nach der „Wende“: Die Autorin Noemi Kiss, die in der Nähe von Budapest lebt, entwirft in ihrem Roman „Dürre Engel“ ein Bild von Ungarn in den 80er und 90er Jahren, in denen junge Menschen wie ihre Protagonistin Livia, eine 40-jährige Lehrerin, mit der allseits gegenwärtigen Korruption konfrontiert sind. Sie sehen, wie Altkader – wie der Schuldirektor ihrer Schule – bei der Erfüllung von EU-Vorschriften schummeln. Auch das Rollenverhältnis zwischen Mann und Frau bleibt das alte. Viele suchen ihr Glück im Ausland. 

Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann und aus Enttäuschung über ihre Kinderlosigkeit versuchte auch Livia ihr Glück in Deutschland, kehrte aber schnell zurück. Nach ihrer Rückkehr erfährt sie, dass ihr Mann Öcsi, ein erfolgreicher Sportler, ein Doppelleben führte und ein Kind mit einer anderen Frau hat. Die Situation eskaliert, und Livia ersticht ihren Mann im Affekt. Nach einem erlittenen Herzinfarkt wartet sie im Krankenhaus auf ihren Prozess. Zwischen Panikattacken und Dämmerzustand lässt sie ihr Leben Revue passieren, fragt sich, an welchem Punkt die große Liebe zu ihrem Mann in Hass umkippte. 

Nur bruch-

stückhaft und mosaikartig erfährt der Leser die näheren Umstände, die zu der Tat führten: Livia plagen von Kindheit an Selbstzweifel. Sie empfindet es als großes Glück, dass ausgerechnet sie Öcsi, den allseits beliebten Star, für sich gewinnen konnte. Doch nach der Hochzeit beginnen die Gewalttätigkeiten. Verzweifelt hält die junge Frau an ihrem Kinderwunsch fest, flüchtet sich in sexuelle Beziehungen, die zur Selbstzerstörung führen. 

Insgesamt poetisch und interessant erzählt, enthält das Buch zuweilen doch auch Längen. MRK

Noemi Kiss: „Dürre Engel. Roman“, Europaverlag, München 2018, gebunden, 294 Seiten, 22,90 Euro