12.08.2022

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14.09.18 / Mauer-Absichten mitten in Berlin

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-18 vom 14. September 2018

Mauer-Absichten mitten in Berlin
Vera Lengsfeld

In Berlin besteht tatsächlich die Absicht, dort, wo es am schönsten ist, wieder  eine Mauer zu bauen. Was wie eine   Verleumdung der verantwortlichen Politiker klingt, ist leider wahr. Jedenfalls geht aus den öffentlich zugänglichen Unterlagen  der Berliner Festspiele GmbH hervor, dass ein Projekt des russischen Regisseurs Ilja Chrschanowskij unterstützt werden soll, im Rahmen der Berliner Festspiele im Herzen von Berlin temporär eine Mauer zu errichten (siehe PAZ vergangener Woche). 

Deshalb hat sich der Bürgerrechtler und Regisseur Konrad Weiß mit einem offenen Brief an die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) gewandt. Er schreibt: „Der Gedanke, dass ein Stück Berlin neuerlich von einer Mauer geschändet wird, und sei es auch nur für einige Tage, ist für mich unerträglich. Ich denke, dass dies viele, die in der DDR oder in Ost-Berlin gelebt haben, so empfinden werden. Allein die Vorstellung, an der Staatsoper, gegenüber der Hedwigskathedrale oder Unter den Linden – mitten im freiheitlichen Berlin – Wachtürme und Beton und Grenzposten sehen zu müssen, lässt bitterste Erinnerungen und Gefühle wach werden.“

Weiß verweist darauf, dass die geplante Installation keine künstlerische Provokation wäre, sondern eine ungeheuerliche Verharmlosung der kommunistischen Verbrechen. Die wirkliche Mauer war kein harmloses Symbol, sondern eine   tödliche Grenze, an der viele Menschen  ihr Leben gelassen haben bei dem Versuch, sie zu überwinden und die Freiheit zu erlangen. 

Die angedachte Installation ähnelt einem Gruselkabinett auf dem Jahrmarkt, nur dass es auf dem Rummel um eine Fiktion geht, die anders als bei Chrschanowskij keinen Bezug zur Realität hat.

Weiß: „Natürlich wird es Menschen geben, die sich ein ,Visum‘ für sein Mauerland kaufen und sich für alles nur Denkbare gebrauchen und benutzen lassen. Aber sie werden die Schrecken einer Diktatur dennoch nicht nachvollziehen können.“ 

Gleichzeitig wird der großartigste Moment der deutschen Geschichte entwertet, indem man ihn zum harmlosen Spiel degradiert. Weiß gibt zu bedenken: „Wenn Sie Ilya Chrschanowskijs Projekt  zulassen … würde mitten in Berlin eine  No-Go-Area geschaffen, in der … das Grundgesetz nicht oder nur noch bedingt gilt.“

Das wäre eine unverantwortliche Beschränkung der bürgerlichen Freiheit.